ParteigründungGriechenlands neue Anti-Euro-Partei

Der Ökonom Theodoros Katsanevas galt als Befürworter des Euro. Nun gründet er eine Partei, die Schluss machen will mit der gemeinsamen Währung. von 

Eigentlich ist die Gefahr eines Euro-Austrittes in Griechenland gebannt. Der Internationale Währungsfonds bescheinigt dem Land "außerordentliche Fortschritte" bei der Sanierung des Haushaltes, die Rating-Agentur Fitch stufte in dieser Woche die Bonität des Staates herauf. Vom "Grexit", dem Ausscheiden des Landes aus der Eurozone, redet niemand mehr. 

Doch Theodoros Katsanevas will genau das: raus aus dem Euro, zurück zur Drachme. An diesem Wochenende gründet Katsanevas eine neue politische Partei. Sie heißt "Drachme". Untertitel: "Griechische Demokratische Fünf-Sterne-Bewegung". Fünf Sterne, das kennt man von Spitzenhotels. Auch der griechische Weinbrand Metaxas schmückt sich mit fünf Sternen. Fünf Sterne signalisieren Luxus und Genuss. Im Fall der neuen Partei stehen sie allerdings, ganz prosaisch, für die fünf Ziele, die Katsanevas und seine Mitstreiter anstreben: Aufkündigung der Kreditverträge mit der Troika, Abschied vom Euro, Wirtschaftswachstum, nationale Würde und soziale Gerechtigkeit.

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Theodoros Katsanevas ist 66 Jahre alt und bei Weitem kein politischer Anfänger. Eher versucht er ein Comeback. Ältere Griechen kennen Katsanevas noch als Schwiegersohn des legendären Sozialistenführers Andreas Papandreou. Nach dem Wahlsieg seiner Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) machte Papandreou den Ehemann seiner Tochter Sophia 1981 zunächst zum Präsidenten der staatlichen Arbeitsverwaltung OAED, danach wurde er Chef der Sozialversicherungsanstalt IKA und bekam ein Parlamentsmandat – ein anschauliches Beispiel dafür, wie im sozialistisch regierten Griechenland die Vetternwirtschaft funktionierte.

Papandreou ist allerdings seit 17 Jahren tot, seine Tochter Sophia ließ sich vor 13 Jahren von Katsanevas scheiden, und 2004 verlor er auch seinen Sitz im Parlament. Seither wurde es immer stiller um Theodoros Katsanevas. Er lehrt seither Wirtschaftswissenschaften an der Universität Piräus. Studenten erinnern sich, dass sich der Professor noch vergangenes Jahr als ein Anhänger des Euro zu erkennen gab. Nun wirbt er für den Austritt.

Glaubt er, eine politische Nische entdeckt zu haben? Er ist nicht der einzige. Bereits im April startete Alekos Alavanos seine Partei "Plan B". Auch Alavanos will zurück zur Drachme, wie Katsanevas ist er ein Mann von gestern: Der 63-Jährige führte von 2004 bis 2008 die Linksallianz Syriza. 2011 verließ er die Partei und gründete die Front der Solidarität und des Umsturzes, der allerdings kein großer Erfolg beschieden war. Jetzt versucht es der Exkommunist Alavanos mit Plan B. Sein Programm umfasst, im Gegensatz zu der Katsanevas-Bewegung, immerhin zehn Punkte – darunter die Einstellung des Schuldendienstes und die Verstaatlichung  der griechischen Banken.

Alavanos schätzt das Potenzial für seine Partei selbstbewusst auf "bis zu 50 Prozent". Das ist natürlich Zweckoptimismus. Die große Mehrheit der Griechen sehnt sich nicht nach der alten Währung, trotz der Opfer, die ihnen das Sparprogramm abverlangt. Laut einer Umfrage wollen 62,7 Prozent am Euro festhalten, und zwar um jeden Preis.

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Leserkommentare
    • Bashu
    • 17. Mai 2013 15:20 Uhr

    Genau das rächt sich jetzt und verleiht Anti-Euro Parteien in ganz Europa Auftrieb.

