ElefantenDas Töten muss ein Ende haben

Binnen weniger Monate wurden in Afrika Hunderte Elefanten abgeschlachtet. Die Weltgemeinschaft könnte das ändern. Sie muss es jetzt tun. von Bradnee Chambers

Politische Unruhen, Staatsstreiche, Berichte über Kindersoldaten an der Kriegsfront, über Arme, die das wenige verlieren, was sie haben, während die Erlöse aus dem Reichtum umgeleitet werden, um Tod und Zerstörung zu finanzieren. Das sind die Geschichten, die uns seit Jahren aus Afrika erreichen.

Wer hat da noch einen Kopf für diese Geschichte? In Afrika wird gerade Elefantenblut vergossen, hundertfach. Die Population der Tiere sinkt drastisch. Im Februar 2012 wurden rund 200 Elefanten in Kameruns Bouba-N’Djida-Nationalpark getötet. Die Wildhüter in Kamerun waren den gut ausgerüsteten Milizen, die aus dem benachbarten Sudan gekommen sein sollen, hoffnungslos unterlegen. Sie waren außerstande, die Tiere zu schützen.

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Im Januar 2013 wurde eine ganze Elefantenfamilie abgeschlachtet, elf ausgewachsene Tiere und ein Kalb. Es war der schlimmste Vorfall seit dem Massenmord an Elefanten in den 1980er Jahren, als der kenianische Wildlife Service von einem "unfassbar abscheulichen Verbrechen" sprach. Zwei Monate später wurde der Tod von 86 Elefanten berichtet, allesamt binnen einer Woche gestorben im Südwesten des Tschad.  Sie befanden sich auf ihrer Wanderung in die Zentralafrikanische Republik und Kamerun. Die Wilderer trugen automatische Waffen und benutzten Sägen, um die Stoßzähne abzutrennen.

Bradnee Chambers
Bradnee Chambers

leitet seit März 2013 das Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder, wild lebender Tierarten der Vereinten Nationen. Der Sitz ist in Bonn.

Der jüngste Vorfall ereignete sich vor wenigen Tagen an der Grenze zu Kamerun. Mindestens 26 Elefanten wurden auf einer Lichtung im Wald getötet, der Name des Ortes ist Dzanga Bai. Die Lichtung wird eigentlich zur Tierbeobachtung in der Zentralafrikanischen Republik genutzt. Sie steht auf der Liste der Welterben der UNESCO.

Hier spielt sich eine Umweltkatastrophe ab

Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist eine Umweltkatastrophe. Wir dürfen nicht einfach schulterzuckend das Entsetzen abschütteln. Die Straftaten werden oft von denselben Netzwerken verübt, die auch mit Waffen, Drogen und Menschen handeln. Sie sind zu einer ernsthaften Gefahr für die Sicherheit, die politische Stabilität, die natürlichen Ressourcen und das kulturelle Erbe vieler afrikanischer Staaten geworden. Auf diese Bedrohung braucht es eine Antwort, doch diese Antwort können die Umwelt- und Strafverfolgungsbehörden auf internationaler und regionaler Ebene zum Schutz von Wildtieren nicht geben. Sie haben dazu gar nicht die Möglichkeiten.

Nachhaltige Nutzung, Ernte und Lebensgrundlagen – die Begriffe, die Tierschützer verwenden, gehören nicht zum Vokabular derjenigen, die die Taten begehen oder dazu anstiften. Wie die seefahrenden Plünderer früherer Zeiten plündern sie und brandschatzen. Sie nehmen sich, was sie wollen und lassen eine Schneise der Verwüstung zurück, bevor sie zum nächsten Ort ziehen. Angespornt durch die Notwendigkeit, ihre politische Sache zu finanzieren oder einfach nur durch reine Profitgier, sehen sie sich in ihrer Maßlosigkeit derzeit sogar bestätigt. Die Nachfrage nach Elfenbein ist auf einem Rekordniveau, vor allem in den aufstrebenden asiatischen Staaten.

Die Wildlife Conservation Society schätzt, dass allein in dem zentralafrikanischen Land Gabun seit 2004 rund 11.000 Elefanten illegal getötet wurden. Anders als in anderen Staaten zeigt die Politik in Gabun zumindest den Willen zum Widerstand. Wie vor wenigen Jahren in Kenia ordnete Präsident Ali Bongo Ondimba an, dass beschlagnahmte Elfenbeinbestände verbrannt werden. Ondimba hat jetzt seinem Amtskollegen in der Zentralafrikanischen Republik, Michel Djotodia, Unterstützung angeboten. Der renommierte Naturschützer Mike Fay wurde kürzlich als Leiter eines Teams zur Bekämpfung der Wilderei entsandt.

