OECD-Generalsekretär "Die Deutschen waren mutig"

Die Krisenländer sollten von Deutschland lernen, sagt Ángel Gurría, Generalsekretär des Industrieländerklubs OECD. Gerade Frankreich könne sich einiges abschauen. von Carsten Brönstrup

Frage: Herr Gurría, die Daten über Europas Wirtschaft werden immer schlechter. Wird die Krise länger dauern als angenommen?

José Ángel Gurría: Wir glauben, dass das Wachstum 2013 schwach bleiben wird und die Erholung erst 2014 kommt. Natürlich wird es nicht am 1. Januar schlagartig einen Aufschwung geben. Es wird eine leichte Verbesserung gegen Ende des Jahres kommen, mit positivem Elan für 2014. Deutschland geht es besser als vielen seiner europäischen Handelspartner. Aber auch die deutschen Zahlen sehen nicht gut aus. Ob Sie 0,2 Prozent im Minus oder im Plus liegen, macht ja keinen großen Unterschied.

Anzeige

Frage: Noch nie waren in Europa so viele Menschen arbeitslos wie heute.

Gurría: Millionen Bürger, die derzeit keine Perspektive haben, brauchen dringend eine. Noch immer gehen im Euro-Raum mehr Jobs verloren, als dass neue entstehen. In einigen Ländern ist jeder zweite Jugendliche ohne Job, und die Langzeitarbeitslosigkeit steigt unkontrolliert. Das ist erschreckend. Zugleich fehlen oft Fachkräfte – eine paradoxe Situation. Das zeigt, dass es im Bildungssystem massive Probleme gibt.

José Ángel Gurría

José Ángel Gurría (62) ist seit sieben Jahren Chef der OECD. Der Mexikaner ist der erste Vertreter eines Schwellenlandes an der Spitze dieser Organisation. Zuvor war er in den 90er Jahren erst Außen- und dann Finanzminister seines Landes. Gurría hat Wirtschaftswissenschaften studiert und spricht neben fünf weiteren Sprachen auch etwas Deutsch.
 

OECD

Die OECD mit Sitz in Paris, 1961 gegründet, ist ein Zusammenschluss von 34 Industriestaaten, die sich der Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. Sie sieht sich als Forum für gemeinsame Standards und Problemlösungen in fast allen Politikbereichen außer der Verteidigung. Zuletzt traten 2010 Chile, Slowenien, Estland und Israel bei. Von ihrem Budget (347 Millionen Euro) werden unter anderem 2.500 Mitarbeiter bezahlt.

Frage: Sie dürften sich kaum rasch abstellen lassen.

Gurría: Für den Übergang brauchen wir Beschäftigungs- und Qualifikationsinitiativen, die dazu führen, dass Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zusammenkommen. Dann muss es um die Strukturen gehen. Viele der Krisen-Länder könnten von Deutschland lernen: bei der Ausbildung, beim lebenslangen Lernen und beim Umgang zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, hier sind die Deutschen besonders gut.

Frage: Tun die Krisenstaaten genug, um wieder wettbewerbsfähig zu werden?

Gurría: Das Reformtempo ist unterschiedlich. Spanien und Italien sind bereits seit zwei, drei Jahren unterwegs, nachdem der Markt mit steigenden Anleihezinsen klare Signale gegeben hat, dass es Zeit ist für einen Kurswechsel. Frankreich hat gerade eine Arbeitsmarktreform verabschiedet. Das hätte Paris allerdings schon viel früher tun können.

Frage: In Frankreich und Deutschland gibt es unterschiedliche Auffassungen über den Weg aus der Krise.

Gurría: Reformen sollten zum normalen Leben dazugehören. Das war in den vergangenen Jahren nicht der Fall. Man sollte nicht sagen, wir haben ein paar Dinge verändert, jetzt lehnen wir uns wieder zurück. Das gilt für jedes Land. Es ist nicht wie in der Bibel, wo es heißt, am siebten Tage sollst du ruhen. Denn Reformen sind selten beim ersten Versuch perfekt, oft muss man nachbessern.

Frage: Braucht Frankreich eine Art Agenda 2010?

