ErnährungUnser täglicher Mangel

Ein neuer Report zeigt: Milliarden Menschen auf der Welt fehlt es an wichtigen Nährstoffen – auch im reichen Teil der Welt. von 

Es geht nicht mehr nur um Hunger. Die Welternährungsorganisation FAO hält es in ihrem neuen Report zur Lage der Landwirtschaft  fest: Auch wer ausreichend Kalorien zu sich nimmt oder übergewichtig ist, kann mangelernährt sein, weil ihm bestimmte Nährstoffe fehlen. Weltweit trifft das auf viele Menschen zu – und die daraus resultierenden Kosten sind gewaltig.  

Gegenwärtig hungern rund 870 Millionen Menschen, schätzt die FAO. Das sind mehr als zwölf Prozent der Weltbevölkerung: ein enormer Anteil. Unter den Kindern sind es sogar 26 Prozent, die aufgrund von Hunger an Entwicklungsstörungen leiden, auch Stunting genannt. Zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt und rund 1,4 Milliarden übergewichtig. Allerdings lassen sich die Zahlen nicht einfach addieren – wäre dem so, wäre mehr als die Hälfte der Menschen weltweit nicht ausreichend oder falsch ernährt. Es sei denkbar, dass die gleiche Person unter mehreren Arten der Fehlernährung zugleich leide, erklärt die FAO.

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Die schlimmsten Folgen hat Mangelernährung bei Kindern und Müttern. Das körperliche Wachstum der Kinder ist gebremst, unter Umständen können sie wichtige Organe nicht ausreichend entwickeln und bleiben auch in ihren geistigen Fähigkeiten zurück. Oft beginnt die gestörte Entwicklung schon im Mutterleib, weil auch die Mutter nicht ausreichend zu essen bekommt. Als Erwachsene sind die Kinder weniger leistungsfähig, ihre Lebenserwartung kann verkürzt sein, und möglicherweise können sie schlechter für ihre eigenen Kinder sorgen. So kann Stunting von einer Generation an die andere weitergegeben werden.  

Die Kosten von Übergewicht steigen

Übergewicht hingegen macht auf andere Art krank. Es ist der größte Risikofaktor für nicht übertragbare Krankheiten, etwa Herz- oder Kreislaufleiden. Die FAO schätzt die Kosten von Hunger, Fehl- und Mangelernährung auf maximal 3,5 Billionen Dollar jährlich – rund fünf Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung oder 500 Dollar pro Person. Zwar sind die Kosten von Unterernährung weltweit immer noch weit höher als jene, die aus Übergewicht resultieren. Aber letztere nehmen zu, auch in armen Ländern.

Die Ursachen des Problems sind komplex: Wer sich mangelhaft ernährt, kann schlicht zu wenig Mittel zur Verfügung haben, um sich ausreichend Lebensmittel zu kaufen. Falsche Essgewohnheiten, kulturelle Faktoren oder mangelndes Wissen können aber ebenso eine Rolle spielen. Und – paradoxerweise – der wirtschaftliche Fortschritt. Er führe zu steigender Arbeitsproduktivität, schreibt die FAO, und damit dazu, dass ein immer geringerer Anteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeite und auf dem Land lebe, während die Städte wüchsen. "Die Menschen führen ein sesshafteres Leben und fragen Nahrungsmittel nach, die sie auf bequemere Art zubereiten können", heißt es in dem Bericht.     

Leserkommentare
    • ach_ne
    • 04. Juni 2013 14:46 Uhr

    auf die Produktion von Fleisch zu verzichten. Anstatt Getreide, Mais und Sojaschrot zu verfüttern könnte man die für Futtermittel genutzen Flächen auch anders nutzen und müsste zudem nicht ein x-faches an Kalorien in ein Tier stecken um dann einen Bruchteil dessen in Form von Fleisch zurückzubekommen. Oder man nimmt das Sojaschrot und verfüttert es nicht an Tiere sondern stellt direkt texturiertes Soja her. Warum der ineffiziente Umweg über ein Tier, das die zugeführte Energie eben nicht nur im Fleisch speichert sondern auch als Wärme, Gülle usw. abgiebt.
    Ist der Geschmack von Fleisch wirklich den Hungertod unserer Mitmenschen wert?

