ZEIT ONLINE: Herr Fifka, die Steueraffäre um Uli Hoeneß geht nun in die dritte Woche. Am Montag tagt jetzt der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG.  Dessen Mitglieder haben sich bislang gar nicht öffentlich zum Thema geäußert. Kann das Gremium noch länger schweigen?

Matthias Fifka: Ich bin der Meinung, dass der Aufsichtsrat Stellung beziehen sollte. Allerdings ist es seine primäre Aufgabe, den Vorstand zu überwachen – und dort ist Hoeneß nicht vertreten.

ZEIT ONLINE: Aber Hoeneß ist Präsident des Vereins, dem Haupteigentümer der AG, die der Aufsichtsrat überwachen soll.

Fifka: Und aufgrund der Satzung ist er durch dieses Amt selbst Teil des Aufsichtsrats, sogar als Vorsitzender. Da liegt die strukturelle Krux: Der Aufsichtsrat überwacht sich gewissermaßen selbst. Die anderen Mitglieder im Aufsichtsrat können Hoeneß nur mit Nachdruck nahelegen, sein Amt ruhen zu lassen oder niederzulegen. Entlassen können ihn nur die Vereinsmitglieder, die ihn auch ins Präsidentenamt gewählt haben. Wollte man es vor der nächsten Jahreshauptversammlung im November tun, müsste das durch eine außerordentliche Versammlung geschehen. Allerdings stehen die Mitglieder anscheinend hinter ihrem Präsidenten.

ZEIT ONLINE: Dem Verein scheint die Affäre kaum zu schaden. Er steht im Champions-League-Finale, ist wirtschaftlich kerngesund. Bislang ist es nur die Affäre der Privatperson Hoeneß.

Fifka: Das macht es für den Aufsichtsrat auch so schwierig, Stellung zu beziehen. Trotzdem muss man hinterfragen, ob jemand, der der oberste Kontrolleur sein soll und gleichzeitig mit einem derartigen Makel behaftet ist, das Amt noch glaubhaft ausführen kann. Ich denke, er kann es nicht mehr und deshalb sollte sich auch das Gremium äußern. Hoeneß hätte selbst handeln und zurückzutreten sollen.

ZEIT ONLINE: Warum tut er es wohl nicht?

Fifka: Er ist ja nicht der erste, der seinen Posten so lange wie möglich hält. Wir haben das bei Machtmenschen, wie Hoeneß sicher einer ist, in letzter Zeit häufig beobachten können: Sowohl der damalige Bundespräsident Christian Wulff, als auch die Minister Annette Schavan oder Karl-Theodor zu Guttenberg hatten das Maß verloren, einzuschätzen, wann es an der Zeit war, abzutreten. Sie hätten damit sich und ihren Ämtern einen Gefallen getan.

ZEIT ONLINE: Wie schätzen sie die Zusammensetzung des Aufsichtsrats ein?

Fifka: Wie viele Aufsichtsräte ist auch der des FC Bayern in erster Linie ein Wohlfühlgremium: Ein Klub von Männern, die sich schon sehr lange kennen und die gut miteinander können. Man geht sich nicht gegenseitig an. Außerdem hat Uli Hoeneß einen so herausragenden Status, dass die Mitglieder zögern, Stellung gegen ihn zu beziehen.