Internationale EnergieagenturDeutscher Atomausstieg erntet überraschendes Lob

Lange hat die Internationale Energieagentur den deutschen Abschied von der Kernkraft kritisiert. Jetzt legt sie eine Kehrtwende hin und lobt die Energiewende. von 

Windräder

Windräder  |  © John Macdougall/AFP/Getty Images

Deutschland heimst an diesem Freitag ein ungewöhnliches Lob ein. Die Internationale Energieagentur aus Paris lobt in ihrem aktuellen Länderreport die deutsche Regierung ausdrücklich für ihre "umfassende Energiestrategie, ehrgeizige Ökostromziele und Pläne für die Senkung des Energieverbrauchs". Die Energiewende bringe langfristig "beachtliche Vorteile" mit sich, sagt IEA-Geschäftsführerin Maria van der Hoeven.

Noch nie seien die Rahmenbedingungen für einen politischen Konsens zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland besser gewesen, schreiben die IEA-Autoren. "Die deutsche Regierung sollte den Kurs weiterverfolgen, einen vorhersehbare und stabilen Rahmen zu setzen und die Kosten zu minimieren", erklärt van der Hoeven.  

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Es ist das erste Mal, dass internationale Energieexperten nach einer umfassenden Detailanalyse der deutschen Energiewende zu einem solchen Urteil kommen. In der IEA haben sich 28 Staaten zusammengeschlossen, um auf Energiekrisen gemeinsam zu reagieren. Der jährliche World Energy Outlook der IEA ist wegen Ölpreisprognosen eine Art Bibel der Energieexperten. Der jüngste Deutschland-Report der Organisation stammt aus dem Jahr 2007, aus einer Zeit lange vor dem Atomunglück im japanischen Fukushima.

Vor fünf Jahren kritisierte die IEA noch den Atomausstieg

Als "sensationell" und eine "überraschende Kehrtwende" bezeichnen Fachleute das neue Expertenurteil. In der Vergangenheit nämlich äußerte sich die IEA viel skeptischer. Noch im Jahr 2007, in ihrem letzten Länderreport, drängte sie Deutschland, "die Entscheidung zum Atomausstieg wegen ihrer ungünstigen Folgen noch einmal zu überdenken". Im aktuellen Report lobt die Organisation dagegen Deutschlands Plan, "eine der weltweit energieeffizientesten und umweltfreundlichsten Wirtschaften überhaupt zu werden".

Marlies Uken
Marlies Uken

Marlies Uken ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft und bloggt bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Energiefachleute wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sind überrascht. Es sei "etwas besonderes", wenn eine Organisation wie die IEA zu einem solchen Urteil über die deutsche Energiewende komme, sagt Kemfert. Die Grünen nehmen die Länderanalyse mit einem Schuss Genugtuung auf. Endlich nehme auch "die ewig gestrige IEA gewisse Realitäten zur Kenntnis", sagt Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Er hält die IEA für "urkonservativ", sie stehe traditionell den Ölmultis und Atomkonzernen nahe.

Leserkommentare
  1. Man traut seinen Augen kaum!

    Die Plutonium-IEA? Und die benutzt "umfassende Energiestrategie, ehrgeizige Ökostromziele und Pläne für die Senkung des Energieverbrauchs" sowie "beachtliche Vorteile" in einem Kontext mit "Energiewende in Deutschland"?

    Da frage ich mich: Hat das auch der EU-Energie-Kommissar Oettinger gelesen? Wissen Seehofer, Bouffier, Merkel, Rösler und Altmaier davon? Ist denen überhaupt klar, was die versemmeln, wenn die die Energiewende in den Sand setzen?

    Oder träumen die immer noch von billigen Frack-Gas und importkohlebetriebenen Großkraftwerken? Dann bitte nicht aufwecken, sondern abwählen:

    'Keine Stimme für Fracking - No Vote for Fracking'

    www.petition-fracking.de

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    • 2b
    • 24. Mai 2013 10:53 Uhr

    den kompletten Verzicht auf Nuklearenergie sehe ich weltweit noch nicht?
    Die Frage ob man auf Kernspaltung oder Kernfusion in der Förderung setzt, sollte man sich als kritischer Ökostrombefürworter mal selbst durchdenken, meine ich?
    ( ... die Alternativen dazu, werden erst noch er(oder ge)funden werden müssen. Wir sind als Hochkultur erst "an einem Anfang"??? )

    ... auch die Risikobewertung ist immer relativ zu den Gefahreneinwirkungen oder den Abweichungen zu unseren Normalitätsdefinitionen (und da kann bspw. Wasserkraft ebenfalls ein hohes Risiko beinhalten)?

    • jojocw
    • 24. Mai 2013 10:30 Uhr

    ist Claudia Kempfert bestimmt nicht. Habe sie mal in einer Talkrunde über Strom etc. gesehen. Die hat keine Ahnung von Stromerzeugung, Transport und Speicherung.
    Auf die trifft allenfalls das moderne Expertentum zu: Viele reden ohne große Ahnung.
    Wie bei vielen Organisationen inzwischen: Man schaue sich nur mal die Besetzung des Umweltbundesamtes an. Oder des IPCC (Klimarat).
    Hocken überall Politologen, Soziologen, Pädagogen usw. in den entscheidenden Positionen.

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    ... Politologen, Soziologen, Pädagogen usw. in den entscheidenden Positionen."

