AfrikaDas Milliardengeschäft mit Ackerland

Bislang ist wenig darüber bekannt, wie deutsche Firmen in Afrika im großen Stil Land erwerben. Die Datenbank Land Matrix sorgt für mehr Transparenz. von 

Es sind nicht nur ausländische Investoren, die nach Ländereien in Afrika greifen. Auch deutsche Anleger und Unternehmen kaufen Grundstücke im Ausland, und zwar im großen Stil. Sie bauen dort Lebensmittel an, Energiepflanzen oder Bäume für die Holz- und Zellstoffindustrie. 

Zum Beispiel die Ferrostaal GmbH: Mindestens 120.000 Hektar hat der Industriedienstleister, der aus der MAN Ferrostaal hervorging, in der Gegend um die sambische Stadt Mpika gepachtet. Künftig soll hier Jatropha für die Biosprit-Produktion wachsen. Vor vier Jahren wurde der Vertrag mit der sambischen Regierung unterschrieben. Produziert wird jedoch noch nicht.

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Ein anderes Beispiel ist die BHB GmbH Projektmanagement, ein Beratungsunternehmen aus Karlsruhe mit traditionell engen Verbindungen nach Vietnam. Gemeinsam mit einem vietnamesischen Reisforschungsinstitut will die BHB in Sierra Leone 50.000 Hektar unter Vertrag nehmen, um Reis anzubauen. Bisher sind allerdings erst 110 Hektar gepachtet.

Der globalen Datenbank Land Matrix zufolge, einem Gemeinschaftsprojekt von Forschungseinrichtungen, entwicklungspolitischen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen, sind das die beiden größten deutschen Land-Investitionsprojekte im Ausland. Acht weitere sind in der Datenbank registriert, in Äthiopien, Mosambik, Madagaskar, Uganda Ghana und Tansania. Unter den Investoren ist auch die DWS, eine Tochter der Deutschen Bank, die im Gegensatz zu anderen Instituten nicht auf Finanzgeschäfte mit Lebensmitteln verzichtet. Die DWS baut in Tansania in der Nähe des Kilimandscharo auf 5.000 Hektar Ackerfläche Gerste und Weizen an. 

Präzisere Daten über Landhandel

Seit ungefähr einem Jahr ist die Land Matrix öffentlich. Jetzt ist eine neue Version online gegangen, die noch bessere Daten liefern soll als bisher. Sie soll nachvollziehbar machen, aus welchen Quellen ihre Informationen über die einzelnen Projekte stammen, ob etwa aus Medienberichten, wissenschaftlichen Untersuchungen, Unternehmensangaben oder Hinweisen von Internetnutzern. Die neue Land Matrix ermöglicht auch, zwischen bloßen Absichtserklärungen und tatsächlich abgeschlossenen Verträgen zu unterscheiden. Und sie zeigt, ob die Flächen schon landwirtschaftlich genutzt werden oder brach liegen.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Das birgt überraschende Ergebnisse. Eins davon: Offenbar ist es nicht ungewöhnlich, dass große Investitionsvorhaben noch während der Vertragsverhandlungen scheitern. Nur etwa 750 der rund 1.070 in der Land Matrix erfassten Projekte gründen auf einem festen Vertrag. Immerhin 50 Kontrakte platzten während der Verhandlungen. Häufig kämen gerade "sehr umfängliche Vorhaben" nicht zustande, erklären die Initiatoren der Datenbank.

Ihnen zufolge sind weltweit Geschäfte über rund 33 Millionen Hektar vertraglich abgesichert. Das ist deutlich weniger, als die Macher selbst ursprünglich dachten. In ihrer ersten Version ging die Land Matrix noch von rund 1.200 abgeschlossenen Transaktionen über insgesamt 84 Millionen Hektar aus.

Wird das globale Geschäft mit Land also überschätzt? Nein, sagt Jann Lay vom GIGA-Institut (German Institute of Global and Area Studies), der an der Land Matrix mitgearbeitet hat. Er hält die registrierten 33 Millionen Hektar "immer noch für eine erhebliche Größe". Zumal die unter Vertrag genommenen Flächen enorm seien. Ein Vergleich: In der Europäischen Union werden 170 Millionen Hektar für die Landwirtschaft genutzt.

Leserkommentare
  1. Bei solchen Flächen sind km² ( Quadratkilometer ) eine handlichere Größe.

    Weil ich meine Freunde kenne: 1 km² gleich 100 Hektar.

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  2. In diesem Zusammenhang ist es nicht unerheblich, ob das Land gekauft oder gepachtet wurde.

    Wer seine Pacht nicht zahlt, verliert Anspruch auf die Nutzung des Gebietes. Bei den beiden groessten Projekte, die dieser Artikel beschreibt, handelt es sich um Pacht.

