Anglo Irish BankMitschnitte von Banker-Gesprächen erzürnen Irland

Hat die Anglo Irish Bank verschwiegen, wie schlecht es ihr geht, bevor sie mit Milliarden gerettet wurde? Telefonmitschnitte legen das nahe. Von Patrick Kremers, Dublin von Patrick Kremers

Fußgänger vor einer Filiale der Anglo Irish Bank in Dublin (Archiv)

Fußgänger vor einer Filiale der Anglo Irish Bank in Dublin (Archiv)  |  © Cathal McNaughton/REUTERS

Es ist dieses Lachen, das die Menschen in Irland verzweifeln lässt. Das Lachen eines Bankers, das momentan überall zu hören ist: In den Fernsehnachrichten, im Radio, sogar im Pub, wo die Menschen es nachäffen. Es ist das Lachen von John Bowe, einem ehemaligen Topmanager der Anglo Irish Bank, einem Geldhaus, das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit mehr als 30 Milliarden Euro vom irischen Staat vor dem Kollaps gerettet werden musste. Zu hören ist es auf einem Tonband, auf dem Bowe mit einem Kollegen telefoniert, wenige Stunden nach der Rettung. Bowe sagt, dass seine Bank die Milliarden bald zurückzahlen werde. "Wenn wir das Geld haben".

Dann lacht er. "Also nie."

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Es ist nur eines von vielen Telefonaten, das der Irish Independent in den vergangenen Tagen veröffentlicht hat. (Hier kann man die Gespräche nachhören.) Die Bank selbst hatte die Mitschnitte angefertigt, nun gelangen sie häppchenweise an die Öffentlichkeit und werfen gleich mehrere Fragen auf. Wusste die Bank wie schlecht es um sie steht, als sie vor fünf Jahren die Milliardenhilfe bekam? Haben die Banker ihre Lage schön gelogen, die Öffentlichkeit also bewusst getäuscht?

Der Zeitpunkt, um den es geht, ist der Spätsommer 2008. Als die Finanzkrise weltweit die Banken ins Trudeln bringt, steht auch die Anglo Irish Bank am Abgrund. Die irische Regierung will einen Crash vermeiden und spricht eine Garantie für die Bank aus. Der Staat werde für alle Verluste aufkommen. Das Versprechen wurde teuer. Zunächst bekam die Anglo Irish Bank sieben Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt. Doch schon wenige Monate später wurde es mehr.

Was wussten die Banker?

Rund 30 Milliarden Euro mussten die irischen Steuerzahler schließlich in die Bank pumpen, bevor sie Anfang 2009 verstaatlicht und schließlich abgewickelt wurde. Ähnlich ging es zwei weiteren Banken. Insgesamt mussten die irischen Steuerzahler rund 60 Milliarden Euro in die Rettung ihrer maroden Banken stecken. Eine Summe, die das Land selbst an den Rand des finanziellen Abgrunds brachte und eine der schwersten Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte verursachte.

Die Telefonmitschnitte legen nun den Schluss nahe, dass den Bankern scheinbar schon zu Beginn der Krise klar war, dass die Rettung der Anglo Irish Bank zum Milliardengrab werden könnte. In einem Telefonat erzählt Topmanager Bowe gut gelaunt, die Sieben-Milliarden-Euro-Geldspritze würde den Kapitalbedarf der Bank niemals decken. Diese Summe habe er sich vielmehr "aus dem Arsch gezogen".

Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank, David Drumm, gerät unter Druck. Kurz nachdem die Bankengarantie ausgesprochen war, wies er einen Manager an, sich um Sparer-Einlagen aus Deutschland und Großbritannien zu kümmern – wohl wissend, dass er damit gegen die Regeln der Regierung verstößt. Drumm sagte damals zu Bowe: "We have to get the money in, get the fucking money in, get it in." ("Wir müssen das Geld bekommen, bring das verdammte Geld rein, bring es rein.") Bowe solle jedoch vorsichtig sein und sich nicht erwischen lassen.

Leserkommentare
  1. Wie habe ich mir das vorzustellen - erst ERzürnt, und jetzt ENT... - na dann ist ja alles wieder gut!

