In der Debatte über mehr Steuergerechtigkeit hat sich Finanzminister Wolfgang Schäuble dafür ausgesprochen, den Bürgern die strafbefreiende Selbstanzeige weiter zu ermöglichen. Man solle nicht den Eindruck erwecken, ihre Abschaffung verhelfe der Gerechtigkeit in Deutschland endgültig zum Durchbruch, sagte Schäuble auf dem Deutschen Steuerberaterkongress in Dresden.

Der Staat verlange bei der Besteuerung von den Bürgern mehr als bei der Teilnahme am Straßenverkehr: Da müsse er sich nur an die Regeln halten. Bei der Besteuerung aber gäben die Bürger dem Staat selbst alle Informationen, die dann erst dazu führen, dass sie besteuert würden. Deshalb sei es richtig, dass es die Möglichkeit zur strafbefreienden Selbstanzeige gebe.

Nach der Selbstanzeige des FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß hatten Vertreter von SPD und Grünen gefordert, die Strafbefreiung bis auf Bagatelldelikte abzuschaffen. Schäuble sagte, er sei bereit, mit seinen Kollegen in den Bundesländern kommende Woche bei der Länderfinanzministerkonferenz in Wiesbaden über die Rechtslage zu sprechen. 

Auf dem zweitägigen Kongress nehmen mehr als 1.000 Steuerfachleute teil. Sie diskutieren in drei Arbeitskreisen, sechs Foren und mehreren Workshops Themen wie die Vermögenssteuer oder die Finanzierung mittelständischer Unternehmen. Aus Anlass des Falles Hoeneß geht es auch um Steuerhinterziehung.

Die Bundessteuerberaterkammer vertritt nach eigenen Angaben etwa 90.000 Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Beratungsgesellschaften.