Kontogebühren : Banken wollen Dispozinsen online veröffentlichen

Die deutschen Banken geloben mehr Transparenz und wollen Überziehungszinsen künftig auf ihren Websites angeben. Dem Verbraucherministerium reicht das nicht.

Die drei großen Bankenverbände haben angekündigt, die aktuellen Überziehungszinsen für Girokonten künftig auf den Websites der einzelnen Banken zu veröffentlichen. Sie kommen damit einer Forderung von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner nach.  

Verbraucherschützer hatten die hohen Dispozinsen zuletzt verstärkt kritisiert. Auch DIE ZEIT und ZEIT ONLINE hatten über die undurchsichtige und überteuerte Geschäftspraxis bei Dispozinsen berichtet und eine Debatte darüber ausgelöst.

Aigner begrüßte die Entscheidung der Verbände. Sie verspreche sich davon sinkende Dispozinsen, die bei vielen Banken heute deutlich über zehn Prozent lägen. "Wenn es mehr Transparenz gibt, gibt es mehr Möglichkeiten zu vergleichen und mehr Wettbewerb bei den Banken. Dann sinken auch die Preise", sagte die Ministerin.

Ein ähnliches Vorgehen habe sich bereits bei den Geldautomatengebühren bewährt. Hier hatten sich die Banken dazu verpflichtet, den Kunden bei der Auszahlung am Automaten die fälligen Gebühren anzuzeigen. Die Spitzen-Gebühren für Kunden anderer Banken seien seither ebenso gesunken wie die Entgelte, die die Institute im Schnitt verlangen.     

Verbraucherministerium will Druck auf Banken aufrecht erhalten

Ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums sagte, der Ausweis der Dispozinsen im Internet sei jedoch nur ein erster Schritt: "Wir werden den Druck aufrechterhalten, damit den Worten auch Taten folgen." Wenn nicht alle Banken der Empfehlung ihrer Verbände folgten, behalte sich Aigner eine Regulierung der Dispozinsen vor. Eine Obergrenze werde es aber nicht geben.

Laut einer Studie im Auftrag des Ministeriums lagen die Dispozinsen zwischen August 2011 und Mai 2012 im Bundesschnitt bei mehr als zehn Prozent im Jahr. Ging das Konto über das vereinbarte Limit hinaus ins Minus, verlangten Banken sogar fast 15 Prozent. Und das, obwohl sich die Institute in dieser Zeit angesichts niedriger Leitzinsen günstig mit Geld eindecken konnten.

Der Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon verteidigte sich in einem Brief an Aigner. Schon heute würden mehr als drei Viertel der Sparkassen die Dispozinssätze im Internet ausweisen. Auch der Privatbanken-Verband erklärte, die meisten seiner Mitglieder erlaubten bereits einen Vergleich der Dispozinsen.

Die Bankenverbände betonten zudem, der Dispokredit sei nur für kurzfristige Kontoschwankungen gedacht. Wer längerfristig mehr Geld brauche als auf seinem Konto ist, solle besser auf einen Ratenkredit umschulden, der günstiger sei als der Dispo, riet der Genossenschaftsbanken-Verband BVR. Aigner forderte die Banken auf, aktiv auf Kunden zuzugehen, denen die Umschuldung anzuraten sei.


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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

KLEINER Schritt in ...

... die richtige Richtung für mehr Transparenz - MEHR NICHT!

Als ich vorgestern bei einer Sparkasse in der näche nach den Zinsen fragte, bekam ich als Antwort erst mal die Frage, ob ich ein Kunde dieser Sparkasse sei. Ich verneinte dies, habe aber vor die Bank zu wechseln und daher mich über die einzelnen Konditionen zu informieren.
WÖRTLICH sagte dieser "Berater" zu mir:
"Da kann ich Ihnen leider nicht weiter helfen, da wir unsere Zinssätze nur an Kunden heraus geben."
Völlig geplättet bin ich wieder gegangen - unfassbar!?

(Es war übrigens folgende Bank mit der BLZ 40154530.)