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    Gülle ist wertvoller Dünger mit viel besserer Umweltbilanz als energieaufwändig produzierter Kunstdünger. Wenn man Vieh mit Sachen füttern, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind (z.b. Gras, Maisstengel, Bohnenranken, Eicheln, usw.), wie traditionelle Kleinbauern es tun, macht Viehzucht Ressourcen für die menschliche Verwendung zugänglich, die ansonsten ungenutzt bleiben müssten. Deshalb war Landwirtschaft über Jahrhunderte immer ein Gleichgewicht aus Ackerbau UND Viehzucht. Die moderne Agrarökonomie und unsere Konsumgewohnheiten haben das Gleichgewicht zerstört und führen zu den Ineffizienzen, die man heute zurecht beklagt. Aber ein kompletter Verzicht auf Viehzucht wäre auch ein Ungleichgewicht und würde neue Probleme schaffen. Nicht jedes Land, das heute der Viehwirtschaft zuarbeitet, lässt sich auch für den Anbau von Nutzpflanzen verwenden.

    "Ist der Geschmack von Fleisch wirklich den Hungertod unserer Mitmenschen wert?"

    Da mag es durchaus einen Zusammenhang geben, aber der ist nicht so klar ersichtlich, als dass man Fleischessern direkt die Schuld am Hungertod anderer geben könnte.
    Genauso wie der Zusammenhang zwischen günstigen T-Shirts und Kinderarbeit oder moderner Sklaverei nicht direkt gegeben ist.
    Woher soll man als Verbraucher denn die ganzen Infos ziehen, um sowas auszuschließen?
    Ich kaufe sicherlich kein T-Shirt, wenn mir der Verkäufer erzählt, dass es irgendwo in Asien von 5-jährigen zusammengenäht wurde. Aber ich recherchiere auch nicht vor jedem Einkauf stundenlang um sowas auszuschließen.
    Beim Fleisch ist es das gleiche. Wenn man beim Metzger ein Steak kauft, wurde das Rind evtl. in Deutschland mit deutschem Futter gefütter. Evtl. ist es aber auch ein deutsches Rind, das mit Getreide aus Äthiopien gefüttert wurde. Das weiß vermutlich nicht mal der Metzger.
    Und selbst wenn es ein deutsches Rind ist, das mit deutschem Futter gefüttert wurde, ist die Gesamtbilanz in Deutschland evtl. negativ, so dass zwangsläufig Futter oder Getreide/... zur Nahrungsmittelproduktion importiert werden muss.
    Trotzdem ist es zu viel verlangt, von jedem, der sich beim Metzger mal ne Leberkäse Semmel kauft, zu erwarten, dass er sich Gedanken um hungerende Menschen mehere tausend Kilometer entfernt macht und dann die "sinnvollste" Entscheidung trifft.

    Und auf Fleisch völlig zu verzichten, darf gerne jeder für sich entscheiden, aber als Lieferant lebenswichtiger Nährstoffe ist Fleisch wichtig.

    Wie es jetzt läuft ist das sicherlich ein Holzweg, den Deutschland schleunigst wieder verlassen sollte. Weniger Intensivtierhaltung, weniger Fleisch essen.

    "Besonders effizient wäre es auf die Produktion von Fleisch zu verzichten."

    Das würde Länder wie Brasilien oder Argentinien von den Stufen der sich entwickelnden Staaten auf die Stufen zu entwickelnden Staaten zurückwerfen.

    Diese Länder haben durch den exzessiven Anbau von Futtermitteln, Rodung von Urwald, Verdrängung ihrer Subsistenzlandwirtschaft zugunsten großbäuerlicher Strukturen etwas Anteile am Welthandel erlangt. Wenn wir die Tierhaltung zu Ernährungszwecken abschaffen würden, würde deren Export wieder unter die Wahrnehmbarkeitsgrenze fallen.

    Die Logik des Kapitalismus gibt vor, dass diejenigen, die es sich leisten können, essen was geht, damit diejenigen, die sich zuvor auf ärmlichste Weise selbst ernährt haben, durch Export oder Verkauf ihrer Arbeitskraft soviel Einkommen erwirtschaften, damit sie überleben können, aber dass es ihnen nicht so gut geht, dass sie frech werden und bei der Preisabsprache mitreden wollen, denn das würde den Konsum einschränken.

    Eben Verhältnisse wie bei Kaffee, Tee, Kakao, Erdnüsse. Oder bei uns in Deutschland bei Milch und Schweinefleisch. Damit alle mitspielen, darf der gewaltige Nahrungsmittelausstoß nur dazu verwendet werden, dass die Nahrungsmittel immer billiger werden, aber keinesfalls, dass alle daran teilhaben können. Sonst wäre der Anreiz weg.

