Japan : Das billige Geld kommt an

Mit billigem Geld und mehr Staatsausgaben kurbelt Japan seine Wirtschaft an. Und siehe da: es wirkt. Doch wie lange?
Ein japanischer Geschäftsmann vor einer Anzeigetafel mit Aktienkursen © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Am vergangenen Freitag geschah an Japans Börsen etwas von psychologischer Wichtigkeit. Erstmals seit Jahren kostete der Dollar wieder mehr als 100 Yen. Eine gute Nachricht für Japans wichtige Exportindustrie, die von einem billigen Yen profitiert, und ein Signal für die Investoren. Aktien von Sony und Toyota stiegen im Wert, der japanische Aktienindex erreicht an diesem Montag den höchsten Stand seit Januar 2008. Zeigt die Politik des billigen Geldes in Japan Wirkung?

Seit Ende Dezember ist Premierminister Shinzo Abe im Amt. Nach knapp zwei Jahrzehnten Stagnation und einem fallenden Preisniveau, hat Abe ein grundlegendes Reformprogramm  aufgelegt, das seither unter seinem Namen firmiert: Abenomikusu. Es besteht aus drei Teilen: mehr Staatsausgaben für die Konjunktur, billiges Geld für eine schwächere Währung und Strukturreformen für eine bessere Lage auf den Weltmärkten.

Tatsächlich scheint das Programm zumindest kurzfristig zu wirken. Der Yen begann schon an Wert zu verlieren, nachdem Abe Mitte November Neuwahlen erstritten hatte. Als der heutige Premier dann mit dem Versprechen in den Wahlkampf zog, der eigentlich unabhängigen Zentralbank eine noch lockerere Geldpolitik aufzudrücken, stiegen die Erwartungen der Anleger. Der neue Zentralbanker Haruhiko Kuroda hat Abes Vorstellungen von massiven Staatsanleihekäufen und einem Inflationsziel von zwei Prozent mittlerweile umgesetzt. Das Resultat: Binnen eines halben Jahres hat der Yen mehr als ein Viertel seines Wertes verloren.

Zugleich hat die Regierung die Staatsausgaben erhöht. Im Januar wurde ein Konjunkturprogramm von fast 90 Milliarden Euro bewilligt, weitere 80 Milliarden stehen zum Abruf bereit. Das Geschäftsklima hat sich seitdem konstant verbessert. Am Freitag zeigte eine Umfrage der Bank of Japan auch, dass private Haushalte optimistischer werden: 24 Prozent glauben jetzt, die wirtschaftliche Lage werde sich im kommenden Jahr verbessern, weitere 58 Prozent erwarten zumindest keine Verschlechterung. Auch Shinzo Abe erreicht in Umfrage hohe Zustimmungswerte. Vor einem Monat gaben 71 Prozent der Befragten an, ihn als Premier mit seinem Programm zu unterstützen.

In Japan herrscht noch Deflation

Ob das Reformprogramm langfristig wirkt, ist nicht ausgemacht. Die starken Jahreszahlen, die Japans große Unternehmen in den letzten Wochen präsentierten, sind der Investmentbank Morgan Stanley zufolge nicht durch Preissenkungen entstanden. Japans Exporteure haben ihre Preise sogar eher konstant gehalten. Das dürfte daran liegen, dass die großen Hersteller durchschnittlich keine weitere Schwächung des Yen, sondern eher eine Stärkung erwarten. Einer Analyse der Bank of Japan zufolge gehen die Unternehmen für dieses Jahr von einem durchschnittlichen Dollar-Wechselkurs des Yen von 1/85 aus. Gut möglich also, dass der Wechselkurs weniger entscheidend ist als angenommen.

Wichtiger wäre es also, dass die Strukturreformen das Wachstum ankurbeln. Von einer stärkeren Eingliederung der Frauen in den Arbeitsmarkt und besseren Zuwanderungsregeln ist derzeit die Rede. Beides existiert bislang nur im Konjunktiv. Auch sollen die Möglichkeiten für neue Unternehmensgründungen und der Zugang zu Krediten erleichtert werden.

Aber selbst wenn all das, wie auch immer, Realität wird: über die Nachhaltigkeit von "Abenomikusu" bestehen Zweifel, von den hohen Staatsschulden des Landes ganz abgesehen. Nach wie vor verharrt Japan in einer Deflation. Sollte die gewünschte Inflation einsetzen, ginge dies mit größerem Druck auf private Haushalte einher. Die verfügbaren Realeinkommen japanischer Haushalte sind im ersten Quartal zwar nach einiger Zeit wieder gestiegen, allerdings nur, weil die Deflation die Preise drückt. Die Inflation würde die Anstiege der Realeinkommen wieder auffressen. Dem privaten Konsum, der 60 Prozent der japanischen Volkswirtschaft ausmacht, wäre eine bloße Inflation ohne stärker wachsende Löhne wohl nicht zuträglich. Statt einer Inflation könnte Japan daher am Ende in eine Stagflation rutschen – also ein steigendes Preisniveau ohne Wachstum. Der schwache Nikkei wäre dann nur ein schwacher Trost.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Antwort auf 6.

Ähm, nein. Bankiers verdienen Geld durch die Vergabe von Krediten gegen Zins. Da Zinsen bei den meisten Kredite nicht an die Inflation gekettet sind, führt Inflation (was mittel- und langfristig zwangsläufig auch Lohninflation beinhaltet) zu einer Entwertung der zurückzuzahlenden Summe und schadet der Bank und somit den Bankiers. Die wirklichen Verlierer sind vermögenstechnisch die Sparer und Investoren, zu denen Banken und Hedge Funds gehören, allerdings leider auch die Mittelschicht. Reiche und Arme sind von Inflation weniger betroffen, die einen weil sie in langfristig inflationsangepasste Vermögensgegenstände wie Immobilien oder Wertpapiere investieren, die anderen weil sie nichts zum Sparen haben.

Kleiner Denkfehler vorhanden.

Die Banken verlieren kein Geld.

Das Geld wird von den Banken aus dem Nichts erzeugt!

100 Euro als Kredit vergeben, zu 5% Zinsen, ergibt bei 20 % Inflation im lauf des Jahres, 5 Euro Zinsertrag die real Kaufkraftmäßig nur noch 4 Euro Wert sind! Der Kredit von 100 Euro verschwindet bei Rückzahlung wieder im Nichts!

Die Privaten Geldvermögen auch für die Altersvorsorge usw. hätten untragbare Verluste.