BilligimporteLi warnt vor Strafzöllen gegen Chinas Solarbranche

Im Streit um die Einfuhr billiger Solarpanele hat Chinas Ministerpräsident EU-Pläne zu Handelsbarrieren kritisiert. Die Bundesregierung hofft auf eine gütliche Einigung.

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hat vor Strafzöllen in der EU gegen die Solarbranche im eigenen Land gewarnt. Diese würden "anderen schaden, ohne dass sie einem selbst nützten", sagte er kurz vor seinem Besuch in Deutschland. Li habe sich kritisch vor Unternehmen in der Schweiz geäußert, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

China hoffe, dass die EU die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit der Volksrepublik als Ganzes bedenke und das Prinzip des freien Handels aufrechterhalte, sagte Li. Er ist der ranghöchste chinesische Politiker, der sich bislang zum Streit über Billigimporte von Solarmodulen geäußert hat.

Anzeige

Die EU-Kommission will den Import billiger Solarmodule aus China künftig verhindern. So soll die Einfuhr von Solarpaneelen mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 47 Prozent belegt werden. China kündigte konsequente Maßnahmen zum Schutz seiner Interessen und Rechte an.

Solarbranche empört sich über chinesische Hersteller

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Europa und China müssten versuchen, gütliche und faire Einigungen zu finden, mit denen beide Seiten leben könnten. In diesem Sinne werde die Kanzlerin auch bei dem Treffen mit Li sprechen. Europäische Solarhersteller hatten die Bundesregierung im Vorfeld aufgefordert, China klar zu machen, dass das internationale Handelsrecht auch für China gelte. Chinesische Hersteller verkauften Produkte unter den Herstellungskosten und würden dafür vom Staat subventioniert.

In Brüssel demonstrierten am Freitag Vertreter der europäischen Solarbranche. Der Solarverband Afase sieht wegen der Einfuhrzölle 200.000 Jobs in der Branche in Europa gefährdet. Die deutsche Wirtschaft warnt hingegen vor einem Handelskrieg mit China und will Strafzölle gegen chinesische Solarmodul-Hersteller verhindern.

Der seit März amtierende Ministerpräsident wird am Wochenende zum Antrittsbesuch nach Deutschland reisen und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen. Li besucht Deutschland als ersten EU-Staat, den mit Abstand größten Handelspartner des Landes in Europa. Gleich zu Beginn sollen auch viele Wirtschaftsverträge unterzeichnet werden. Delegationskreisen zufolge wird ein Vertragsvolumen von vier bis fünf Milliarden Euro angepeilt.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. 1 Billion Euro, die lt. Bundesumweltminister Altmaier die Energiewende kostet, sind anscheinend nicht genug, jetzt zwingen uns die Ökofanatiker auch noch eine folgenschweren Handelskrieg mit China auf. Heutzutage kann man sich gar nicht mehr richtig freuen, wenn die Sonne scheint, weil man weiß, das wird teuer!

    4 Leserempfehlungen
    • illyst
    • 25. Mai 2013 10:07 Uhr

    Das kommt dabei raus, Jahrzehnte lang hat man in China billig produzieren lassen und sich gefreut wie stark der Gewinn gesprudelt ist. Das wir damit unseren Binnenmarkt gestört haben waren Wirtschaft UND Medien völlig schnurz, man argumentierte gar mit der Stärkung unserer Wirtschaft.

    Frei nach dem Ton:
    Wenn wir den billigen Plastikkram da drüben produzieren lassen haben wir mehr Kapazitäten für technologisch hochwertige Produkte, schlieslich haben wir da Vorsprung.

    Nun fängt China selber an Technologie zu exportieren und das Geschrei ist mal wieder groß.
    Zahlen wir denen eigentlich noch Entwicklungshilfe?

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    haben wir mehr Kapazitäten für technologisch hochwertige Produkte, schließlich haben wir da Vorsprung."

    Vollkommen richtig. Wir haben selbst bei Solar-Panelen noch Vorsprung, der ist aber so gering, dass er den Aufpreis nicht rechtfertigt und es unseren Produzenten schon seit längerem so schlecht geht, dass Investitionen in supermoderne Produktionstechnik nicht mehr möglich sind.

    Typisch auch die Reaktion der Nicht-Solar-Wirtschaft: "Bitte, bitte Bundeskanzlerin, verärger' uns die Chinesen nicht, denn wir gehören zu denen, die in China noch immer tolle Geschäfte machen."

    Wirtschaftspolitik mit der Weitsicht eines Maulwurfs. Eines geldgierigen Maulwurfs.

    • ZPH
    • 25. Mai 2013 10:42 Uhr

    aus der EU austreten. Dann kann die EU versuchen sich mit ihrem Proktionismus-Kommissaren in Kooperarion mit den Lobbyisten irgendwelcher Verlierer vor der Marginalisierung zu schützen so viel sie will und das ohne die Wirtschaft hier damit zu runieren.

    2 Leserempfehlungen
  2. haben wir mehr Kapazitäten für technologisch hochwertige Produkte, schließlich haben wir da Vorsprung."