    An diesem 68er Erbe werden wir noch lange zu knabbern haben, denn mit den gegenärtigen Posteninhabern hört ja der damit angewebte Filz nicht auf. Im Gegentum.

    Es geht bei all diesen Probleme ja auch in letzter Konsequenz um gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche Probleme und vielfach um solche, deren Auswirkungen erst in einiger Entfernung wirklich problematisch werden. Insofern bin ich froh, dass dort überall »Politologen, Soziologen, Pädagogen usw. in den entscheidenden Positionen« hocken.

  2. muss blechen.
    Deutsche Gerechtigkeit.

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    ... ohne Energiewende wäre der Strom ja umsonst und kommt grün gesprenkelt aus der Steckdose ;-)))

    Kleinmut - ick hör dir trapsen!

    Haette man das Volk befragt, waere mit Sicherheit die Mehrheit fuer den Ausstieg gewesen. Das das Geld kostet, muss jedem klar sein.

    Umsonst gibts nichts.

    • jojocw
    • 24. Mai 2013 10:36 Uhr

    Maria van der Hoeven: Lehrerin Englisch, Sozialwissenschaften etc.
    Genau dasselbe.
    Alles Experten.

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    • Vibert
    • 24. Mai 2013 10:42 Uhr

    Darf man fragen, was Sie denn so studiert haben?

    Für die Erstellung der Studien im Detail sind die Experten Unabkömmlich.
    Für die Kommunikation der Ergebnisse, das Koordinieren und Vermarkten der Leistungen sind andere Fachkenntnisse hilfreich, auch wenn Expertentum in der Entsprechenden Studie nicht schaden.

    Die KO Keule... Der hat das nicht studiert ist immer wieder ein unsinniges Argument.

    Wer sich umfassend und Intensiv mit einem Thema Beschäftigt kann auch ein Experte werden, auch wenn er keinen offiziellen Gütestempel bekommt.

    Der Inhalt Zählt nicht die Offizielle Form.

    Das gilt sicherlich auch für Die Autorin dieses Artikels, die mit sicherheit einen guten Überblick über diese Themen hat.

    • hairy
    • 24. Mai 2013 12:37 Uhr

    http://nl.wikipedia.org/wiki/Maria_van_der_Hoeven#Kritiek

    Wer kein Niederländisch lesen kann...: die Dame hat schon eine Menge Murks fabriziert in der niederländischen Innenpolitik. Leichte Neigungen zu 'intelligent design', allerlei Skandale mit Steuergeldverschwendung, Entscheidungen zu Lasten erneuerbarer Energien.

  3. Was haben der deutsche Fußball und die Energiewende gemeinsam:

    Das hier:

    "Nach der anfänglichen Euphorie seien die Deutschen zurzeit etwas zu kleinmütig angesichts der großen Herausforderungen der Energiewende. Der Report relativiere diesen Pessimismus durch einen frischen Blick von außen. Er zeige, dass das Ausland die Energiewende mit wachsendem Interesse verfolge, und teilweise sogar mit ein wenig Bewunderung."

    Die Bewunderung, mit der man von außen auf die Entwicklung schaut.

    Nun kommen eben nicht nur die zukünftigen Fußballtrainer nach Freiburg, Mainz und Dortmund zum Lernen, sondern auch zukünftige Energie-Manager werden sich bei uns weiter bilden.

    Hauptsache Altmaier, Rösler und Merkel kassieren dann schon ihre Pensionen - denn die sind für den oben erwähnten 'Kleinmut' die Hauptverantwortlichen.

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    • Vibert
    • 24. Mai 2013 10:42 Uhr

    Darf man fragen, was Sie denn so studiert haben?

    2 Leserempfehlungen
  4. ... ohne Energiewende wäre der Strom ja umsonst und kommt grün gesprenkelt aus der Steckdose ;-)))

    Kleinmut - ick hör dir trapsen!

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    Antwort auf "Das Volk ..."
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  5. 8. IIIaah

    Die IEA wurde 1973 im Ölschock von der OPEC gegründet.

    Hinterher wurde vergessen, sie aufzulösen. Ob deren Meinung von Belang ist? Die Zeit bedenkt die mit einem Hauptartikel. Das erste Mal in deren Existenz. Weil die Meinung nun der grünen Ausrichtung der Redaktion entspricht. Na ja, wenn es möglich ist, einen Industriestaat mit Windmühlen zu betreiben.....

    Besonders witzig ist die "umfassende Energiestrategie". Der Umweltminister Altmeier weiss nach dem hektischen adhoc-Atomausstieg nicht mehr, wie er den Bürgern die kommende Vervierfachung des Strompreises durch den hochsubventionierten Windstrom erklären soll. Und das nennen die IAE Strategie. Nur noch lachhaft. Sein Vorgänger Röttgen wurde vor einem Jahr handstreichartig durch ihn ersetzt. Weil der mit dem Atomausstieg im Rücken die Wahl in NRW als Spitzenkandidat verloren hat.

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    Etwas Nachhilfe in Recherche gefällig? Suchen Sie bei G**gle mal nach

    site:zeit.de IEA

    und finden Sie nicht weniger als 665 Ergebnisse, darunter solche bis zurück ins Jahr <a href="http://www.zeit.de/online/2008/27/IEA-Oelpreis/komplettansicht">2008</a>.

    Und was sind "Hauptartikel"?

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