Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich darauf geeinigt, das Bankgeheimnis bis Jahresende praktisch abzuschaffen. Für den Beschluss verschärfter Regeln über die Weitergabe von Steuerdaten innerhalb der EU "haben wir heute eine Frist bis Jahresende gesetzt", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nach einem EU-Gipfel in Brüssel. 

Die seit fünf Jahren stockenden Verhandlungen sollen dem Beschluss zufolge nun bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Die weitgehende Weitergabe von Steuerdaten innerhalb der EU kommt praktisch der Abschaffung des Bankgeheimnisses für Ausländer gleich. "Es ist höchste Zeit, den Kampf gegen Steuerhinterziehung zu verstärken", sagte Van Rompuy.

Die meisten EU-Länder geben automatisch Auskünfte über Zinserträge von EU-Ausländern an deren Heimatländer weiter. Nur Luxemburg und Österreich sperren sich noch dagegen. In der EU ist jedoch ein massiver Druck entstanden, Steuerschlupflöcher zu schließen und auch weitere Anlageprodukte wie etwa Lebensversicherungen zu reglementieren.  

Luxemburg und Österreich fordern für ihre Zustimmung, dass zuvor entsprechende Abkommen mit den Nicht-EU-Ländern Schweiz, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Andorra abgeschlossen werden, weil sie sonst Nachteile im Wettbewerb mit anderen europäischen Finanzplätzen fürchten. Deshalb sollen die Verhandlungen mit den fünf Nicht-EU-Ländern über die automatische Weitergabe von Steuerdaten "so schnell wie möglich abgeschlossen werden", sagte van Rompuy.