Leserkommentare
  1. Aber was wird denn von einer "Weltgemeinschaft" erwartet, deren oberstes Ziel eine Gewinnmaximierung um jeden Preis ist?

    So machen die Menschen in Afrika dass, was wir Ihnen hier jeden Tag vorleben. Rücksichtslos die Resourcen verbraten und sich selber einen guten Tag machen. ( Sofern möglich )

    Traurig aber leider wahr.

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    Seit Anbeginn der Menschheit ziehen Horden umher und nehmen sich was sie kriegen können. Allenfalls sesshafte Bevölkerungen haben ein genuines Eigeninteresse daran, ihr Lebensumfeld einigermaßen intakt zu halten.

    Es ist ein historischer Sonderfall, daß wir im 20. Jh. nahezu weltweit soetwas wie staatliche Ordnung hatten, die sich zuletzt sogar ein wenig dem Naturschutz verpflichtet gefühlt hatte.

    Das geht vorüber.

  2. Seit Anbeginn der Menschheit ziehen Horden umher und nehmen sich was sie kriegen können. Allenfalls sesshafte Bevölkerungen haben ein genuines Eigeninteresse daran, ihr Lebensumfeld einigermaßen intakt zu halten.

    Es ist ein historischer Sonderfall, daß wir im 20. Jh. nahezu weltweit soetwas wie staatliche Ordnung hatten, die sich zuletzt sogar ein wenig dem Naturschutz verpflichtet gefühlt hatte.

    Das geht vorüber.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Traurig, traurig."
    • übel
    • 30. Mai 2013 16:17 Uhr

    Auch ich werde bei diesem Artikel traurig, jedoch nicht aus (gerne immer wünschenswertem) Mitleid mit den Tieren, sondern wegen der wenig weit reichenden Gedanken des Autors.

    Es werden grausame Beispiele verschiedener Tiermorde mit toll plastischen Bildern und genau bezifferten Opferzahlen präsentiert ohne die Geschehnisse in einen wirklichen Bezug zu setzen (z.B. zu der Gesamtzahl afrikanischer Elefanten, welche bei über einer halben Million liegt).

    Die Tötungen stellen eine "Umweltkatastrophe" dar? Laut diesem Artikel sind die Elephanten aufgrund ihrer großen Zahl und weitreichenden Bedürfnisse in vielen Gegenden die eigentliche Katastrophe:

    http://www.badische-zeitung.de/panorama/elefantenpopulation-waechst-star...

    Der eigentlich interessante Teil der Geschichte ist, warum diese Menschen auf Elephantenjagt gehen und dabei das Risiko in Kauf nehmen, wegen Wilderei verhaftet oder gar erschossen zu werden.

    Investigativer Journalismus könnte hier vielleicht ans Licht bringen, dass es sich nicht um "rücksichtsloses Ressourcen verbraten" handelt, sondern Armut vermutlich eher als Erklärung taugt.

    Wie sehr würde ich mich über einen Artikel freuen, der bei solcherlei Problemen nicht die, immer gleichen, europäischen Parolen schreit (Es ist noch nicht zu spät. Aber es bleibt uns nur noch wenig Zeit.), nicht West-, Zentral- und Ostafrika in einen Topf wirft, sondern die richtigen Schlussfolgerungen und Handlungen den Menschen vor Ort anvertraut.

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    jedoch nicht aus (gerne immer wünschenswertem) Mitleid mit den Tieren, sondern wegen der wenig weit reichenden Gedanken des Autors."

    Wenn ich die wenigen Gedanken, die in diesem wundervollen Beitrag zum Ausdruck kommen, mal zusammenfassen darf:

    1. Arme Menschen dürfen wegen ihrer Armut alles, zumindest aber alle Tiere abschießen, die sie erwischen können.

    2. Um die Elefanten ist es nicht schade, denn da es zuviele von ihnen gibt, sind es eh nur Problemtiere.

    Kein Wort davon, dass sich diese verbrecherischen Wilderer auch gegen ihre Mitmenschen wenden. Denn diese verlieren mit der außermenschlichen Natur die eigene Lebensgrundlage. Und die Einnahmequelle des Tourismus wird versiegen.

    In der Tat, sehr "übel", dieser Beitrag.

    • Panic
    • 30. Mai 2013 17:09 Uhr

    "(z.B. zu der Gesamtzahl afrikanischer Elefanten, welche bei über einer halben Million liegt)."

