Fußgänger vor einer Filiale der Anglo Irish Bank in Dublin (Archiv) © Cathal McNaughton/REUTERS

Es ist dieses Lachen, das die Menschen in Irland verzweifeln lässt. Das Lachen eines Bankers, das momentan überall zu hören ist: In den Fernsehnachrichten, im Radio, sogar im Pub, wo die Menschen es nachäffen. Es ist das Lachen von John Bowe, einem ehemaligen Topmanager der Anglo Irish Bank, einem Geldhaus, das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit mehr als 30 Milliarden Euro vom irischen Staat vor dem Kollaps gerettet werden musste. Zu hören ist es auf einem Tonband, auf dem Bowe mit einem Kollegen telefoniert, wenige Stunden nach der Rettung. Bowe sagt, dass seine Bank die Milliarden bald zurückzahlen werde. "Wenn wir das Geld haben".

Dann lacht er. "Also nie."

Es ist nur eines von vielen Telefonaten, das der Irish Independent in den vergangenen Tagen veröffentlicht hat. (Hier kann man die Gespräche nachhören.) Die Bank selbst hatte die Mitschnitte angefertigt, nun gelangen sie häppchenweise an die Öffentlichkeit und werfen gleich mehrere Fragen auf. Wusste die Bank wie schlecht es um sie steht, als sie vor fünf Jahren die Milliardenhilfe bekam? Haben die Banker ihre Lage schön gelogen, die Öffentlichkeit also bewusst getäuscht?

Der Zeitpunkt, um den es geht, ist der Spätsommer 2008. Als die Finanzkrise weltweit die Banken ins Trudeln bringt, steht auch die Anglo Irish Bank am Abgrund. Die irische Regierung will einen Crash vermeiden und spricht eine Garantie für die Bank aus. Der Staat werde für alle Verluste aufkommen. Das Versprechen wurde teuer. Zunächst bekam die Anglo Irish Bank sieben Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt. Doch schon wenige Monate später wurde es mehr.

Was wussten die Banker?

Rund 30 Milliarden Euro mussten die irischen Steuerzahler schließlich in die Bank pumpen, bevor sie Anfang 2009 verstaatlicht und schließlich abgewickelt wurde. Ähnlich ging es zwei weiteren Banken. Insgesamt mussten die irischen Steuerzahler rund 60 Milliarden Euro in die Rettung ihrer maroden Banken stecken. Eine Summe, die das Land selbst an den Rand des finanziellen Abgrunds brachte und eine der schwersten Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte verursachte.

Die Telefonmitschnitte legen nun den Schluss nahe, dass den Bankern scheinbar schon zu Beginn der Krise klar war, dass die Rettung der Anglo Irish Bank zum Milliardengrab werden könnte. In einem Telefonat erzählt Topmanager Bowe gut gelaunt, die Sieben-Milliarden-Euro-Geldspritze würde den Kapitalbedarf der Bank niemals decken. Diese Summe habe er sich vielmehr "aus dem Arsch gezogen".

Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank, David Drumm, gerät unter Druck. Kurz nachdem die Bankengarantie ausgesprochen war, wies er einen Manager an, sich um Sparer-Einlagen aus Deutschland und Großbritannien zu kümmern – wohl wissend, dass er damit gegen die Regeln der Regierung verstößt. Drumm sagte damals zu Bowe: "We have to get the money in, get the fucking money in, get it in." ("Wir müssen das Geld bekommen, bring das verdammte Geld rein, bring es rein.") Bowe solle jedoch vorsichtig sein und sich nicht erwischen lassen.