MigrationDie guten, bösen Einwanderer

Einwanderung ist teuer, erhöht die Kriminalität und gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wir haben fünf Thesen zur Einwanderung auf den Wahrheitsgehalt überprüft. von Christian Endt, und

Mythos 1: Einwanderer sind teuer. Weil immer mehr Menschen in die Sozialsysteme einwandern, müssen alle Bürger zahlen.

Die letzte verlässliche Erhebung zu der Frage, was Zuwanderung kostet, stammt aus dem Jahr 2009. Damals erhielten in Deutschland 32 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund steuerfinanzierte Transferleistungen – also zum Beispiel Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder Kindergeld. Unter den Einheimischen lag der Anteil bei 20 Prozent, also deutlich niedriger.

Ein Grund: Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Migrationshintergrund ist noch doppelt so hoch wie bei den in Deutschland geborenen. Der Staat muss also in vielen Fällen mehr Arbeitslosengeld zahlen. Allerdings haben weit weniger Menschen Anspruch auf Sozialtransfers, als oft behauptet wird. Ein EU-Bürger bekommt etwa nur dann Arbeitslosengeld, wenn er bereits drei Monate Vollzeit in Deutschland gearbeitet hat. Dennoch scheint zumindest die These zu stimmen, dass Einwanderung für den deutschen Staat ein Negativgeschäft ist.     

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Das aber ist zu kurz gedacht. Das zeigt sich, wenn man sich alle Zahlungen anschaut, die nicht über Steuern finanziert werden – die Rente etwa. Im Jahr 2009 erhielten 29 Prozent der Einheimischen Transfers, die über Beiträge finanziert werden. Unter den Migranten lag der Anteil nur bei 13 Prozent. Die Eingewanderten belasten die Rentenkasse also weniger als die Einheimischen, zahlen dafür aber Beiträge ein und stabilisieren damit das System. Der Grund ist simpel: Einwanderer sind oft jünger als die einheimische Bevölkerung. Viele verlassen das Land nach einer kurzen Zeit wieder, ohne im Alter Rente zu beziehen. Außerdem bringen die neuen Zuwanderer viel Wissen mit: 43 Prozent der Einwanderer hatten zuletzt einen Hochschul-, Meister- oder Technikerabschluss, verglichen mit 25 Prozent bei den schon hier Lebenden. Die Einwanderer heben also das Bildungsniveau.

Wie sieht die Bilanz unter dem Strich aus? Der Nürnberger Migrationsforscher Herbert Brücker hat beide Seiten der Rechnung vor wenigen Monaten gegeneinander gestellt. Er kommt zu dem Schluss, dass die Bilanz für den deutschen Staat positiv ist, ähnlich wie der Sozialforscher Holger Bonin bereits im Jahr 2000. Auch die Industrieländervereinigung OECD kam zuletzt zu dem Ergebnis, dass die neuen Zuwanderer dem deutschen Staat mehr nützen als sie ihn kosten. Die These von der teuren Einwanderung ist also ein Mythos.

Von Christian Endt

Leserkommentare
  1. wenn man alle in einen Topf schmeißt.
    Stammtischniveau für die Wiederlegung von Stammtischthesen.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Provokation. Danke, die Redaktion/sam

    den Autoren nur raten, sich einmal mit den Situationen in Offenbach / Dietzenbach (Ausländeranteil gut 50%; Dietzenbach - Spessartviertel 95%) auseinanderzusetzen.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Die Redaktion/mak

    Jene die glauben, das Einwanderer teuer sind, sich nicht integrieren wollen, dass Moslems bald die Mehrheit sind und kriminell, werden ohnehin immer einen Grund finden, warum sie solchen Artikeln nicht glauben müssen, da sie ihr Weltbild schlicht nicht überdenken wollen.

    Bitte bemühen Sie sich um Argumente. Unterstellungen oder nicht begründete Spekulationen tragen nicht zu einer konstruktiven Debatte bei. Danke, die Redaktion/fk.

    "Die Integration von Zuwanderern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen der zweiten und dritten Generation, ist politische Schlüsselaufgabe.
    Integration ist ein Prozess in der Verantwortung der Migranten, der Politik und der gesamten Gesellschaft
    Deutschland ist Integrationsland. „Integration bedeutet die Einbindung in das gesellschaftliche Gefüge sowie die Akzeptanz kultureller Vielfalt auf der Grundlage allgemein geteilter und gelebter Grundwerte.“
    Grundsatzprogramm der CDU
    Dem stimme ich im vollem Umfang zu. Daher kann ich die bereits gelesenen Kritiken und Lesermeinungen nicht verstehen. Diese Diskussion stellt sich nicht.
    Die Politik muss aufgefordert nachhaltige Integration zu betreiben. Wir sollten ausländische Menschen den Zugang nach Deutschland vereinfachen, die ein entsprechendes Ausbildungsniveau mitbringen, denn diese Menschen leisten etwas für unsere Gesellschaft. Sie bringen Wissen und Know-How mit und halten nicht nur die Hand auf.
    Wer sich diesen Dingen verschließt gerät ins Abseits.

