Deutschland heimst an diesem Freitag ein ungewöhnliches Lob ein. Die Internationale Energieagentur aus Paris lobt in ihrem aktuellen Länderreport die deutsche Regierung ausdrücklich für ihre "umfassende Energiestrategie, ehrgeizige Ökostromziele und Pläne für die Senkung des Energieverbrauchs". Die Energiewende bringe langfristig "beachtliche Vorteile" mit sich, sagt IEA-Geschäftsführerin Maria van der Hoeven.

Noch nie seien die Rahmenbedingungen für einen politischen Konsens zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland besser gewesen, schreiben die IEA-Autoren. "Die deutsche Regierung sollte den Kurs weiterverfolgen, einen vorhersehbare und stabilen Rahmen zu setzen und die Kosten zu minimieren", erklärt van der Hoeven.  

Es ist das erste Mal, dass internationale Energieexperten nach einer umfassenden Detailanalyse der deutschen Energiewende zu einem solchen Urteil kommen. In der IEA haben sich 28 Staaten zusammengeschlossen, um auf Energiekrisen gemeinsam zu reagieren. Der jährliche World Energy Outlook der IEA ist wegen Ölpreisprognosen eine Art Bibel der Energieexperten. Der jüngste Deutschland-Report der Organisation stammt aus dem Jahr 2007, aus einer Zeit lange vor dem Atomunglück im japanischen Fukushima.

Vor fünf Jahren kritisierte die IEA noch den Atomausstieg

Als "sensationell" und eine "überraschende Kehrtwende" bezeichnen Fachleute das neue Expertenurteil. In der Vergangenheit nämlich äußerte sich die IEA viel skeptischer. Noch im Jahr 2007, in ihrem letzten Länderreport, drängte sie Deutschland, "die Entscheidung zum Atomausstieg wegen ihrer ungünstigen Folgen noch einmal zu überdenken". Im aktuellen Report lobt die Organisation dagegen Deutschlands Plan, "eine der weltweit energieeffizientesten und umweltfreundlichsten Wirtschaften überhaupt zu werden".

Energiefachleute wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sind überrascht. Es sei "etwas besonderes", wenn eine Organisation wie die IEA zu einem solchen Urteil über die deutsche Energiewende komme, sagt Kemfert. Die Grünen nehmen die Länderanalyse mit einem Schuss Genugtuung auf. Endlich nehme auch "die ewig gestrige IEA gewisse Realitäten zur Kenntnis", sagt Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Er hält die IEA für "urkonservativ", sie stehe traditionell den Ölmultis und Atomkonzernen nahe.