Steuerflucht : Cameron bringt britische Steueroasen zur Räson

Der britische Premier macht den Kampf gegen Steuerflucht zum zentralen Thema seines G-8-Vorsitzes. Zunächst aber will er im eigenen Commonwealth für Ordnung sorgen.
Der Britische Premierminister David Cameron vor dem Gebäude in der No. 10 Downing Street (Archiv) ©EPA/KERIM OKTEN dpa

Der britische Premierminister David Cameron hat die Überseegebiete seines Landes aufgefordert, stärker gegen Steuerhinterziehung vorzugehen. Es sei Zeit, "das Haus in Ordnung" zu bringen, heißt es in einem Brief, den Cameron unter anderem an die Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie an Gibraltar und die Bermudas geschrieben hatte.   

Diese Regionen sind britische Überseegebiete oder befinden sich in britischem Kronbesitz – und werden international als Steueroasen gebrandmarkt. Nun rief Cameron die Verantwortlichen auf, die Transparenz in Steuersachen zu erhöhen und internationalen Abkommen zum Datenaustausch beizutreten.

Zwar räumte der Premier ein, dass niedrige Steuern ein Motor für Wachstum und Wohlstand seien. "Aber", so schreibt Cameron weiter, "niedrige Steuern sind nur dann tragbar, wenn das, was geschuldet ist, auch tatsächlich gezahlt wird."

Er verurteilte insbesondere Modelle, in denen die Besitzverhältnisse der Unternehmen unklar bleiben. Die Regierung müsse wissen, "wer wirklich welches Unternehmen besitzt und kontrolliert". Dies müsste in Zukunft besser kontrolliert werden, den Adressaten seines Briefs bescheinigte der Brite hierbei noch Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich "Qualität und Exaktheit" der Regelungen.

Cameron begrüßte die von den Überseegebieten bereits angekündigte Offenlegung von Steuerdaten, forderte zugleich aber einheitliche Standards weltweit. Es mache keinen Sinn, Steuerflucht in einem Land anzugehen, schrieb er, wenn das Problem einfach in ein anderes verlegt würde.    

Anfang April hatten Medienberichte für Aufsehen gesorgt, wonach ein riesiger Datensatz 130.000 mutmaßliche Steuersünder aus mehr als 170 Ländern enttarnt hatte. Sie sollen geheime Geschäfte mit Offshore-Firmen in einschlägigen Steueroasen gemacht haben. Genannt wurden dabei auch die Britischen Jungferninseln und die Cayman-Inseln, die zu den Adressaten von Camerons Brief zählen.

Großbritannien übernimmt im kommenden Monat den Vorsitz der G 8 und hat in dieser Funktion die acht größten Industrienationen zum Gipfel nach Nordirland geladen. Zentrales Thema soll dabei laut Cameron der Kampf gegen Steuerhinterziehung sein.

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