Gurría: Die Deutschen haben mutige Entscheidungen getroffen. Als die Krise kam, waren sie vorbereitet. Nicht jeder Staat kann oder will es so machen. Aber es gibt einige Dinge, die Frankreich von seinem Nachbar lernen kann. Reformen sind nötig, weil sich die Welt um uns herum verändert hat. Wer sich dem nicht anpasst, fährt vor die Wand.

Frage: Japan wächst wieder überraschend stark, vor allem wegen seines schwachen Yen. Droht der Welt ein Währungskrieg?

Gurría: Der Wechselkurs heute ist wieder auf dem gleichen Stand wie vor einem Jahr, das darf man nicht vergessen. Der Yen galt lange als sicherer Hafen, er zog in der Euro-Krise Kapital an und wertete auf. Jetzt ist er auf den alten Stand gesunken. In vielen Ländern gibt es die Kombination von lockerer Geldpolitik und harter Fiskalpolitik. Japan macht es anders und kombiniert eine lockere Geldpolitik mit einer lockeren Fiskalpolitik. Das ist einen Versuch wert.

Leserkommentare
  1. Das Schuldgeldsystem bleibt weiter unangetastet, ebenso die Tatsache, daß private Banken das Geld drucken und nicht die Staaten selbst. Solange das so bleibt, wird sich gar nichts ändern!

    via ZEIT ONLINE plus App

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gkh
    • 27. Mai 2013 17:11 Uhr

    Geld ist immer nur ein Versprechen auf künftige Leistungen.
    Und jeder kann dieses Versprechen geben. Sobald jemand einen Schuldschein ausstellt hat er effektiv Geld geschaffen.

  2. Das Schuldgeldsystem bleibt weiter unangetastet, ebenso die Tatsache, daß private Banken das Geld drucken und nicht die Staaten selbst. Solange das so bleibt, wird sich gar nichts ändern!

    via ZEIT ONLINE plus App

    Eine Leserempfehlung
  3. Der OECD-Generalsekretär stellt die Forderung auf, dass die Bürger in Sachen Finanzen besser ausgebildet werden müssen. Diese Forderung ist richtig. Er hätte ergänzen müssen: "in Sachen Finanzen und Realwirtschaft". Es wäre wünschenswert, dass breitere Bevölkerungsschichten mehr über die matchentscheidenden Faktoren des menschlichen Daseins wissen: Die Wirkungsweise der internationalen Ökonomie. Davon sind alle betroffen, ob sie es nun wissen oder nicht. Wenn man diese ganze Mechanik versteht, reibt man sich nicht mehr die Augen, wenn von von einem selbst Leistungsbereitschaft und Konkurrenzfähigkeit verlangt wird.

    3 Leserempfehlungen
  4. sondern in weiten Teilen total unsinnig und ist auch noch zum Teil mitverantwortlich für die derzeitige Krise.

    Das ganze streben nach Wirtschaftswachstum ist sinnlos, wenn davon nichts beim normalen Bürger ankommt. Auf Dauer gesehen ist es sogar kontraproduktiv, weil es irgendwann einmal zu sozialen Verwerfungen kommen wird.

    Eigentlich führen wir heute, die Idee die hinter der sozialen Marktwirtschaft stand ad absurdum.

    15 Leserempfehlungen
  5. Gedeihliche Zukunftsperspektiven sind stets dann für alle gewährleistet, wenn nicht bereits von nur einigen wenigen Bürgern das in Abrede gestellt wird, was die Moderne einer Gesellschaft nachweislich konstituiert. Es genügt gegenwärtig insofern, lediglich in besagtem Unfug stehenden Fußes augenblicklich innezuhalten, um vor allem für kommende Generationen den Wohlstand im Allgemeinen zu sichern. Darauf zu warten, bis beispielsweise das internationale Steuerregime eine dementsprechende Änderung erfährt, macht somit angesichts des Tatbestands keinen Sinn, dass jedem in die Hand gegeben ist, mit derlei Frevel noch heute enden zu können.

  6. Es ist schon unerhört mutig, den Schwachen etwas zu nehmen, um es den Starken zu geben.

    Vielleicht habe ich aber auch nur den Sarkasmus oder die Weitsicht der Herrn Gurría nicht verstanden: es gehört schon sehr viel "Mut" dazu, den Zorn der Mehrheit heraufzubeschwören - siehe 1789 (und darauf wird es langfristig hinauslaufen - leider).

