Fed-ChefBernanke, ganz locker

Der Fed-Chef hält launige Reden und erklärt sich für ersetzbar. Bereitet er seinen Abgang vor? von Nils Rüdel

Ben Bernanke FED

Ben Bernanke  |  © Reuters/Tim Shaffer

Wenn Ben Bernanke zum Mikrofon greift, hören Börsenhändler und Journalisten besonders genau hin. Schließlich könnte sich irgendwo zwischen den Zeilen, in einer Randbemerkung vielleicht, ein Hinweis verstecken. Ein winziger Tipp, ob die US-Notenbank Fed ihre Politik des billigen Geldes ändern könnte. Ein Wort ihres Vorsitzenden Bernanke, und die Finanzmärkte drehen durch.

Das gilt auch für Bernankes eigene Zukunft. Der 59-Jährige – auch das freilich nur eine unbestätigte Annahme – gilt als zunehmend amtsmüde. Im Januar 2014 läuft seine zweite Amtszeit aus, und viele in Notenbank, Politik und an der Börse glauben: Der Fed-Chef hat nach bald acht turbulenten Jahren genug.

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Bernanke selbst achtet peinlichst darauf, keine Hinweise über seine Pläne zu geben. Entsprechende Fragen blockt er stets ab. Am Sonntag aber, bei einer Rede vor Absolventen der Elite-Uni Princeton, wehrte er sich mit einem für die öffentliche Person Bernanke ungewohnten Mittel: Humor.

"Hi", grüßte dort ein gut aufgelegter Notenbankchef von einer Kanzel herab die Studenten – und konterte gleich zu Beginn das heißeste Gerücht um seine Zukunft: Dass er demnächst in seinen alten Job zurückkehren will, als Wirtschaftsprofessor in Princeton. Den hatte er 2002 nach 17 Jahren aufgegeben, um in den Gouverneursrat der Fed einzuziehen.

"Ich habe kürzlich einen Brief geschrieben und mich nach dem Status meiner Freistellung von der Universität erkundigt", sagte also Bernanke. "Der Brief, den ich zurückbekam, begann mit den Worten: ,Bedauerlicherweise erhält Princeton deutlich mehr qualifizierte Bewerbungen für Fakultäts-Stellen als wir unterbringen können."
"Ein Rezept zum Unglücklichsein"

Die Studenten verstanden den Spaß und lachten. Für alle, die nicht dabei waren, gibt es im offiziellen Redeprotokoll an dieser Stelle eine Fußnote. Sie lautet: "Hinweis an die Journalisten: Das ist ein Witz. Meine Freistellung lief 2005 aus".

Er hat die Finanzkrise gemeistert. Und nun?

Zufrieden mit seinem Gag lächelte Bernanke in seinen weißen Bart hinein und fuhr fort mit einer humorvollen und persönlichen Rede. US-Medien bezeichneten sie als eine seiner bisher Besten. Zehn Ratschläge gab er den Studenten mit auf den Weg, von Erfolg über Geld bis zur Partnerschaft. "Eine Karriere-Entscheidung, die nur auf Geld und nicht auf Liebe zur Arbeit beruht oder dem Wunsch etwas anders zu machen", sagte er an einer Stelle, "ist ein Rezept zum Unglücklichsein".

Bernanke wirkte am Sonntag wie einer, der sich auf einen ruhigeren Lebensabschnitt freut. Schließlich gilt das Amt des Fed-Chefs als eines der härtesten in der amerikanischen Politik – neben dem des Präsidenten und des Finanzministers vielleicht. Bernanke musste in seiner Amtszeit mit der schwersten Finanzkrise und der schlimmsten Rezession seit den 30er Jahren umgehen.

Leserkommentare
  1. > Die große Frage ist nur, wann er anfangen wird, das ganze Geld wieder einzusammeln.

    Nein, das ist nicht DIE grosse Frage, denn DIE grosse Frage ist, wann sich die amerikanische Wirtschaft erholt. Zum Beispiel die Beschaeftigungsquote in den USA: der Anteil von Leuten zwischen 25 und 54 stagniert bei 76%, das sind 4% unter dem Stand vor der Krise und nur etwa 1% ueber dem Tiefpunkt. (http://krugman.blogs.nyti... ) Millionen von Arbeitnehmern sind wohl auf Dauer aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden, d.h. sie zahlen keine Steuern und verbrauchen mehr Sozialleistungen.

    Nun koennte man meinen, dass die Krise die USA halt um ein paar Jahrzehnte zurueckgeworfen hat. Die Gefahr ist aber, dass die Krise in der USA auf Dauer weit mehr Schaden anrichtet als bisher an der Oberflaeche zu sehen ist.

    Wer, wann, wie schnell die ueberfluessige Geldmenge einsammelt, ist dagegen wohl nur fuer Leute mit Inflationsphobie wirklich interessant.

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    "der Anteil von Leuten zwischen 25 und 54"

    sollte heissen:

    "der Anteil von Leuten zwischen 25 und 54, die einen Job haben"

  2. "der Anteil von Leuten zwischen 25 und 54"

    sollte heissen:

    "der Anteil von Leuten zwischen 25 und 54, die einen Job haben"

    Antwort auf "DIE grosse Frage"

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