Bayern München : Steinbrück kritisiert Hoeneß' Verbleib als Aufsichtsratschef

Der SPD-Kanzlerkandidat hat das Bekenntnis der Aufsichtsräte des FC Bayern zu Uli Hoeneß kritisiert. Der Steuerhinterzieher soll sein Amt mindestens ruhen lassen.

Uli Hoeneß bleibt auch trotz der Steuerhinterziehung und des Haftbefehls gegen ihn Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern – sehr zum Missfallen des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Er kritisierte die Entscheidung der Unternehmenswächter, Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzenden im Amt zu belassen. Das sei falsch, sagte Steinbrück bei einer Podiumsdiskussion in Düsseldorf

Dem Aufsichtsrat gehören unter anderem die Vorstandschefs von Audi (Rupert Stadler) und Adidas (Herbert Hainer) an. Deren Unternehmen sind jeweils mit 9,1 Prozent Anteilseigner an der FC Bayern München AG.

Die Aufsichtsräte hätten die Verhaltensregeln, die sie ihren Unternehmen auferlegten, auch auf das "Fußball-Unternehmen" Bayern München übertragen müssen, begründete der frühere Bundesfinanzminister Steinbrück. Hoeneß hätte sein Mandat wenigstens ruhen lassen müssen. "Der Aufsichtsrat hat die Pflicht, ihm dies nahezubringen."

Hoeneß hatte selbst angezeigt, dem Staat Steuern vorenthalten zu haben. Ermittler erwirkten deshalb einen Haftbefehl und durchsuchten sein Haus und Büroräume, wie der Unternehmer ausführlich in einem ZEIT-Interview schilderte. Der Aufsichtsrat hatte Hoeneß' Angebot abgelehnt, sein Amt bis zur Klärung seiner Selbstanzeige ruhen zu lassen.

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Kommentare

75 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Sie können die Logik nicht verstehen...

...da Sie "arm" rein finanziell sehen, bzw. sehen wollen.

Hat irgend jemand hier behauptet, dass Hoeneß finanziell arm ist?
Oder behaupten Sie gerade, dass jemand der reich ist nicht "arm" im nicht materiellen Sinn sein kann? Damit würden Sie viele hier endlich mal demaskieren...

Auf jeden Fall machen hier alle deutlich, dass man bei Guttenberg gelogen hat. Damals hieß es, er müsste ja nur alles zugeben. Hoeneß macht es... ändert nichts - aber, das war klar.

Kein gutes Thema für Steinbrück

Die Steuernummer an sich, also sein Standpunkt in der Sache, würde man ihm zur Abwechslung eher abnehmen als andere Themen, die er zu lancieren versucht. Aber hinderlich dabei ist, dass er selbst im Aufsichtsrat des Konkurrenten sitzt, wodurch man seine Stellungnahme nicht nur als politisch motiviert liest, sondern auch als versuchte Schwächung des Gegners und PR in eigener Sache. Wie ich schon schrieb, fällt einem im direkten Vergleich Steinbrück mit Hoeneß zudem auch immer gleich ein, dass Hoeneß seine Vortragshonorare gespendet hat. Natürlich ist es legal, selbige zu behalten, sieht aber im direkten Vergleich einfach nicht gut aus.

Nein, das Thema Hoeneß wird Steinbrück auch nicht helfen, eher im Gegenteil. Andererseits: wenn er auf einer Diskussion darauf angesprochen wird, muss er Stellung beziehen. Würde er sich raus halten, würde es heißen: klar, der ist ja auch einer von denen (den Reichen), die halten zusammen. Und er kann im Einklang mit seinem Parteiprogramm nicht viel anderes dazu sagen als das, was er gesagt hat. Dass die Agenturen daraus eine Meldung machen, kann er nicht beeinflussen, selbst ist er damit nicht an die Presse gegangen. Er sollte aber möglichst schnell wieder andere Themen setzen.

Wer im Glashaus sitzt

"Herr Hoeneß hat sich schuldig bekannt und trägt auch Dank einer fahrlässigen Staatsanwaltschaft die Folgen. Die öffentliche Folge ist der Tod genannt Rufmord. Herr Hoeneß hat mehr geleistet als Herr Steinbrück je leisten wird,"

Hoeness hat sich mehr geleistet, als Steinbrück sich jemals leisten wird, wäre wohl richtiger. Wer von Rufmord faselt und dann

"Herr Steinbrück steht für Diktatur! Dies hat er bereits seiner Partei abverlangt."

so argumentiert,
hat ein echtes Wahrnehmungsproblem, und vielleicht sogar ein Problem mit der Staatsanwaltschaft, wenn man die Aussage über Steinbrück, als Verleumdung anzeigt.