KlimaChina startet erstmals Emissionshandel

Kein anderes Land stößt so viele klimaschädliche Emissionen aus wie China. Jetzt geht dort das erste Emissionshandels-System an den Start. Analysten sind skeptisch.

Eine dichte Smogschicht in Peking (Achivfoto)

Eine dichte Smogschicht in Peking (Achivfoto)  |  © Diego Azubel/dpa

China hat am heutigen Dienstag sein erstes Emissionshandels-System gestartet. Das System, mit dem klimaschädliche Emissionen gesenkt werden sollen, umfasst die Unternehmen in der südchinesischen Industriemetropole Shenzhen. Dies berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Bis 2014 soll der Emissionshandel demnach auf insgesamt sieben Regionen in der Volksrepublik ausgedehnt werden. China stößt so viele klimaschädliche Emissionen aus wie kein anderes Land dieser Welt.

In Emissionshandel-Systemen erhalten Unternehmen eine begrenzte Anzahl von Verschmutzungsrechten. Liegen ihre Emissionen über dieser Grenze, müssen sie zusätzliche Emissionszertifikate erwerben; liegen sie darunter, können die Firmen ihre überschüssigen Rechte verkaufen. Das System soll Investitionen in klimafreundliche Technologien begünstigen.

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Der weltweit größte und am meisten fortgeschrittene Emissionshandel existiert seit 2005 in der Europäischen Union. Das EU-System hat nach Ansicht zahlreicher Akteure allerdings einige Konstruktionsfehler, die einen tatsächlichen Nutzen für das Klima verhindern. Der Umweltausschuss im Europäischen Parlament will bei seiner am kommenden Mittwoch beginnenden Sitzung über einen Reformvorschlag der Europäischen Kommission abstimmen, mit der die Zahl der Verschmutzungsrechte vorübergehend reduziert wird.

Den Start des ersten Emissionshandel-Systems in China werten Umweltschützer als positiv: "Das ist der erste Schritt zu einem nationalen Emissionshandel-System", sagte die Greenpeace-Expertin für Klimaschutz und Energie in Ostasien, Li Yan. Analysten geben allerdings zu Bedenken, dass der Emissionshandel nur 38 Prozent des Ausstoßes klimaschädlicher Gase umfasst, und daher nicht zu einem Sinken der Emissionen führen dürfte.

China hat sich keine Ziele zur Minderung der klimaschädlichen Emissionen gesetzt. Das Land rechnet vielmehr damit, dass der Klimagas-Ausstoß bis mindestens 2030 weiter zunehmen wird. Allerdings hat die Regierung in Peking vorgegeben, dass die Produktion klimatechnisch effizienter wird: Der CO2-Ausstoß je Produkteinheit soll bis 2020 um 40 Prozent sinken.

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Leserkommentare
  1. "China stößt so viele klimaschädliche Emissionen aus wie kein anderes Land dieser Welt. "

    Es ist ja auch das größte der Welt - eine pro Kopf oder pro Fläche angabe wäre zur Beurteilung weit einfacher, liebe Redaktion...

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  2. "China stößt so viele klimaschädliche Emissionen aus wie kein anderes Land dieser Welt."

    Das ist faktisch sicherlich richtig, ändert aber nichts an der Schuld der westlichen Industriestaaten. Die sind für den Großteil des CO2 verantwortlich, welches vom Menschen in die Atmosphäre eingebracht wurde.

    Die perfide Strategie der Klimawandelleugner besteht ja darin, mit dem Finger auf China zu zeigen, um selbst nichts machen zu müssen. Das ist - wie so oft bei den Leugnern - eine Manipulation und eine Verdrehung der Tatsachen.

    2 Leserempfehlungen
  3. Eine gute Entwicklung. Der Emissionshandel ist das vielleicht am stärksten verkannte und gleichzeitig - richtig aufgezogen - wirksamste und effizienteste Instrument, um die CO2-Emissionen zu senken oder zumindest zu deckeln. Kein anderes Instrument bietet die Möglichkeit, die Gesamtemissionen zu deckeln (Cap) und die Verteilung dann nachfragegerecht den Nutzern selbst zu überlassen. Das Hauptproblem besteht in der Regel in den zu mutlosen Cap-Vorgaben durch die Politik, was fälschlicherweise dem Emissionshandelssystem als solchem angelastet wird.

  4. die Entwicklung. Der folgende Satz:

    "China hat sich keine Ziele zur Minderung der klimaschädlichen Emissionen gesetzt."

    kaum nieder geschrieben, ist er schon nicht mehr aktuell.

    Felix Lee (der hier bei Zeit Online auch den China-Blog füllt) schreibt heute in der taz:

    "Am Freitag hat die Regierung in Peking einen Zehn-Punkte-Plan beschlossen. Er sieht unter anderem vor, den Schadstoffausstoß der Schwerindustrie bereits bis 2017 um mindestens 30 Prozent zu senken. Darunter fällt auch das Klimagas CO2."

    https://www.taz.de/Notbremse-fuer-die-Umwelt/!118290/

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, kmi
  • Schlagworte China | Klima | Emissionshandel | Gas | Klimaschutz | Nachrichtenagentur
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