    Ich kann das gerne mal in einen Bezug setzen. Anfang des 20 Jahrhunderts gab es noch mehrere Millionen Elefanten in Afrika. In Bezug zu Ihrer Zahl ist das doch ein drastischer Rückgang, nicht wahr? Und seit 1984 wurden ca. 50% des verbliebenen Bestandes getötet.

    Der Mensch ist ca. 1,7 Mio. Jahre alt. Der frühzeitige Elefant ca. 7 Mio. Jahre. In Bezug zu Ihrer Zahl wurde hier doch richtig gründliche Arbeit geleistet.

    cheers

    • übel
    • 30. Mai 2013 17:52 Uhr

    Nun, vielleicht habe ich meine wenigen Gedanken nicht präzise genug formuliert. Natürlich will ich nicht die Wilderei rechtfertigen, auch ich habe Mitleid mit den Tieren.

    1. Nein Menschen dürfen nicht ALLE Tiere die sie finden abknallen. Aber wenn der Grund für Wilderei der ist, dass diese Menschen am Rande ihres Existenzminimums leben, sollte man sie nicht einsperren und verfolgen sondern lieber die Ursachen bekämpfen. Vielleicht sollte ich es noch einfacher ausdrücken:

    wir verbieten das Wildern - es geht den Elephanten gut

    wir sind fair zu den Menschen - es geht den Elephanten und den Menschen gut

    2. Deswegen ist es kurzsichtig afrikanischen Ländern vorzuschreiben wie sie mit ihren Tieren umzugehen haben. Es ist nicht unser Problem, wenn afrikanischen Bauern die Ländereien verwüstet werden, weil Elephanten nicht gejagt werden dürfen, da sie so toll auf unseren Urlaubsfotos aussehen. Ich bin für jede Form der Tierschutz, aber bitte zu Bedingungen, die keine Menschen in die Armut zwingen. Denn entgegen ihren Behauptungen hat der westlich forcierte Tierschutz in Afrika kaum Geld an die ärmeren Schichten gebracht.

    Wieso glauben wir überhaupt das entscheiden zu müssen? Sagt uns Tanzania, dass unsere Luchse gefälltigst geschützt werden müssen?

    ... bei den Kommentaren teilweise auch:

    1) Es ist nicht "westliche Überheblichkeit", sondern simple Beobachtung, wenn man feststellen muss, dass viele Wildhüter ihre Aufgabe eigentlich gut machen, aber gegen organisierte Wilderei keine Chance haben. Da kann der Wildhüter schwarze, weiße oder schlumpfblaue Hautfarbe haben.

    2) Das romantische Klischee der Wilderei als symbolische Auflehnung des "Volkes" gegen die "Herrscher", wie es z.B. vor 100 Jahren in Europa der Fall war, ist für die geschilderten Vorkommnisse längst passé. In Afrika wildern längst nicht die "kolonisierten, hungernden Einheimischen", sondern es sind zum Großteil Milizen (s. Artikel) oder gleich organisierte Kriminelle aus aller Herren Länder. Die Leute vor Ort sehen das eher ungern.

    Zum Thema des Artikels: Vielleicht könnte man auch das Pferd von hinten aufzäumen und auch bei der Nachfrage anfangen: Harte Strafen für die Käufer, gezielte Infiltration des Schwarzmarktes (z.B. "Nashorn-Horn" mit Impotenz-Mittelchen), Aufklärungskampagnen?

    greetz, BG

    • spacko
    • 08. Oktober 2013 11:21 Uhr

    Oder anders ausgedrückt: Wenn irgendein wohlgenährter Erstwelttyp mit rosiger Gesichtsfarbe darüber tönt, was in den ehemaligen Kolonien so alles MUSS, und dass man doch die Afrikaner und die Asiatten mal zur Räsong bringen MUSS, sonst werdense abgeschossen, dann wird mir übel.
    Europa zahlt für tote Wilderer, Asien für tote Elefanten. Wer ist nun moralisch überlegen?

  3. muss der Handel mit Elfenbein unterbunden werden.
    Nur: bis diese Maßnahme vollumfänglich greift, ist der letzte Elefant wohl schon tot.
    Deshalb ist es wichtig, die Tiere sofort und wirksam zu schützen mit Hilfe von Rangern, die Zugriff auf Aufklärungsdaten haben, wirksam bewaffnet und auch entschlossen sind, die Wilderer konsequent zu stoppen.

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    logischer und leichter wäre es, die Wilderer mit Essen anstatt Wildhüter mit Waffen auszustatten. Wir können in anderen Ländern nicht mit den gleichen Maßstäben messen wenn die Grundbadingungen nicht gleich sind. Man muss verstehen das es Menschen gibt die zum Überleben töten und nicht aus Spaß wie es einige Europäer tun (Juan Carlos 1.).