    Natürlich können wir die Kalorienfehlverteilung bejammern, sie aber schlicht notwendig, um das System am Laufen zu halten und Wachstum zu generieren.

    Es ist richtig, das 60% der Getreideernte in D verfüttert wird, es handelt sich dabei jedoch um Getreide, welches für die menschliche Ernährung gar nicht geeignet ist, da es sich z.B. um Wintergerste oder um Weizen von niedriger Backqualität handelt.

    Die Aussaat von Sommer-Gerste ist aber notwendig, damit der Boden sich von Schadorganismen des Weizen befreihen kann.

    Darüber hinaus werden in deutschen Ställen 50% Gras und 25% Maissilage verfüttert und nur 15% "Sonstiges" (also z.B. Futtergerste).

    Tiere können Gras besser verdauen als Menschen.

    • Atan
    • 04. Juni 2013 17:51 Uhr

    denn Landwirtschaft ist ein kulturabhängiges Zusammenspiel bestimmter Landnutzungsformen. In der Schweiz wurde durch den "Plan Wahlen" z.B. im 2. WK die Anbaufläche zur Steigerung der Selbstversorgung fast verdoppelt, dennoch stieg der Selbstversorungsgrad nur von 52% auf etwas über 70%, einfach weil die Schweiz keine ideale Topographie zum Anbau von Feldfrüchten hat. In armen Ländern herrscht v.a. auch Proteinmangel, d.h. Hühner oder Fische, die eben nicht um auch vom Menschen genutzte Ressourcen konkurrieren sind eine wichtige Ergänzung der angebauten Nahrung. Zudem ist die Landwirtschaft in armen Ländern oft viel zu wenig mechanisiert, um auf die Arbeit von Tieren verzichten zu können. Ebenso ist die Logistik schlecht, eine Kuh oder ein Schwein können zum Markt laufen, Getreidesäcke eher nicht. Desweiteren stellt der Dung der Tiere einen wichtigen Dünger da, da Kunstdünger meist zu teuer ist.

    Idealerweise wird also für arme Länder eine Vielzahl von Lösungwegen beschritten werden müssen, die vor allem die Wasserversorgung, die Bodenfruchtbarkeit und das "Know-how" der Landwirte verbessern, dazu aber auch die allgemeine Infrastruktur.

    Überhaupt nichts nützt die unverständliche Moralpredigt westlicher Lebensreformer, die ihre Weltsicht fremden Kulturen überstülpen möchten. Wo Vegetarismus keine kulturelle Basis hat, ist er allenfalls eine Modeerscheinung für das städtische Bürgertum, die ländlichen Armen wollen v.a. satt werden.

    Gemüse und Obst gibt es vor allem während der Erntezeit. Da rauschen dann die Preise in den Keller, da mangels Lagermöglichkeiten die Ware nur für ein paar Wochen zur Verfügung steht. Fleisch hat hingegen das ganze Jahr Saison.
    Der menschliche Organismus ist nicht auf die Verwertung von Zellstoff eingestellt. Der Nährwert eines Salats oder von Gras ist für Menschen - anders als bei der Kuh - praktisch Null. Nährgehalt für den Menschen bekommt Zellstoff beim Umweg über einen Wiederkäuer.
    Und der Mensch braucht auch Fett. Dies wird in ausreichender Menge von Tieren hergestellt. Pflanzliche Öle können manches, aber eben nicht alles ersetzen. Bei körperlich hart arbeitenden Menschen werden sie kaum Veganer finden.

  1. [Ist der Geschmack von Fleisch wirklich den Hungertod unserer Mitmenschen wert?]

    Dazwischen besteht kein Zusammenhang. Es ist zwar schön, milchmädchenmäßig Ressourcen hin- und herzuschieben. Die ökonomische Realität ist aber eine andere. Hören die (wohlhabenden) Fleischesser heute auf, Fleisch zu essen, werden die frei werdenden Ressourcen nicht zur Nahrungsmittelproduktion für die Armen verwendet. Sie werden noch immer für das eingesetzt, was die (wohlhabenden) Fleischesser nachfragen werden.

    Ansonsten kann man die Moralkeule natürlich immer schwingen. Ist Ihr Computer wirklich den Hungertod unserer Mitmenschen wert? Schließlich hätten sie mit dem dafür gezahlten Betrag jemanden durchfüttern können.