    • ribera
    • 20. Juni 2013 20:48 Uhr

    Bitte bemühen Sie sich um Argumente. Unterstellungen oder überzogene Polemik tragen nicht zu einer konstruktiven Debatte bei. Danke, die Redaktion/fk.

    • mieeg
    • 20. Juni 2013 17:23 Uhr

    ...die Eingereisten Damen und Herren arbeiten selten aber zahlen Rentenversicherungsbeiträge...
    Blödsinn ! Und das hier weiterverbreitete Märchen, daß Alg II nur dann gezahlt wird, weil vorher mindestens 3 Monate gearbeitet wurde, vergißt die tausendfache Trickserei mit der "Selbstständigkeit, die nach drei Monaten beendet werden mußte (wegen der Krise und so). Könnte die Redaktion sich doch mal erkundigen bei den Jobcentern in Duisburg, Mannheim, Berlin usw...

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    zitat
    "vergißt die tausendfache Trickserei mit der "Selbstständigkeit, die nach drei Monaten beendet werden mußte (wegen der Krise und so)."

    Und das sogar mit staatlicher Hilfe. Unvergessen, als Abgeordnete der "Linkspartei" den rumänischen Windschutzscheibenputzern in Berlin Gewerbescheine organisierten.

  2. Herbert Brücker schreibt in http://www.bertelsmann-st...
    klar und deutlich, daß "Auch wenn hier keine Berechnungen über die potenziellen Nettozahlungen der Neuzuwanderer über den Lebenszyklus vorgenommen werden können, so dürfte der Nettobeitrag der Neuzuwanderer deutlich höher als der
    durchschnittliche Beitrag der Personen mit Migrationshintergrund bzw. der ausländischen Bevölkerung ausfallen."

    Mit anderen Worte, Brückner (und in gutem Glauben dann der ZEIT-Redakteur) präsentiert Verhältnisse und spekuliert, daß das, was unter dem Strich tatsächlich übrig bleibt, positiv sein dürfte.

    Wenn dem so wäre, ließe sich das - insbesondere für eine Bertelsmannstiftung - mit harten Zahlen etwa des Statistischen Bundesamtes leicht untermauern.

    11 Leserempfehlungen
    • mieeg
    • 20. Juni 2013 17:32 Uhr

    "... 43 Prozent der Einwanderer hatten zuletzt einen Hochschul-, Meister- oder Technikerabschluss
    Im Himmel ist Jahrmarkt - wo steht die Leiter?
    Unter den erst neulich ca 1.450.000 eingereisten Menschen aus Bulgarien, Rumänien und dem sonstign Balkan waren mit der obengenannten Qualifikation ca 2.000, der Rest von 1.448.000 bestand aus Hausfrauen, Kindern und Jugendlichen, Ex-Soldaten, Ex-Landwirtschaftlichen-Helfern, Ex-Sonstwas - nichts zu sehen von irgendwelchen Fachkräften die irgendwo arbeiten könnten um irgenwelche Beiträge in irgendwelche Sozialsyseme einzuzahlen... Aber vielleicht ist ja heute der 1. April...

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    Im Jahr 2012 gab es aus Rumänien 117.000 Zuzüge, aus Bulgarien kamen 59.000 Menschen: (Fortzüge nicht gegengerechnet)
    https://www.destatis.de/D...

    >>Unter den erst neulich ca 1.450.000 eingereisten Menschen aus Bulgarien, Rumänien und dem sonstign Balkan waren...<< Zitatende

    Diese Zahl geistert schon seit längerem durch die Kommentarspalten. Sie ist falsch und wird richtig, wenn man sie durch zehn teilt. Es sind also 145 000 Eiwanderer aus Südosteuropa. Dazu zählen auch Studenten, Facharbeiter und Saisonarbeiter, die längst wieder abgereist sind. Das alles lässt sich ohne Mühe googeln.

    • wauzi
    • 20. Juni 2013 21:25 Uhr

    es ist verständlich, dass es armutsflüchtlinge bei uns gibt. und auch gewollt, weil das lohnniveau gedrückt wird.
    dass es nicht jedem, der hier groß geworden ist, gefällt, ist auch klar.
    die statistiken, die hier zitiert werden, sind für mich ( frau arbeitet als sozpäd mit migranten) ein witz.
    zu uns kommt keine elite, sondern, wie es bei fast allen auswanderern der fall ist, leute, die im eigenen land -warum auch immer- keine chance haben.

