Flatrates : Kartellamt prüft Datendrosselung der Telekom

Die Wettbewerbshüter haben Bedenken gegen die neuen DSL-Tarife der Telekom. Inhalteanbieter könnten sich Wettbewerbsvorteile erkaufen, andere würden benachteiligt.

Die Deutsche Telekom könnte wegen der geplanten Datendrosselung für DSL-Tarife Ärger mit dem Bundeskartellamt bekommen. Grund dafür ist nicht das Absenken der Bandbreite beim Nutzer, wenn der die monatliche Obergrenze von zum Beispiel 75 Gigabyte erreicht hat, sondern der Umgang mit den Anbietern von Inhalten im Netz. Die werden nach den Plänen der Telekom dafür zahlen können, auf keinen Fall zu den gedrosselten Diensten zu gehören, egal wie aktiv die Nutzer im Internet sind.

"Wenn die Telekom Inhalteanbietern erlauben will, sich von einer Datendrosselung freizukaufen, hat dies möglicherweise Folgen für den Wettbewerb", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Telekom verfüge auf dem Breitbandmarkt über eine starke Marktposition. "So könnten erhebliche Marktzutrittsschranken entstehen, wenn kleine Anbieter nicht in der Lage sein sollten, sich eine prioritäre Behandlung zu erkaufen." Auch das Vorhaben der Telekom, eigene Dienste wie ihr Internetfernsehen Entertain nicht auf das Datenvolumen anzurechnen, will das Kartellamt prüfen.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur deckt die Telekom mit rund 12,4 Millionen DSL-Anschlüssen etwa 45 Prozent des Breitbandmarktes ab; damit wird sie als "marktmächtig" betrachtet. Die Wettbewerbsbehörde hatte die Telekom aufgefordert, ihre Pläne genauer zu erläutern. Die Antworten würden nun ausgewertet. Es gebe aber bislang weder Ermittlungen noch ein Verfahren. Die Behörde erwarte aber, dass die Telekom ihre Kunden genau darüber informiert, wie viel Datenvolumen sie schon verbraucht hätten, und welche Dienste auf die Volumengrenze angerechnet würden.

Die Begründung des Konzerns für die stärkere Spreizung der Tarife je nach Datenverbrauch findet Mundt aber verständlich: "Ein Grundrecht auf Flatrates für schnelles Internet vermag ich nicht zu erkennen." Es sei nicht einzusehen, dass Normalnutzer genauso viel zahlen müssten wie Intensivnutzer.

Problematisch werde es erst dann, wenn die Netzneutralität berührt werde. Die ist zwar in Deutschland nicht gesetzlich festgeschrieben, gehört aber zu den Grundprinzipien des Internets. Netzneutralität heißt, alle Datenpakete werden unabhängig von ihrem Inhalt gleich behandelt. Da gebe es "neben einer politischen eine wettbewerbsrechtliche Dimension", sagte Mundt. 

Neben dem Kartellamt prüft auch die Bundesnetzagentur, ob die neuen Tarife möglicherweise gegen die Netzneutralität verstoßen.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Protest wird richtigerweise im Sande verlaufen

Petition hin oder her, die Drosselung wird kommen und ist absolut korrekt. Im Zweifel wird lediglich daran geschraubt, ob die Telekom dann ihr eigenes Programm durchschleusen darf, ohne das Freivolumen zu verringern. Die Netzneutralität ist aber durch eine Drossel generell nicht betroffen. In den USA sind uebrigens fast alle Tarife gedrosselt (meist bei 150 GB).

Der ganze aufgeregte Protest wird einfach abebben, die Medien, die so getan haben als stuende das Ende des Internet bevor, werden sich beruhigen. Andere Anbieter werden auch drosseln. Denn warum sollte die Mehrheit der Nutzer fuer einige Intensivnutzer mitzahlen, die tagtaeglich und im Dauerbetrieb gecrackte Filme, Programe und weiss ich nicht was runterladen.

Ähöm. Bitte?!

In ihrem Kommentar ist ja sehr viel Unwissen! Es gibt keine Diskussion, ob die Drosselung "korrekt" ist. Sie ist einfach unsinnig und führt zu Mehrkosten auf Seiten der Telekom. Von dem Datenschutz will ich gar nicht anfangen. Die Telekom müsste ja in Ihre Daten reingucken um zu wissen, wie viel sie so wo runterladen um zu wissen, wie viel sie verbraucht haben.

"Denn warum sollte die Mehrheit der Nutzer fuer einige Intensivnutzer mitzahlen, die tagtaeglich und im Dauerbetrieb gecrackte Filme, Programe und weiss ich nicht was runterladen."

Cracker machen kaum einen Unterschied für den Traffic. Mehr Daten werden verbraucht durch Youtube-Videos, Mediatheken (ZDF) etc., Musikstreamings (Spotify, Radio), Online-Spiele, IP-Telefonie - alles legal!

