Offshore LeaksDeutschland bekommt Zugriff auf Steuerdaten

Die USA, Großbritannien und Australien wollen liefern: 400 Gigabyte an Dokumenten über Steuerflüchtlinge soll der deutsche Finanzminister zur Auswertung bekommen.

Georgetown, die Hauptstadt der Cayman Islands

Georgetown, die Hauptstadt der Cayman Islands  |  ©Alan Markoff/Reuters

Das Bundesfinanzministerium bekommt Zugriff auf die Offshore-Leaks-Daten und deren Angaben über Steuerflüchtlinge. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht der Süddeutschen Zeitung. Die USA, Großbritannien und Australien würden Deutschland 400 Gigabyte Daten zur Verfügung stellen. Mit den drei Ländern, die direkten Zugriff auf die Daten hätten, arbeite Deutschland seit Langem in internationalen Steuersachen zusammen.

Bei den Daten handelt es sich um mehr als zwei Millionen Dokumente aus Steueroasen in der Karibik und in Asien. "Der Zugriff auf die Daten ist Frucht unserer internationalen Bemühungen, Steuerbetrug zu bekämpfen und Steueroasen auszutrocknen", teilte das Finanzministerium mit. Mit dem Datenfund werde bestätigt, dass internationale Zusammenarbeit und Informationsaustausch der Schlüssel zu einer erfolgreichen Bekämpfung des Steuerbetrugs seien.

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130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern werden in den Unterlagen aufgelistet. Die Dokumente stammen von zwei Firmen, die auf Offshore-Gesellschaften spezialisiert und führend auf diesem Gebiet sind. "Die 400 Gigabyte Daten werden noch ausgewertet, aber erste Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen und Treuhandgesellschaften in mehreren Territorien auf der Welt genutzt wurden", teilte die britische Steuerbehörde HMRC mit. Darunter seien Singapur, die Britischen Jungferninseln, die Cayman-Inseln und die Cook-Inseln.

Eine der größten Ermittlungen der Geschichte

"Wir werden die Betrüger aufstöbern", sagte der britische Finanzminister George Osborne. "Die Botschaft ist einfach: Wer Steuerflucht begeht, dem heften wir uns an die Fersen." Das Internationale Netzwerk für Investigativen Journalismus (ICIJ) teilte mit, bei der nun eingeleiteten Untersuchung könne es sich um eine der größten Finanzermittlungen der Geschichte handeln.

In dem seit Anfang April von Medien aus 46 Ländern ausgewerteten Datenpaket Offshore-Leaks wurden zahlreiche Transfers sowie Firmengeflechte in Steuerparadiesen enthüllt. Auch infolge dieser Angaben verstärkte die Politik ihre Anstrengungen, Steueroasen trockenzulegen. Einige Länder wollen inzwischen ihr Bankgeheimnis lockern, mehrere Steueroasen sind zum Informationsaustausch bereit.

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Leserkommentare
  1. Tipp: Die Kanalinseln und der Bundesstaat Delaware. Die Karawane ist schon weitergezogen. Es dürfte wohl nur C-E Promis treffen. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/sam

    5 Leserempfehlungen
  2. Es müssen ja nicht nur Betrüger sein, gibt doch zumindest für die Wirtschaft und die Wohlhabenden genug legale Möglichkeiten.
    Für unsereinen Normalsterblichen lohnt sich das nicht.

    Für die Auswertung ist aber eine neue Behörde notwendig mit mindestens 1000 Beamten, die dann von unseren Steuern bezahlt werden.

    Man könnte auch die Steuern senken dann würde sich der Aufwand zum Steuern sparen nicht mehr lohnen.

  3. Im Grunde sind doch fastalle größeren Unternehmen (legale) Steuerbetrüger, da fast alle Tochterfirmen in Steuerparadiesen unterhalten, legal bedeutet nicht ok da sie Fehler im System ausnutzen- in Spielen nennt man das bugusing und führt zur Ächtung des Spielers..
    Google zb zahlt fast keine Steuern, ganz legal, und alles, was die Konzerne dem Staat vorenthalten muss der Bürger über indirekte Steuern nachzahlen, genauso wie die Gelder der illegalen Steuerbetrüger; beides ist direkter Diebstahl am Volk, im ganz großen Stil.
    Es wird Zeit die Schlupflöcher dichtzumachen, die Steuerparadise zu ächten und die Strafen für Hinterziehung drastisch zu erhöhen- zb 100000 Euro zu hinterziehen=100000 Euro stehlen.

    7 Leserempfehlungen
  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie den konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/sam

  5. 8 Leserempfehlungen
  6. und andere Gesellschaften / Personen sich über dem Gesetz befinden. Glauben Sie mir nicht? Lesen Sie mal hier: http://www.rollingstone.c...

    Am besten noch alle anderen Artikel von Taibbi.

    2 Leserempfehlungen
  7. Also in die Händer derjenigen, die Steuerhinterziehung augenzwinkernd als Sünde verniedlichen und den Sündern viele Hintertürchen zur Wahrung ihrer Anonymität öffnen.
    Als erstes werden die Dokumente wohl von unserer Regierung als geheim eingestuft und die weitere Verwendung als Straftatsbestand des Geheimnisverrats.
    Und siehe da, die stürmische See glättet sich ganz schnell ...
    Wohin soll das denn führen, wenn massenhaft Leistungsträger als Kriminelle enttarnt werden.

    7 Leserempfehlungen
  8. "Offshore Firma Gründen
    Gründung einer Limited Ltd... Jetzt Kostenloser Namens-Check!"

    Ist das ein Scherz oder braucht die Redaktion Geld von Herrn Schäuble ;-)

    (Ich kaufe mir mein ZEIT-Exemplar immer beim Bäcker um die Ecke...harte, teure Brötchen und schwer verdauliche Kommentare/Artikel passt super zusammen)

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, sc
  • Schlagworte Bundesfinanzministerium | Steueroasen | Karibik
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