    Eine Leserempfehlung
    • jzjzjz
    • 27. Juni 2013 12:09 Uhr
    2. […]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/jp

  2. Ich hab mir das Gespräch angehört. Das war Galgenhumor. Menschen reagieren nun mal zynisch, wenn sie Extremsituationen ausgesetzt sind. Ich habe da eher zwei hilflose Manager gehört, die versucht haben ihr Unverständnis und ihre Angst durch dumme Sprüche zu kaschieren.

    Dass das Gespräch inhaltlich unverschämt und dumm ist, das steht außer Frage. Ebenso steht außer Frage, dass Deutschland einen Riesenunfug betreibt, wenn es sein Geld für Rettung von Banken europaweit ausgibt.

    11 Leserempfehlungen
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    Wenn Sie glauben, dass Topmanager sich aus Angst zu unprofessionellen Handlungsweisen hinziehen lassen... nun gut, dann haben Sie ebenfalls kein gutes Bild von "Elitemanagern".

    Ich glaube schon, dass wir hier die ungeschminkten Ansichten von zwei Topmamagern zu hören bekommen haben.

    Weil sie sich unbeobachtet fühlten und weil sie sich für unantastbar hielten, fern jeder Richtbarkeit und Regeln.

    Wie soll jetzt mit diesen beiden Menschen umgegangen werden?
    Reicht eine Entschuldigung und alles ist vergessen?
    Kann man die beiden rechtlich belangen, wegen Lügen?

    Fest steht, dass diese beiden dafür verantwortlich sind, hunderttausende Menschen in Irland in oder nahe an den Ruin gebracht zu haben.

    PS:
    Ich glaube keine Sekunde lang, dass das ein auf diese Bank beschränktes Einzelvorkommnis ist!

    "Ebenso steht außer Frage, dass Deutschland einen Riesenunfug betreibt, wenn es sein Geld für Rettung von Banken europaweit ausgibt."

    Es steht im Artikel drin: Der irische Staat stand für die Anglo-Bank ein. Das einzige, dass von der Eurozone geleistet wurde, sind Kredite, damit die Bank sofort wieder solvent gemacht werden konnte, während die Iren diese Mittel eben über längere Zeit wieder zurückzahlen.

    Und die Anglo hat mit dem Geld Gläubigerbanken aus Frankreich und Deutschland ausbezahlt, u.a. Deutsche Bank. Sonst wären die nämlich umgefallen. Wenn man Iren fragt, wie sie es finden, dass sie von Europa "gerettet" wurden, kann es passieren, dass man ungläubig angestarrt wird, mit der Gegenbemerkung: Wir haben *eure* Banken gerettet.

    Ich habe mir das Gespräch auch angehört und das war kein Galgenhumor.
    Die haben sich wie billige Hinterhofmafiosi erst zu einem Betrug und dann zu einer Erpressung aller erster Klasse verabredet und dabei alle verhöhnt, die ihr Opfer wurden oder werden sollten. Wenn das Humor ist, dann fehlt er mir wohl.

  3. Komplettüberwachung des Kommunikationsverhaltens aller Banker. Die technischen Mittel sind ja da.

    Bei Fehlverhalten: Komplette Offenlegung aller persönlicher Daten.

    Auf jedem Kontoauszug Warnhinweise mit Bild und Zitat des jeweiligen Bankers zur Warnung der Kunden. Auf Zigarettenschachteln geht es ja schließlich auch.

    8 Leserempfehlungen
  4. Wenn Sie glauben, dass Topmanager sich aus Angst zu unprofessionellen Handlungsweisen hinziehen lassen... nun gut, dann haben Sie ebenfalls kein gutes Bild von "Elitemanagern".

    Ich glaube schon, dass wir hier die ungeschminkten Ansichten von zwei Topmamagern zu hören bekommen haben.

    Weil sie sich unbeobachtet fühlten und weil sie sich für unantastbar hielten, fern jeder Richtbarkeit und Regeln.

    Wie soll jetzt mit diesen beiden Menschen umgegangen werden?
    Reicht eine Entschuldigung und alles ist vergessen?
    Kann man die beiden rechtlich belangen, wegen Lügen?

    Fest steht, dass diese beiden dafür verantwortlich sind, hunderttausende Menschen in Irland in oder nahe an den Ruin gebracht zu haben.

    PS:
    Ich glaube keine Sekunde lang, dass das ein auf diese Bank beschränktes Einzelvorkommnis ist!