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Revolution wird nicht und findet nicht auf der Straße statt, sondern in den Menschen selber. Diejenigen, die zurück bleiben im Denken und Handeln, werden vergehen; diejenigen, die lernen, die das Miteinander für sich erkennen, den Neid und das Verlangen vergessen und teilen, was sie erzeugen - Besitz und Eigentum sind Illusion-, denen wird die Welt gehören.

    JLC

  7. Da ist auch was dran.

    Erinnert sich keiner mehr wie Deutschland im Inland damals runtergeredet, ja abgeschrieben wurde? "Schlusslicht Deutschland", für jede wahre oder auch an den Haaren herbeigezogene Behauptung ("Deutschland hat die höchsten Steuern der Welt/komplitzierteste XY Gesetzgebung der Welt/..."Platzhalter" negativstes Irgendwas der Welt) fand sich Beifall. Pessimismus allerorten, Auswandererdokus im TV, PISA Schock, "Die Deutschen sterben aus"...

    Und es war ja auch was dran. Der Reformstau der Kohl-Jahre plus der teure Aufbau Ost, der auch die ganze innenpolitische Aufmerksamkeit in den 90ern gebunden hatte während man anderswo behutsam reformiert hat ("New Labour" etc.) gepaart mit der sich beschleunigenden Globalisierung, dem Platzen der New Economy Bubble und schließlich der Euro-Einführung haben das deutsche Wohlstandsmodell in eine gefährliche Schieflage gebracht.

    Und es war der Mut der Verzweifelten der die SPD geführte Bundesregierung Kahlschläge machen ließ, die jede Regierung hätte machen müssen. Es war die Einsicht in Notwendigkeiten die keinem gefielen. Ja, daran kann man sich was "abschauen". Aber auch nur insofern, als dass letztlich jedes Land selbst für seine Geschicke verantwortlich ist. Wer weiss wie Kanzler Schröder gehandelt hätte, wenn es ESM und all die Debatten um eine Transferunion schon gegeben hätte?! Vermutlich so wie die Regierungen Frankreichs und Südeuropas aktuell.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was man immer dazu ergänzen sollte, dass es sich hier nicht um objektive, durch ein unabänderliches Naturgesetz bedingte Notwendigkeiten handelt, sondern um die "Notwendigkeiten" die das weiterlaufen des kapitalistischen Systems und seiner(!) bürgerlichen Demokratie ermöglichen.

    Diese "Notwendigkeiten" sind aktuell, dass 1/3 der Bevölkerung für Kost und Logis arbeitet oder (meist erzwungenermaßen) erwerbslos ist und sich im Alter aus Mülltonnen ernähren wird.
    Die "Notwendigkeiten" der Zukunft werden sein, dass das 2. Drittel der Bevölkerung seinen Wohlstand zugunsten des oberen Drittels abgibt, und Arbeitsbedingungen antrifft, die denen des heutigen unteren Drittels entsprechen (also prekär beschäftigt oder ganz erwerbslos).
    Aus "Wohlstand für alle" wird erst die "Chancengerechtigkeit" und dann der "repräsentative Wohlstand" bei dem die Oberschicht stellvertretend für die Restbevölkerung ein gutes Leben führt.
    Bislang haben die bürgerlich-demokratischen Regierungen noch nicht ansatzweise erkennen lassen, dass Menschen wichtiger als die Kapitalverwertung sind, sie verhalten sich eben "marktkonform" - alternativlos. Symbol- und Palliativpolitik ist alles, was kommt.

    Wer das für hinnehmbar hält, sich u.U. eher Kapitalismus ohne Menschen als Menschen ohne Kapitalismus vorstellen kann, der macht bitte weiter wie bisher und wählt am 22.9. eine der systemkonformen Einheitsparteien.
    Wer das anders sieht, geht am 22.9. auf die Straße und fordert eine andere Gesellschaftsform!