Zudem: Wir haben Ressourcen, das deutsche Backbone langweilt sich. Problem sind die ollen Anschlüsse, die die Telekom seit Jahrzehnten nicht gepflegt hat. Aber auch denen ist das Gesamtvolumen schnuppe. Die ächzen bei der Momentlast.

Meinetwegen sollen sie drosseln, ich sehe aber keinen Sinn. Dadurch wird nichts schneller, besser, billiger. Ach doch: Die Telekom kriegt mehr Geld, obwohl sich für den Kunden nichts ändert.

Ihr Intensivnutzer-Nachbar wird immer noch Ihre Leitung blockieren ;)

3 Anmerkungen (1)

" Im Zweifel wird lediglich daran geschraubt, ob die Telekom dann ihr eigenes Programm durchschleusen darf, ohne das Freivolumen zu verringern. "

Genau darum geht es in der Petition. Nicht um die Drossel oder die Preiserhöhung (Das ist Marktwirtschaft, auch wenn die Telekom hier ihre Monopolstellung ausnützt. Da könnte man vielleicht auch noch eingreifen, wenn bei Menschen nur ein Anbieter zur Verfügung steht.).

"Denn warum sollte die Mehrheit der Nutzer fuer einige Intensivnutzer mitzahlen, die tagtaeglich und im Dauerbetrieb gecrackte Filme, Programe und weiss ich nicht was runterladen."

3 Anmerkungen (2)

Ich wusste gar nicht, dass man über iTunes gecrackte Filme und Programme bekommt. Das Internet bietet auch viele legale aber dennoch datenintensive Dienste. Und bei dem Verdienst von iTunes ist das keine Randerscheinung.Nur ein Beispiel (ich gehe mal von einer Einhaltung der Netzneutralität aus, da alles andere einfach nur fatal wäre): Eine Stunde Videomaterial von iTunes umfasst ca. 1,5GB. Wenn ich nun Fan von 4 Serien bin (wöchentliche Ausstrahlung), die ich dort abonniert habe und pro Monat 3 Filme ausleihe, dann komme ich schon auf ein Volumen von ca. 15GB. Da aber nur jeder 5. Mitbürger alleine lebt (http://www.zeit.de/gesell...) und Familien-TV-Abend eher 20. Jahrhunder ist, muss man bei durchschnittlich 3 Personen pro Haushalt (bei 1,2 Kinder) von kommen wir alleine schon mit "modernem" TV Konsum (jeder neue TV hat WLAN etc., Netflix lässt in Deutschland hoffentlich auch nicht mehr lange auf sich warten) auf 45GB.
Ein Spieleupdate über Origin/Steam pro Monat muss auch noch sein, oder? Dann sind wir schon bei 50GB.

Und bedenken Sie, wir sind im Jahr 2013. Wer weiß, wie schnell 4k Filme kommen werden. Die Spiele werden auch nicht kleiner.

3 Anmerkungen (3)

"In den USA sind uebrigens fast alle Tarife gedrosselt (meist bei 150 GB)."

150GB sind eine andere Kategorie als 75GB.

Außerdem: https://fiber.google.com/... http://www.zeit.de/digita...

Wenn 2016 in Deutschland die Telekom-Drossel kommt, gibt es in den USA wahrscheinlich in vielen Städten Gigabit Internet. Der Verglich hinkt also ein wenig.

Das ganze macht die Telekom natürlich im 2013, wenn 75GB noch relativ viel sind. Wenn die Entwicklung der Digitalisierung unserer Gesellschaft nur liear weitergeht, dann sind 2017 oder 2018 75GB nichts mehr.

Ich glaube der Blickwinkel ist manchmal falsch

Die Anbieter von Internetinhalten wollen meistens nur etwas verkaufen. Und seien es nur Anzeigen von Sponsoren, die die Anbieter pro Klick bezahlen.
Warum soll ich für deren Verteilung (das Internet) überhaupt Gebühren bezahlen?
Ich bekomme sonntags wie wahrscheinlich alle eine Reklamezeitschrift ungewollt. Bezahle ich deren Verteilung? Der Anbieter bezahlt die Verteilung!
Derzeit bezahlt der Kunde diese Verteilung und die Anbieter motzen ihre Seiten durch immer mehr Schicki-Micki der keine Information beinhaltet (Reklame, Filme statt Bilder) auf.
Eigentlich sollten immer die Anbieter der Seiten die Kosten tragen. Sie können sie ja kostenpflichtig anbieten.
Wenn nun versucht wird, Kunden mit zu großem Datenbezug etwas auszubremsen, so finde ich das richtig. Sollen sie sich doch bei ihrem Datenanbieter beschweren weil der die Kosten nicht übernehmen will oder mehr bezahlen.