    15 Leserempfehlungen
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    "Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ist der Bankensektor seit der Finanzkrise noch weiter außer Rand und Band geraten.

    Und es zeigt sich, dass die Politik weniger hilflos ist, sondern dem Treiben zuschaut und nichts unternimmt, um den Exzessen in der Finanzbranche, die nur an der Spitze der Wirtschaft steht, ein Ende bereitet. Die Gehälter, Boni und Abfindungen der Banker sind letztes Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen.

    Reuters hat die Personalausgaben der 35 weltweit größten Banken untersucht, darunter der Deutschen Bank, Goldman Sachs oder Wells Fargo.

    Die Personalausgaben der oft mit vielen Milliarden Steuergeldern unterstützen Banken sind im letzten Jahr gegenüber 2011 um 10 Milliarden Euro auf 375 Milliarden gestiegen.

    Zwei Drittel haben den Angestellten mehr bezahlt, auch wenn alle 35 Banken letztes Jahr 93.000 Angestellte entlassen haben und in 8 Banken die Gewinne zurückgingen sowie in 3 Verluste gemacht wurden.

    So hat die noch zu 15 Prozent verstaatlichte Bank of Ireland die Personalausgaben pro Kopf um fast vier Prozent angehoben, während sie 2,1 Milliarden Euro Verluste machte.

    Bei der Deutschen Bank stiegen die Personalkosten um 5,9 Prozent, was nach Auskunft der Bank aber unter anderem mit verschobenen Boni-Zahlungen aus dem Jahr 2009 zu tun habe. Andere führen hohe Abfindungskosten an, die nicht nur an Manager, sondern auch anderen Banker gezahlt werden, deren Job gestrichen wurde..."
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/153900

    "... verantwortlich sind, für hundertausende von Menchen, die sie nahe an den Ruin gebracht haben".

    Schade, daß es keine Mitschnitte gibt von den Gesprächen zwischen Schröder, Hartz, Steinmeier , Hundt, Kannegiesser, usw. , als die damals beschlossen, das Lohnnieveau in Deutschalnd ein für alle mal zu senken und die Lohnhöhe in die Hände der Arbeitgeber zu legen. Es wäre das Ende für die SPD.

    Oder zwischen Schröder und Putin (dem lupenreinen Demokrat), damals, als Schöder seine Zukunft sicherte.

    Irland ist kein Einzelfall. Die freie Marktwirtschaft machts möglich. Und daß es möglich ist, dafür sind Politiker verantwortlich.

    Die Rolle von Hern Asmussen z.B. beim Kauf von Schrottpapieren aus Amerika wird auch nicht aufgearbeitet.
    "Wer wird diese Papiere kaufen, diese Papiere ohne Wert?" fragte man einen amerikanischen Investmentbanker.
    "The stupid Germans aus Düsseldorf" war dessen Anwort.

    Politiker saßen bei vielen Banken in den Aufsichtsräten. Sie waren zu dumm oder haben mitgemacht, die Steuerzahler über den Tisch zu ziehen. Und heute dürfen sie auf europäischer Ebene die Fäden ziehen.

  5. ...ein ganzes Volk an den Rand des Ruins bringen können und selbst dann nicht halt machen. Die haben gewusst(!) was sie da machten und es war ihnen wurscht solange sie weiter machen können.
    Jeder Mensch der einen Kleinladen ausraubt kommt ins Gefängnis, einen Staat aber kann ungestraft ausrauben.
    Die damaligen Banker sind heute alle Golf spielen...

    Und immer noch sind Banken nicht reguliert!

    16 Leserempfehlungen
    • orbit7
    • 27. Juni 2013 12:41 Uhr

    ist Hauptstadt des County Kerry und liegt damit nicht im County Cork.

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    Redaktion

    Lieber orbit7,

    haben Sie Dank für den schnellen Fehlerhinweis. Wir haben mittlerweile korrigiert.

    Herzlicher Gruß

  6. Redaktion

    Lieber orbit7,

    haben Sie Dank für den schnellen Fehlerhinweis. Wir haben mittlerweile korrigiert.

    Herzlicher Gruß

    Antwort auf "Tralee..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bank | Irland | Euro | Finanzkrise | Independent | Rettungspaket
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