  8. Mutige Entscheidung... Leicht zu fällen, wenn die Betroffenen zwischen Not und Elend wählen dürfen. Der Gewinn wurde einmal mehr in Richtung Kapitalinvestoren verteilt und der Staat spielt den Steigbügelhalter in Form von Garantien. Es wird Zeit den Eigenkapitalmarkt mit seinen ausufernden Anlageformen Einhalt zu gebieten. Es wird Zeit, dass der Arbeitnehmer die Geschicke im Unternehmen bestimmt und nicht der Kapitalinvestor. Es wird Zeit, dass der Arbeitnehmer zum Investor wird! WKP

    http://wirtschaftsdemokra...

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tja, die Freiwilligkeit ist halt leider nur theoretischer Natur. Er kann das Kapital nämlich gar nicht einbringen, weil prekäre Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit und der Verlust der Arbeitnehmerrechte durch die Agenda 2010 unter Schröder und SPD ihm das leider verunmöglicht haben.

    Das zu tragende Risiko ist der Arbeitnehmer sicher gern bereit in Kauf zu nehmen, wenn er dafür auch die durch ihn erwirtschafteten Gewinne bekommt. Die dabei entstehenden Risiken trägt er doch ohnehin schon oder was glauben Sie, wer für den ESM bürgt? Die Sozialisierung der Verluste endet schließlich beim Steuerzahler, während Steuerhinterzieher ala Hoeneß eben genau jene sind welche mit ihrem überschüßigen Kapital in dubiosen Steueroasen auf Kosten der Arbeitnehmer spekulieren und das Wirtschaftssystem ins Wanken bringen. Die haben eben auch nichts zu verlieren, weil denen die eine oder andere Million egal ist! Damit ist ihre Risikobereitschaft faktisch unendlich und der Leidtragende ist der Arbeitnehmer, die einem immer höheren Druck in Form von "Konkurrenzfähigkeit" oder eben auch Profitmaximierung der Kapitalinvestoren, verspürt, dem die Bundesregierung nur zu bereitwillig mit neoliberalen Maßnahmen der Arbeitnehmerrechtebeschneidung entgegengetreten ist. Ergo hat die Umverteilung in Richtung Kapitalmarktinvestor noch groteskere Ausmaße angenommen, während der Arbeitnehmer noch zusätzlich mit dem Abbau des Sozialstaats bestraft wird.

    P.S. Die Eurozone besteht nicht nur aus Deutschland

    Nur tritt dieser längs offene Türen ein. Seit der Abschaffung der Leibeigenschaft und der Einführung des Parlamentarismus kann jeder und jede, ich wiederhole, jeder und jede, auf eigene Gefahr und mit eigenem oder geliehenem Geld, eine Firma gründen und damit Erfolg haben oder den Weg in die Pleite gehen. Jeder und jede kann auch Dritte dazu animieren, mit ihm/ihr eine Genossenschaft zu gründen und in deren Rahmen zu wirtschaften. Damit hat sich eigentlich auch die Frage der Frauenquote gleich selbst erledigt. Auch Frauen ist es nicht verboten, ihr eigener Chef zu werden. Und: Alle Erfolgreichen können beweisen, dass sie gerne mit allen teilen und auch die Steuern nicht hinterziehen. Das ist längst alles möglich, liebe Leute. Die Wirtschaft ist seit langer Zeit demokratisch. Aber es ist überall gleich: Nicht alle haben den erhofften Erfolg.

    Wie gesagt. Das gilt vielleicht in der Theorie. Die Praxis schaut aber ganz anders aus. Da zeigt sich nämlich, dass die Umverteilung der Vermögen von unten nach oben erfolgt und geschuldet ist das dem Kapitalmarkt, der durch Maßnahmen der Kategorie Agenda 2010 in seiner Umverteilung noch unterstützt wird.

    In der Realität bekommt auch nicht jeder einfach so einen Kredit und ob Sie es glauben oder nicht, in der Realität haben viele überhaupt keine Ersparnisse über und werden diese auch nie bekommen, wenn dieser Umverteilung der Gewinne nicht ein Riegel vorgeschoben wird.