    Neben den ökonomischen Eklats hat die Politik bei der Annäherung der Kulturen versagt. Die Regierungen in Europa betreiben weiterhin Opportunismus-Politik und spalten die Völker, statt zu einen (man denke an die gefährliche Bedienung der "faule Südländer" Stereotypen durch die Bundesregierung und die darauf folgende Reaktion aus dem Süden - Merkel-Nazi Vergleiche). Gerade Deutschland, muss man ehrlich sagen, ist da oft besserwisserisch und arrogant aufgetreten, obwohl man sich wirtschaftliche Vorteile teilweise durch Schmiergelder gekauft hat (man denke an die Siemens Affäre in Griechenland).

    Ein Erasmus-Programm alleine reicht nicht, um Europas Völker zusammenzubringen. Die Bedienung nationaler Stereotype zur Zeit ist absolut und womöglich nachhaltig destruktiv.

    Ich bin überzeugter Europäer und würde unter den richtigen Voraussetzungen gar eine politische Union begrüßen, aber diese EU ist nicht meine EU.

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    • Chiri
    • 17. Mai 2013 16:36 Uhr

    Was immer wieder übersehen wird: Man kann Menschen - also die Vertreter einer ursprünglich in Kleingruppen lebenden biologischen Spezies, die immer noch einen Teil ihres stammesgeschichtlichen Erbes tragen - nicht einfach so zurechtbiegen, wie es wirtschaftlich gerade opportun erscheint. Menschen bilden von Natur aus keine riesigen Klone, sondern neigen dazu, sich kulturell zu differenzieren und damit auch über eine gute Anpassungsfähigkeit an bestimmte Lebensbedingungen zu verfügen. Diversität ist keineswegs ein zu bekämpfendes Manko, sondern ein erhaltenswertes Potenzial!
    Da Europa ein alter, äußerst geschichtsträchtiger und facettenreicher Kontinent ist, wird man das, was die relativ kurze amerikanische Geschichte möglich machte und was in bestimmten Diktaturen erzwungen wurd/wird, nicht einfach den neuen Homo europaensis kreieren können, der sich vom Brüsseler Nabel aus vorschreiben lässt, was er gut zufinden hat, zu tun hat, aufzugeben hat und was nicht.

    Die vorhandenen Gemeinsamkeiten kennen die Menschen sehr wohl, aber sie verdränge sie in einer Zeit, wo man sie in Schablonen zwängen möchte.

    Ich gebe Ihnn Recht. Nur ein Mehr an Demokratie kann Europa retten. Wobei man da nochmal differenzieren muss zwischen Europa und dem Euro. Ein Europa mit offenen Grenzen für Arbeit und Waren ist auch ohne diese Währung möglich.

    Ich denke der Euro ist der Sargnagel der politischen Union, da er einseitig wenige begünstigt und viele benachteiligt. Er war zwar jahrelang die Eintrittskarte für billige Kredite, aber das diese Bombe irgentwann platzt, war schon länger klar.

    Nachhaltig kann Griechenland mit dem Euro vermutlich niewieder auf die Beine kommen. Sollte GR den Euro aufgeben, heisst das aber noch lange nicht, dass es Europa aufgibt.

    Aber solange Deitschland so stark von dem Euro profitiert, wird sich politisch hierzulande wenig ändern. Solange die Deutschen sich ihr Haus mit 2,5 % finanzieren können, werden sie einen teufel tun und sich auf eine NDM einlassen.

  1. --
    Gab es nicht gerade eine Umfrage in der sich die Griechen als das vertrauenswürdigste Volk in Europa ansahen?

    Griechenland kann selstverständlich seine Schulden nicht zurückzahen und es wird zum Schuldenschnitt kommen. Nur offen ausgesprochen wird das bis jetzt nur von der AfD. Sogar zum Entsetzen der Partei die Linke:

    http://www.youtube.com/watch?v=sCoX6248_

    Inwiefern die als Rettung verkaufte Übernahme der Schulden der privaten Gläubiger Griechenlands durch andere europäische Länder und nun deren Nichtbedienung als Wiederherstellung der nationalen Würde verkauft wird, ist mir schleierhaft.

    Es zeigt den Widerspruch zwischen Anspruch an sich selbst und den Anspruch gegenüber anderen insbesonde Deutschlands, der im ganzen ClubMed herrscht.

    Man nehme Hollande, der doch gestern allen Ernstes meinte, Frankreich würde Europa den Weg zeigen.