    Vollkommen richtig. Wir haben selbst bei Solar-Panelen noch Vorsprung, der ist aber so gering, dass er den Aufpreis nicht rechtfertigt und es unseren Produzenten schon seit längerem so schlecht geht, dass Investitionen in supermoderne Produktionstechnik nicht mehr möglich sind.

    Typisch auch die Reaktion der Nicht-Solar-Wirtschaft: "Bitte, bitte Bundeskanzlerin, verärger' uns die Chinesen nicht, denn wir gehören zu denen, die in China noch immer tolle Geschäfte machen."

    Wirtschaftspolitik mit der Weitsicht eines Maulwurfs. Eines geldgierigen Maulwurfs.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer soll das denn sein, der sowas sagt :
    <em>"..Typisch auch die Reaktion der Nicht-Solar-Wirtschaft: "Bitte, bitte Bundeskanzlerin, ..." </em>

    Ist neulich in noch weit verquerer Form wie hier im Artikel und den Komentare dazu, bei SPON schon im Artikel allein so zu lesen gewesen.
    faz.net hat sich auf ganz krasse Reaktionen chinesischer Rohrhersteller focusiert (Welche mit Schweißnaht innen. Ein echter Hightec Konflikt droht da !).

    Tja, und da hatte ich bei SPON versucht die Anmerkung anzubringen, daß selbst da wo es in Deutschland eine echte Industrie gibt, nämlich im Automobilbau, es keine "nachgelagerte Industrie" des Maschinenbaus gibt und das auch im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu erfahren ist (das ist also weder Staatsgeheimnis noch Betriebsgeheimnis von irgend wem), weil das angeblich der Bereich sein soll, der dann in China drunter zu leiden hätte.

    Das in Klammern habe ich nur geschrieben, weil "in Deutschland" die Medien von den Esoterikern oder selbst fabrizierenden Pseudoideologen, rein überhaupt nicht gemieden werden.
    Oder anders gesagt "Es gibt ein Leben neben der Vorstellungswelt die aus Vagheit und inhärenter Logik der Selben gesponnen ist."

    • 可为
    • 25. Mai 2013 11:32 Uhr

    "Chinesische Hersteller verkauften Produkte unter den Herstellungskosten und würden dafür vom Staat subventioniert. "

    So funktioniert die halbe EU Landwirtschaft...

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mit "halbe" kommen Sie nicht hin.

    Aber das ist ja ganz was anderes....

    • Lasy
    • 25. Mai 2013 12:52 Uhr

    Ich hoffe, dass die in Deutschland auf den Dächern montierten Solaranlagen nicht lange halten. Es werden wieder neue verkauft, eine höhere Brandschutzversicherung und eine Sondermüllabgabe werden dann hoffentlich fällig. Abschaffung jeglicher Förderung. Lügen beim Wirkungsgrad und Sinn der Module. Die Hauptsache die Wirtschaft floriert. Wohin mit dem zuviel produzierten Strom? Ich wünsche mir das ganze Jahr Schnee auf dem Dach.

    2 Leserempfehlungen
  3. Durch Arroganz und Gier einzelner Schlossbesitzer/EU-Kommissare werden mehrere unserer Industriezweige gegen den Baum gefahren!

    Wie bitte schön sollen modere Solarzellen (z. B. CIGS-Solarzellen) aus D konkurrenzfähig werden, wenn der Zugang zu den Rohstoffen (Gallium, Germanium und besonders Indium!) massiv gestört wird!?

    Wie brauchen z. B. Indium auch für LCD, organischen Leuchtdioden (OLED), Touchscreens, Dünnschicht-Beschichtung usw.

    China liefert über 55 % der Weltindiumproduktion, bei natürlichen Vorräte von 11.000-20000 Tonnen, einer statische Reichweite von MAXIMAL (!) 19 Jahren geht in Deutschland schnell das günstige LED- Licht aus!

    Ganz zu schweigen von unserer Verteidigungsfähigkeit, die genannten Metalle werden für passive Radaranlagen gebraucht um getarnte Flugkörper/Drohnen aufzuspüren.

    Danke liebe EU- Ökos für diese Weitsicht!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Indium
    http://www.netzeitung.de/ausland/259705.html
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/passives-radar-china-will-stea...

    • grrzt
    • 25. Mai 2013 15:28 Uhr

    Empfänger von Entwicklungshilfe ist. Wenn ja, dann: "Hm...--" Forderungen kann es ja stellen, interessant und diskussionswürdig wäre das aber erst dann, wenn die chin. Apparatischiks gegen Produkpiraterie angemessen vorgehen würden, wenn sicher gestellt wäre, dass Patente geachtet und Patentrechtverletzungen in China geahndet werden. Ansonsten ist das nicht mehr als ein "Rumheulen", eines Diebes, dem man das geklaute Auto klaut...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle dpa, AFP, Reuters, cw
  • Schlagworte Bundesregierung | Europäische Union | EU-Kommission | Li Keqiang | China | Handel
Service