    Dazu kommt ein skrupelloses Druckausüben der Kapitalmarktinvestoren auf ihre Vertreter durch überdimensionsierte Boniverträge (Banken, Fonds, etc.), den Druck an die Unternehmen weiterzugeben, um weitere Kostensenkungen durchsetzen zu können, die die vermeindliche Produktivität steigern, deren Gewinn aber nur einigen wenigen zugute kommen. Die Konsequenz ist eine Besetzung der Vorstände und Aufsichtsräte in Form kostensenkender, profitmaximierender Manager, die ihren zeitlichen Horizont, ebenso wie der Investor auf kurze Laufzeiten, entsprechend ihren Vertragslaufzeiten reduzieren. Demzufolge wird dieser Managementtypus kein Interesse an nachhaltiger Wirtschaft haben. Das ändert sich erst, wenn der Manager im Sinne der Arbeitnehmer agiert und das wird er erst, wenn diese die Stimmrechte des Unternehmens besitzen. Das gute daran: Die Arbeitnehmer sind in der Mehrheit!

    Ein besseres Programm zur Jobvernichtung kann man sich kaum denken.

    Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht, Arbeitnehmer in großen Unternehmen zu Miteigentümern zu machen (mit allen Risiken und Chancen). Das erzeugt Motivation und schafft einen hohen Identifikationsgrad. Aber das geht nur durch einen Anteilserwerb über die Zeit. So könnte ein Teil des Gehalts in Form von Anteilen ausgezahlt werden (natürlich ausgestattet mit dem Wahlrecht diese zu behalten oder zu verkaufen). Nur so kann bei Arbeitnehmern auch unternehmerische Verantwortung entstehen.

    Eine Verpflichtung des Unternehmens bei jeder Neueinstellung Stimmrechte zuzukaufen oder eine Kapitalerhöhung durchzuführen, um dem neuen Mitarbeiter ein Stimmrecht zu geben, ist einfach absurd, da

    1. Die Kosten jeder Neueinstellung erheblich steigen;
    2. Der Mitarbeiterbestand ebenfalls mit mindestens demselben Stimmrecht ausgestatte werden müsste (die Kosten für Großkonzerne möchte ich mir nicht vorstellen);
    3. Ein Mitarbeiter, der noch keinen Handschlag im Unternehmen getan hat, bereits ein gleichberechtigtes Stimmrecht erhält.

    Des Weiteren halte ich es für gefährlich, ein Großunternehmen durch Zwang demokratisieren zu wollen. Im Ergebnis könnten nämlich nichtmehr unternehmerische, sondern politische Entscheidungen im Vordergrund stehen. Wirtschaftlich wird das den meisten Unternehmen wohl nicht gut tun.

    Von den Auswirkungen eines solchen Mitbestimmungssystems auf KMU will ich garnicht erst anfangen.

    Das von den Autoren dieses Vorschlags angestrebte Ziel ist allerdings noch absurder:

    „Der Kapitalinvestor wird sukzessive aus dem Unternehmen gedrängt. Nachdem dieses Konzept auf alle Unternehmen angewendet werden soll, wird der Kapitalmarkt zum Erliegen kommen…“

    Kein Kapitalmarkt? Daran kann man gut erkennen, dass die geistigen Väter dieses Konzepts, noch nie mit einem richtigen Unternehmen zu tun hatten. Ich frage mich nämlich, wie unter solchen Nebenbedingungen z.B. große Forschungs- und Innovationsprojekte vorangetrieben werden sollen (oder die geforderten Kapitalerhöhungen bei Neueinstellungen)? Werden das die „Arbeitnehmer-Eigentümer“ schultern?

    Auch Unternehmensneugründungen wären unmöglich und sinnlos. Unmöglich, weil für eine Neugründung Kapital und damit ein Investor notwendig ist. Sinnlos, da die angestrebte unternehmerische Selbstständigkeit bei dem ersten Angestellten endet.

    Des Weiteren stellt sich die Frage, wer für das Unternehmen haftet. Das Konzept vermerkt hierzu: „Der Arbeitnehmer zahlt den Betrag im Rahmen seiner privaten Pensionsvorsorge an das Unternehmen zurück … (das Ausfallrisiko) kann durch eine unpfändbare Pensionsrückstellung … minimiert werden.

    Im Ergebnis muss man feststellen, dass es sich hierbei nicht um eine Alternative handelt, sondern um alte Konzepte mit frischem Anstrich. Früher nannte man das nämlich VEB.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service