Die EU-Kommission hat Ölfirmen in drei Ländern durchsuchen lassen. Bei den Razzien wurde nach Hinweisen auf Manipulation des Ölpreises gesucht, teilte die Brüsseler Kartellbehörde mit. Es bestehe der Verdacht, dass die Firmen sich abgesprochen haben, um die Feststellung der Ölpreise durch sogenannte Preisagenturen zu manipulieren.

Die Namen der betroffenen Firmen werden offiziell wie üblich geheim gehalten. Es soll sich um Unternehmen aus zwei EU-Mitgliedsstaaten und einem weiteren Staat des europäischen Wirtschaftsraumes (EU einschließlich Norwegen, Island und Liechtenstein) handeln, die im Geschäft mit Rohöl, Biokraftstoffen und raffinierten Ölprodukten tätig seien.

Der norwegische Konzern Statoil teilte mit, dass er zu den durchsuchten Unternehmen gehört. Die Aufsicht der Europäischen Freihandelszone, zu der Norwegen gehört, inspizierte demnach gemeinsam mit norwegischen Ermittlern Geschäftsräume am Hauptsitz Stavanger. "Statoil kooperiert mit den Behörden", hieß es in der Mitteilung der Firma. Auch BP und Shell bestätigten, von den Razzien betroffen zu sein.

Die Firmen könnten zusammengearbeitet haben, um die Daten bei einer Agentur zu manipulieren, die Preise von Öl und Ölprodukten veröffentlicht. "Sogar kleine Verzerrungen der angesetzten Preise können einen riesigen Einfluss auf die Preise von Rohöl, raffinierten Ölprodukten und Käufe und Verkäufe von Biokraftstoffen haben, wobei sie potenziell die Verbraucher schädigen", teilte die EU-Kommission mit.

Außerdem könnten die Unternehmen andere Firmen davon abgehalten haben, sich an der Erfassung der gezahlten Preise durch die Preisagentur zu beteiligen. Ein solches Verhalten sei ein Verstoß gegen das Kartellrecht und ein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung.

Erster Anfangsverdacht

Es handelt sich bei der Razzia um einen ersten Schritt bei der Ermittlung von wettbewerbswidrigem Verhalten. Die Durchsuchungen bedeuteten aber nicht, dass die Firmen tatsächlich gegen Richtlinien verstoßen haben.

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer hatten 2011 die Internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco) damit beauftragt, die Rolle von Preisagenturen und die starken Ausschläge auf dem Welt-Ölmarkt zu untersuchen. Die Aufsichtsbehörde hatte unter anderem vorgeschlagen, eine Verpflichtung zur Meldung aller Geschäftsabschlüsse einzuführen, die die Preisbemessung beeinflussen könnten.