EADS-Chef Thomas Enders hat die deutsche Debatte um die Aufklärungsdrohne Euro Hawk kritisiert und ein Ende des Programms angekündigt. Er wolle künftig keine Konzerngelder mehr in die Entwicklung von Drohnen investieren, sagte der Vorstandsvorsitzende des europäischen Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens.

Es sei absurd, dass sich die Diskussion ausschließlich darum drehe, was Verteidigungsminister Thomas de Maizière wann gewusst habe, sagte Enders. Warum die Aufklärungsdrohne Euro Hawk in Deutschland keine Zulassung bekommen sollte, könne er nicht nachvollziehen. Bei den ersten Tests mit der Technik vor zehn Jahren in Nordholz hätten die deutschen Flugaufsichtsbehörden keinerlei Sorgen geäußert.

Nach Angaben von Enders dürfte die fehlende Ausweichautomatik der Drohne kein grundsätzliches Problem sein. "Sie muss nicht im kontrollierten Luftraum fliegen, sie fliegt durch ihn und dann über ihm", sagte er. Es brauche vielleicht 15 Minuten bis das unbemannte Fluggerät auf 45.000 Fuß (13,7 Kilometern) sei. Anschließend fliege sie auf einer Höhe von 60.000 bis 65.000 Fuß nach Afghanistan. "Sie belästigen niemand. Warum in aller Welt ist das in Deutschland nicht möglich?", sagte Enders.

Das Aus für den Euro Hawk bei der Bundeswehr könne auch das Ende des Drohnenprogramms bei EADS bedeuten. Nach Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe müsse es Regierungsaufträge geben, sonst gehe es nicht weiter. "Wir haben bereits zehn Jahre verloren", sagte Enders. "Je länger es dauert, desto dominanter werden die Amerikaner auf dem Markt werden" und umso schwieriger werde es, aufzuholen. Derzeit erwarte er eher eine französisch-britische Kooperation als eine deutsche oder europäische Initiative, sagte Enders. 

Verteidigungsminister de Maizière hatte das Euro-Hawk-Projekt Mitte Mai wegen Zulassungsproblemen bei der Flugaufsicht und drastisch steigenden Kosten gestoppt. Ihm wird vorgeworfen, erst nach der Investition von mehr als einer halben Milliarde Euro reagiert zu haben, obwohl sein Ministerium schon lange von den Problemen mit der Zulassung wusste.

EADS hatte für den Euro Hawk die Aufklärungstechnik entwickelt. Das Fluggerät selbst wurde vom US-Konzern Northrop Grumman produziert. Bei der US-Luftwaffe ist dieser seit Jahren als Global Hawk im Einsatz.