  4. jedoch nicht aus (gerne immer wünschenswertem) Mitleid mit den Tieren, sondern wegen der wenig weit reichenden Gedanken des Autors."

    Wenn ich die wenigen Gedanken, die in diesem wundervollen Beitrag zum Ausdruck kommen, mal zusammenfassen darf:

    1. Arme Menschen dürfen wegen ihrer Armut alles, zumindest aber alle Tiere abschießen, die sie erwischen können.

    2. Um die Elefanten ist es nicht schade, denn da es zuviele von ihnen gibt, sind es eh nur Problemtiere.

    Kein Wort davon, dass sich diese verbrecherischen Wilderer auch gegen ihre Mitmenschen wenden. Denn diese verlieren mit der außermenschlichen Natur die eigene Lebensgrundlage. Und die Einnahmequelle des Tourismus wird versiegen.

    In der Tat, sehr "übel", dieser Beitrag.

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    Antwort auf "Traurig"
  5. http://www.komitee.de
    Zugvögel werden mit Leimruten und Schlagfallen gefangen.
    Hierzulande werden Greifvögel auch vergiftet.
    http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Das-Sterben-der-Luchse-Traech...
    Ein trächtiger Luchs wurde abgeknallt.
    Und dann haben wir noch dieses:
    Einfach für Mode
    http://www.pelzmode.com/index.php?target=impressum
    Für mich ist das alles das gleiche skrupellose und geldgierige Pack.
    Auch wenn sie sich als Naturschützer ( Jäger) in der Öffentlichkeit präsentieren.
    Schaut die Stellungnahmen in deren Blogs an, dann gruselt es einen vor so viel Lust am Töten.

    2 Leserempfehlungen
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    "Auch wenn sie sich als Naturschützer ( Jäger) in der Öffentlichkeit präsentieren."
    --------------------------
    Glauben Sie mir, DAS sind keine Waidmänner, die nennen sich nur so

    • Panic
    • 30. Mai 2013 17:09 Uhr
    7. Bezug

    "(z.B. zu der Gesamtzahl afrikanischer Elefanten, welche bei über einer halben Million liegt)."

    Ich kann das gerne mal in einen Bezug setzen. Anfang des 20 Jahrhunderts gab es noch mehrere Millionen Elefanten in Afrika. In Bezug zu Ihrer Zahl ist das doch ein drastischer Rückgang, nicht wahr? Und seit 1984 wurden ca. 50% des verbliebenen Bestandes getötet.

    Der Mensch ist ca. 1,7 Mio. Jahre alt. Der frühzeitige Elefant ca. 7 Mio. Jahre. In Bezug zu Ihrer Zahl wurde hier doch richtig gründliche Arbeit geleistet.

    cheers

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  6. Dieser Artikel hat mich unendlich wuetend gemacht, weil er das uebliche Geschwaetz des Westens ist: wir wollen nix dafuer zahlen, aber irgendjemand muss die Elefanten schuetzen. So ist es doch immer, ob Urwald oder Tiere. Irgendwelche Organisationen posaunen laut die Inkompetenz afrikanischer Laender heraus (Message: wir Kolonialmaechte hatten das doch besser im Griff als diese ungebildeten Schwarzen), es muss aber fuer uns kostenlos sein.
    Abgesehen davon, dass sich in den meisten Laendern Afrika's die Lage der Bevoelkerung kontinuierlich bessert (auch von uns gerne uebersehen) brauchen die betroffenen Laender Hilfe in Form von Ueberwachungs-
    geraeten, Autos, Elektronik. Alles was in einer deutschen U-Bahn schon vor 20 Jahren installiert wurde. Was den Handel betrifft: es gab und wird immer einen Bedarf fuer Elfenbein geben. In Laendern wie Suedafrika oder Naimibia lagnern Tonnen von Elfenbein aus legal geschossenen oder verstorbenen Tieren. Diese Laender duerfen aber nichts davon verkaufen. Der Markt geht dann an eben die Kriminellen. Ein Verbot wird daran nichts aendern. Wenn wir nur das Geld eines Tages nehmen wuerden, dass wir fuer alternative Energien verpulvern, koennte man wahrscheinlich dem Toeten ein schnelles Ende bereiten. Aber UNSER Geld fuer deren Tiere - nein, das geht ja nicht. Blanke Heuchlerei!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Unesco | Kamerun | Elefant | Gabun | Sudan | Tschad
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