Die durch ein Feuer beschädigte MSC Flaminia vor den Kränen des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven. © John MacDougall/AFP/Getty Images

Die Umweltorganisation WWF hat mit einer neuen Studie die norddeutschen Seehäfen zur Zusammenarbeit aufgefordert. Würden die norddeutschen Häfen kooperieren, statt um dieselben Containerschiffe zu konkurrieren, ergäben sich daraus wirtschaftliche Vorteile für alle, erklärte die Organisation. Weitere Vertiefungen von Elbe und Weser würden überflüssig, die Natur an den Flüssen wäre besser geschützt.

Auch für die Steuerzahler wäre die Kooperation positiv, sagte WWF-Naturschutzexpertin Beatrice Claus. Allein durch den Verzicht auf die geplanten Flussvertiefungen würden 750 Millionen Euro frei, die besser "zur Sicherung des Hafenstandorts Deutschland" investiert werden könnten.

Ursprünglich hatten es die drei Bundesländer Hamburg, Bremen und Niedersachsen auch auf eine Zusammenarbeit angelegt: Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven sollte ihr gemeinsamer Tiefwasserhafen werden. Statt einander weiter Konkurrenz zu machen, wollten sich die Partner künftig gegenseitig stärken. Doch die Kooperationsträume sind inzwischen Geschichte. Schon im Jahr 2002 beantragte Hamburg eine erneute Elbvertiefung zu Gunsten des eigenen Hafens und stieg aus dem Gemeinschaftsprojekt aus. 

Der Ausbau der Häfen stößt aber immer wieder auf Probleme. Zwar ging der Jade-Weser-Port im vergangenen September in Betrieb. Doch weil die riesige Anlage nicht ausgelastet ist, sind die meisten der 400 Beschäftigten seit März auf Kurzarbeit. Zugleich wehren sich die Umweltverbände gegen die geplanten Vertiefungen von Elbe und Weser. Auf ihren Eilantrag hin wurde die Elbvertiefung vergangenen Herbst vorerst gerichtlich gestoppt. Über die Weservertiefung wird vom Mittwoch an vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt.

Erste Wahl vor Rotterdam

Frank Ordemann, Logistikprofessor an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter, hat die Untersuchung für den WWF erstellt. Er schlägt vor, den Jade-Weser-Port konsequent zu einem "Transshipmenthafen" auszubauen, also zu einem zentralen Platz für den Umschlag von Waren von großen auf kleine Frachtschiffe.

Das könnte, sagt Ordemann, den Jade-Weser-Port für Containerschiffe, vor allem aus Asien, zur ersten Anlaufstelle in Europa machen, noch vor Rotterdam oder Antwerpen. Würden die großen Schiffe in Wilhelmshaven teilweise entladen, könnten sie leichter und mit weniger Tiefgang Elbe und Weser befahren. So erreichten die Container ihre Empfänger schneller als über die Benelux-Häfen. Hamburg und Bremerhaven aber würden ihren Status als international bedeutende Seehäfen nicht verlieren.  

Der WWF fordert die Häfen nicht zum ersten Mal zur Kooperation auf. Im Kampf gegen die Weser- und Elbvertiefung hat die Organisation schon vor sieben Jahren eine Studie vorgelegt, in der sie die hohen Kosten des gleichzeitigen Ausbaus von drei  deutschen Seehäfen kritisierte. Seither hat sie immer wieder für mehr Zusammenarbeit plädiert. In der neuen Studie entwirft der WWF nun erstmals ein Szenario für eine "ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative zur Vertiefung der Flussmündungen".