Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet an einem Befreiungsschlag zur Überwindung der Krise. Dabei geht es nach Informationen der ZEIT im Kern um eine Sanierung europäischer Banken, deren Bilanzprobleme die Vergabe von Krediten hemmen.

Mit der Umsetzung des Vorhabens wurde Ignazio Angeloni beauftragt, Leiter der Abteilung Finanzstabilität in der Notenbank. Der zeitliche Ablauf steht bereits fest. Ab Herbst werden die Währungshüter zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden die Bilanzen wichtiger Finanzinstitute in der Euro-Zone durchleuchten. Es geht insgesamt um rund 140 Banken, die gemeinsam etwa 80 Prozent des Marktes abdecken.

In der EZB werden bereits Teams gebildet, die die Bücher bei Bedarf direkt in den Banken prüfen können. Damit am Ende belastbare Zahlen herauskommen, sollen nach dem Willen der Notenbank zudem unabhängige Berater – Wirtschaftsprüer oder Investmentgesellschaften – an Bord sein.

Steuerzahler sollen Risiko nicht allein tragen

Mit Ergebnissen wird bis Anfang kommenden Jahres gerechnet. Wenn diese vorliegen, soll mithilfe eines Stresstests untersucht werden, wie gut die Banken einen erneuten Einbruch der Konjunktur verkraften. Finanzhäuser, die mögliche Kapitallücken nicht selbst füllen können, sollen von den Mitgliedsstaaten rekapitalisiert werden. Sind diese nicht in der Lage, die Sanierung alleine zu stemmen, können sie auf Kredite des Rettungsschirms ESM zurückgreifen.

Das Risiko sollen nicht mehr allein die Steuerzahler tragen: Auch Aktionäre, Gläubiger und Kunden der betroffenen Banken sollen erstmals zur Deckung der Verluste herangezogen werden.

Ob der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann, ist nicht klar. Insbesondere Frankreich und Italien wehren sich dem Vernehmen nach dagegen, ihre Banken von externen Prüfern untersuchen zu lassen. Auch könnte die EZB sich dazu gezwungen sehen, bei der Prüfung der Bilanzen nicht so genau hinzusehen, weil es noch keine europäische Abwicklungsbehörde für Banken gibt.