    • derrr
    • 20. Juni 2013 23:30 Uhr

    Ja, die falsche Zahl ueber Einwander aus Bulgarien und Rumaenien kommt von der Zeit selbst. Im Artikel http://www.zeit.de/2013/2... wurde die falsche Zahl veroeffentlicht, sie ist inzwischen aber korrigiert worden.

    • bt1827
    • 21. Juni 2013 18:20 Uhr

    "Unter den erst neulich ca 1.450.000 eingereisten Menschen aus Bulgarien, Rumänien und dem sonstign Balkan waren mit der obengenannten Qualifikation ca 2.000, der Rest von 1.448.000 bestand aus Hausfrauen, Kindern und Jugendlichen, Ex-Soldaten, Ex-Landwirtschaftlichen-Helfern, Ex-Sonstwas"

    Es sind "erst neulich" knapp 1,5 Mio Menschen eingewandert? Das ist bestimmt ein großangelegter Raubzug durch die Republik, wobei die 2000 qualifizierten unter ihnen zum Kopf der Bande gehören. Immerhin haben die es geschafft ihre Hausfrauen wieder in die Arbeitswelt einzugliedern.

  3. Durch Erzählungen von einem Mitarbeiter einer Arbeitsagentur in Dietzenbach/Hessen, der selbst politisch sehr links eingestellt ist wurde mir zugetragen, dass es in der Tat viele Migranten sind, die sehr zielgerichtet das Sozialsystem nutzen.

    Dazu muss man sagen, dass ich auch Deutsche kenne, die offen das System ausnutzen.

    Was mir persönlich ganz stark aufgefallen ist: Gerade Studienabsolventen überbrücken die Zeit zwischen Absolviertem Studium und finden einer Arbeitsstelle mit Harz4.

    Die würden im Traum nicht darauf kommen während dieser Zeit bei Rewe und Co. zu arbeiten. Dafür sind sie doch vollkommen überqualifiziert. Das sieht ja schließlich auch die Agentur für Arbeit so. Dann doch lieber Harz 4 und ein paar schöne Aufträge nebenbei schwarz, bis die Festanstellung gefunden wurde.

    5 Leserempfehlungen
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    "Die würden im Traum nicht darauf kommen während dieser Zeit bei Rewe und Co. zu arbeiten."
    Abgesehen davon, daß die Packdienste bei o.g. Grossisten schon ausgegliedert worden sind (Subunternehmer), würde kaum ein Einzelhändler einen BWLer, Juristen, etc. zum Regale einräumen einsetzen. Wenn ein Untergeordneter dir verbal und intellektuell überlegen ist, scheust du jeden Konflikt, weil du weisst, daß du dabei nur verlieren kannst !
    Es werden dann nur noch Gründe angegeben, wie :
    "Der kann nicht arbeiten" ,"Die hats nicht drauf", usw.
    Das Leben ist nicht ganz so einfach, wie du das glaubst !

  4. ich weiss nicht ganz genau, wie die Berufsgenossenschaft in Berlin arbeitet, aber da das Minarett sicher etwas höher als 1,5m ist, dürfte irgendwie eine Absturzsicherung vorgeschrieben sein.

    Das gilt sicher auch bei Gotteshäusern, welcher Konfession auch immer.

    Eine Leserempfehlung
    • Sven77
    • 20. Juni 2013 17:38 Uhr

    "Ob Ladendiebstahl, Mord, illegale Einreise oder Terroranschlag – in der Statistik stehen sie alle gleichrangig nebeneinander."

    In den Statistiken wird sehr wohl zwischen den einzelnen Vergehen aufgeschlüsselt. Daher ist ohne Probleme möglich, den Anteil der deutschen mit den nicht-deutschen Tatverdächtigen bei den verschiedenen Delikten zu vergleichen. Diesen vergeleichsweise kleinen Aufwand kann ich jedem nur empfehlen....

    37 Leserempfehlungen
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    Bitte belegen Sie Tatsachenbehauptungen mit belastbaren Quellen. Danke, die Redaktion/fk.

  5. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Provokation. Danke, die Redaktion/sam

    8 Leserempfehlungen
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    Es ist nur keinem geholfen, wenn sich die Inhalte mit der Lebensrealität decken.

    Mythos Nr. 3 basiert z.B. überwiegend auf Schätzungen und kann nicht garantieren, dass die Prognose tatsächlich so eintreffen muss. Zumal es ausreichen kann, dass man einen bestimmten Faktor nicht berücksichtigt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ausländer | Arbeitslosengeld | Fachkräftemangel | Rente
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