    Man stelle sich die Reaktionen vor, wenn Merkel so etwas gesagt hätte.

    Es ist nicht nur der Euro gescheitert, die EU wird Scheitern, wenn man denkt Deutschland von der Melkkuh (40% der Nettozahlungen innerhalb der EU in den letzten 20 Jahren) zum Schlachtrind (Eurobonds) zu machen.

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    --

    "10.02.2013 · Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland mehr als 200 Milliarden Euro Nettozahlung geleistet. Das sind rund 45 Prozent der gesamten Nettobeiträge aller zehn EU-Nettozahler - weit überproportional zu Deutschlands Wirtschaftsleistung. "

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/nettozahler-deutschland-die-melkku...

  2. --

    "10.02.2013 · Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland mehr als 200 Milliarden Euro Nettozahlung geleistet. Das sind rund 45 Prozent der gesamten Nettobeiträge aller zehn EU-Nettozahler - weit überproportional zu Deutschlands Wirtschaftsleistung. "

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/nettozahler-deutschland-die-melkku...

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    ...das "größte Geschenk aller Zeiten" in Form der Unternehmenssteuerreform von Eichel & Aasmussen seit ihrem Inkrafttreten.

    Ganz ohne EU & Griechenland.....

    http://www.zeit.de/2005/37/Steuern

    für die von ihnen genannte Zeit? Oder denken sie das hat damit nichts zu tun?

    Wer nur eine Seite der Medaille betrachtet, wird niemals die ganze Wahrheit erkennen.

  3. Oder übt man sich in derlei Diffamierungen "Andersdenkender" nur in Deutschland. Interessiert mich brennend. Muss man sich nun darauf gefasst machen, dass diese Abtrünnigen vom Großeuropaglauben hier ebenfalls in die rechte Ecke geschoben werden?

    In Portugal mehren sich ebenfalls solche Stimmen, in Italien sowieso. Meist wissenschaftlich besetzt, also mit Fachkundigen. Die Gemeinsamkeit: Anerkennung des Scheiterns des von Anfang an falsch konstruierten Friedensprojektes (der Gemeinschaftswährung, man kann nicht oft genug sagen, dass es hier "nur" um eine Währung geht).

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    die Ironie der Geschichete liegt ja darin, dass die AfD in Deutsxchland Rotgrün an die MAcht bringe wird.
    Da können sich die ANhänger noch so stark im Hass auf die MerkelCDU winden, ihre Stimme wird Trittin zum Finanzminister machen und somit die europaIdeen der deutschen Linken in die Realität bringen.

    Natürlich gibt es in Dland keine konservative Partei mehr und mit dem Genderwahn hat es die CDU übertrieben- übrigens auch gegen Widerstand in der PArtei.

    Allerdings kann man nicht versthen, wie man als Konservativer so stur sein kann und quasi das komplette Gegenteil seiner Position ,nämlich RotGrün MIT Trittin , nicht Fischer^^...an die Macht kommen zu lassen..
    Die AfD wird die Wahl entscheiden..no doubt..
    und sie wird sicher nicht in den Bundestag einziehen..FDP 4 PRozent und AfD ebenso..da werden sich die Linken über die Dämmlichkeit des bürgerlichen Lagers noch gut kaputtlachen

  4. dem Schwedischen Aussenminister:
    http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=5307979

    Mit dem Euroaustritt könnte sich Griechenland auf seine grundlegenden Stärken neubesinnen.

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    "Mit dem Euroaustritt könnte sich Griechenland auf seine grundlegenden Stärken neubesinnen."

    Die da wären ? Tourismus, Olivenöl und Schafskäse ?
    Was produziert Griechenland, was exportiert es ? Selbst die krawalligsten Euroskeptiker in GR wissen insgeheim, daß sie eigentlich ein 3.Welt-Land sind und daß die dann neu eingeführte Drachme eigentlich nichts wert wäre.
    Aufkündigung der Kreditverträge mit der Troika ? interessantes Konzept ! Ich werde meinen Kredit bei der Sparkasse auch aufkündigen (selbstverständlich ohne weitere Tilgung), die werden schon sehen, was sie davon haben !
    Was soll das ?