    Bevor nicht auch das Verhaeltnis zwischen gekauftem und gepachtetem Land angesprochen wird, ist die Zeit fuer alarmistisches Verhalten nicht reif, denn auch in Europa, USA, Russland, und der Ukraine kaufen auslaendische Konzerne/Interessen viel Ackerland.

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    Boden und Besitz sind in unserer Welt halt nun einmal extrem ungleich verteilt.
    Wer etwas pachtet, dem gehört es nun einmal nicht.
    Wenn da jetzt ein paar arme Bauern von dem gepachteten Land vertrieben werden, dann ist das ja viel viel schlimmer, als wenn irgendwelche Arbeiter arbeitslos werden oder andere ihre Existenzgrundlage verlieren. Aber das passt ja halt nicht in das Klichee

  3. Die Handhabung des Bodens ist weltweit ein ungelöstes Problem. Solange Boden spekulativ und als Kapital in privater Hand gehandelt wird, wird er Unheil über Menschen bringen. In der Bodenfrage war man vor hundert Jahren weiter als heute. Die Idee der Fairconomy schafft Spielraum für eine dem Menschen dienende Bodenordnung. Dises Problem muss grundsätzlich angegangen werden. In Afrika, München, Paris und überall.

    3 Leserempfehlungen
    • wd
    • 12. Juni 2013 22:32 Uhr

    zu horrenden Preisen an „Windmühler“ und „Strommastengrundstückseigentümer“ verpachtet wird und die kleinen Leute über das EEG und Netzgebühren dieses Zahlen, sollte man sich eigentlich nicht über Probleme in anderen Ländern aufregen. Wie heißt es: „Man sollte sich mal lieber an die eigene Nase fassen.“

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  4. Boden und Besitz sind in unserer Welt halt nun einmal extrem ungleich verteilt.
    Wer etwas pachtet, dem gehört es nun einmal nicht.
    Wenn da jetzt ein paar arme Bauern von dem gepachteten Land vertrieben werden, dann ist das ja viel viel schlimmer, als wenn irgendwelche Arbeiter arbeitslos werden oder andere ihre Existenzgrundlage verlieren. Aber das passt ja halt nicht in das Klichee

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    Antwort auf "Gekauft vs gepachtet"
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    beschäftigt mehr Menschen als industrialisierte Landwirtschaft, die mit ihren effektiveren Methoden weniger Arbeiter pro Fläche braucht.

  5. " Gemeinsam mit einem vietnamesischen Reisforschungsinstitut will die BHB in Sierra Leone 50.000 Hektar unter Vertrag nehmen, um Reis anzubauen. Bisher sind allerdings erst 110 Hektar gepachtet"
    Sierra Leone ? Ein Land, zerfressen von Korruption und Nepotismus, kaum regierbar und ständig bedroht von bewaffneten Banden überrannt zu werden, als Geschäftspartner ? Ich weiss ja nicht, wer bei der BHB für diese Auswahl zuständig war, aber das Geld ist durch den Kamin gegangen !!
    Selbst für afrikanische Maßstäbe, ist dieses Land kaum geeignet, Investitionen auf längere Zeit zu tragen, geschweige denn, daß es der dortigen "Regierung" möglich ist, ihre Versprechungen einzuhalten !

  6. Dann können sich wohltätige Organisationen wieder betun, Politiker können ihre "guten" Seiten verbal prostituieren und die lieben Anleger oder Investoren können munter Geld verdienen. Und das alles obwohl man es besser weiß und diese Art Geschäfte unterbinden müßte. Aber dann machen es ja andere. Eine wohlfeile Ausrede. Wir haben ja die Kriche und eine CDU und die Beichte.

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  7. In Zusammenhang mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln sollte es weltweit ein Moratorium, ein Verbot für Spekulationen geben!

    Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

    Es ist nicht akzeptabel, dass man in der Finanzwelt schamlos herumtrickst, nur um immer mehr und mehr Geld rauszuquetschen aus dem afrikanischen Kontinent.

    Das entscheidende Problem liegt meiner Ansicht nach darin, dass die entsprechenden Akteure einfach weit weg sind und Afrika allenfalls vom Globus oder aus dem Fernsehen kennen.

    Würden diese feinen ,,Investoren" und Spekulanten auch nur kurze Zeit in einem armen, afrikanischen Dorf leben und den Alltag dort miterleben, wie die Nahrungsmittel gerade so in den nächsten Tag reichen (oder auch mal gar nicht), dann würden sie vermutlich das ,,kalte Grausen" vor sich selbst bekommen, wie man so sagt.

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