    • v6yz
    • 17. Mai 2013 16:11 Uhr

    Laut Statista gibt der IWF die Staatsschuldenquote Griechenlands für 2013 mit 182% des BIP an. Damit ist ein Schuldenschnitt nach der Bundestagswahl "alternativlos". Den Steuerzahlern in D sind damit hohe zweistellige Millardenverluste sicher, wenn z.B. die Maastricht-Schuldengrenze von 60% des BIP in GR erreicht werden soll. Die Frage ist nur noch, ob der Schuldenschnitt mit einem Euro-Austritt verbunden wird oder nicht.
    Behält GR den Euro, gibt es spätestens in 4 Jahren die gleiche Situation, denn trotz aller Reformen in GR blieb der Staatsapparat mengenmäßig nahezu unangetastet und die griechische Wirtschaft muss sich, da wenig innovativ, Verkauferfolge durch Preis- (und entprechende Einkommens-) Senkungen erhungern. (Zum Vergleich: Europäische Patentanmeldungen 2012 pro 1 Mio Einwohner in GR 12 , in D 423). GR wird weitere Hilfskredite fordern und weiter von Brüssel/Troika (mit-)regiert werden.
    Ohne den Euro hat GR die Chance, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen und, nach entsprechenden Abwertungen, mit dem Nachbarn Türkei erfolgreich konkurrieren zu können. Ohne Euro kann GR wieder ein souveränes Land werden. Nachteile hätten die, die jetzt die Euro-Hilfs-Milliarden in ihre Taschen lenken können.

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  5. ...das "größte Geschenk aller Zeiten" in Form der Unternehmenssteuerreform von Eichel & Aasmussen seit ihrem Inkrafttreten.

    Ganz ohne EU & Griechenland.....

    http://www.zeit.de/2005/37/Steuern

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  6. die Ironie der Geschichete liegt ja darin, dass die AfD in Deutsxchland Rotgrün an die MAcht bringe wird.
    Da können sich die ANhänger noch so stark im Hass auf die MerkelCDU winden, ihre Stimme wird Trittin zum Finanzminister machen und somit die europaIdeen der deutschen Linken in die Realität bringen.

    Natürlich gibt es in Dland keine konservative Partei mehr und mit dem Genderwahn hat es die CDU übertrieben- übrigens auch gegen Widerstand in der PArtei.

    Allerdings kann man nicht versthen, wie man als Konservativer so stur sein kann und quasi das komplette Gegenteil seiner Position ,nämlich RotGrün MIT Trittin , nicht Fischer^^...an die Macht kommen zu lassen..
    Die AfD wird die Wahl entscheiden..no doubt..
    und sie wird sicher nicht in den Bundestag einziehen..FDP 4 PRozent und AfD ebenso..da werden sich die Linken über die Dämmlichkeit des bürgerlichen Lagers noch gut kaputtlachen

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    dieses Beitrages lautet:
    Wählt bloß nicht die AfD, um den Euro zu verhindern, denn das bedeutet RotGrün, und dann kommt es mit EuroBonds erst recht knüppeldicke.

    Dass aber die AfD quasi automatisch RotGrün "an die Macht" bringen soll, zumal sie es ja dieser Darstellung nach gar nicht in den Bundestag schafft, ist dem etwas wirren Beitrag nicht zu entnehmen.

    Erstmal: Zur AfD, die ich in meinem Beitrag mit keinem Wort genannt habe, u.a., weil es auch in den etablierten Parteien Kritiker dieses EURO-Fiaskos gibt, wechseln Mitglieder oder Wähler aller Bundestags-Parteien. Imho, mag es zwar Ihrer Logik entsprechen, dass mit einer starken AfD Rot-Grün gewinnt, das muss aber nicht eintreten, es sei denn, Sie können auch die Lottozahlen voraussagen.

    Zweitens: Wenn Sie hier noch Lust haben auf irgendwelche typisch deutschen Strategiespielchen, angesichts der Lage, dann ist ja noch alles in Butter, oder?

    So, und jetzt würde ich mich gerne wieder der Sache widmen, d.h. der Tatsache, dass es im EURO-Raum immer mehr Stimmen gibt, die diesen alternativlosen Rsttungsunfug mit Transferunion und Vertragsbrüchen nicht mehr mitmachen wollen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Andreas Papandreou | Pasok | Stern | Griechenland | Griechenland | Sanierung
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