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    • ach_ne
    • 04. Juni 2013 15:47 Uhr

    "Hören die (wohlhabenden) Fleischesser heute auf, Fleisch zu essen, werden die frei werdenden Ressourcen nicht zur Nahrungsmittelproduktion für die Armen verwendet. Sie werden noch immer für das eingesetzt, was die (wohlhabenden) Fleischesser nachfragen werden."
    Das würde bedeuten, dass wir noch mehr essen müssten als jetzt. Denn wie ich erklärt habe (und Sie sicher aufgrund ihres Wissens aus dem Physikunterricht nachvollziehen können) werden bei der Fleischproduktion mehr Kalorien vernichtet als erzeugt. Wenn nun also die verlorenen Kalorien zusätzlich durch die bereits jetzt gesättigten konsumiert werden müssen, was passiert dann mit denen?... Fraglich ob sie das überhaupt schaffen. Irgendwann ist der Ranzen voll. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das bestehende Angebot aufgrund der geringeren Nachfrage durch die Wohlhabenden nicht in gleichem Umfang bestehen bleiben. Ich nehme aber an, dass am Ende mehr Menschen gesättigt werden, d.h. das Angebot nicht vollständig auf das Maß der verringerten Nachfrage der Wohlhabenden reduziert wird. Oder meinen Sie der Bauer fängt plötzlich an Computer zu produzieren mit seiner freigewordenen Arbeitskraft? Ich glaube, der verkauft lieber sein übriggebliebens Soja an die, die es bisher nicht kaufen konnten.

    Zur Moralkeule: Ich denke es besteht ein Unterschied darin ob man aktiv am Hungertod mitwirkt oder nur passiv nichts dagegen unternimmt. Wer hat mehr Schuld: der Schütze, oder derjenige, der keine kugelsichere Weste geschenkt hat?

  2. Gülle ist wertvoller Dünger mit viel besserer Umweltbilanz als energieaufwändig produzierter Kunstdünger. Wenn man Vieh mit Sachen füttern, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind (z.b. Gras, Maisstengel, Bohnenranken, Eicheln, usw.), wie traditionelle Kleinbauern es tun, macht Viehzucht Ressourcen für die menschliche Verwendung zugänglich, die ansonsten ungenutzt bleiben müssten. Deshalb war Landwirtschaft über Jahrhunderte immer ein Gleichgewicht aus Ackerbau UND Viehzucht. Die moderne Agrarökonomie und unsere Konsumgewohnheiten haben das Gleichgewicht zerstört und führen zu den Ineffizienzen, die man heute zurecht beklagt. Aber ein kompletter Verzicht auf Viehzucht wäre auch ein Ungleichgewicht und würde neue Probleme schaffen. Nicht jedes Land, das heute der Viehwirtschaft zuarbeitet, lässt sich auch für den Anbau von Nutzpflanzen verwenden.

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    • ach_ne
    • 04. Juni 2013 15:32 Uhr

    Mir wäre es Recht, wenn Vieh auf Weiden gehalten würde um als Milchlieferant zu dienen. Auch gegen die Haltung von Hühnern zur Eierproduktion hätte ich nichts, wenn hier lediglich nicht verwertbare Reste verfüttert würden (und ein paar andere Voraussetzunegn erfüllt wären).
    Ich bin - wie man sich denken kann - Vegetarier und versuche sogar, mich vegan zu ernähren, da ich die derzeitige Art und Weise der Erzeugung von Milch und Eiern nicht mittragen kann. Würden wir wieder zu den von Ihnen geschilderten Zuständen zurückkehren - was durchaus möglich ist, denn wir verzehren ohnenhin mehr tierische Produkte als gesund ist - dann würde ich auch wieder ohne schlechtem Gewissen zu Eiern und Milch greifen. Solange aber auch Milchvieh mit industriellen Futtermischungen ernährt, Kälber weggenommen und geschlachtet und männliche Küken geschreddert werden, um den Profit zu maximieren, werde ich mir die Finanzierung dieses Treibens verkneifen.
    Gülle gäb es so auch genug und nicht wie jetzt zu viel davon.

    • Marula
    • 04. Juni 2013 15:09 Uhr

    Den Ärmsten bleibt nur Selbstversorgung. Gerade in Afrika wurden aber die traditionellen Anbaupflanzen durch den Mais verdrängt, der bekanntlich Erosion fördert und außerdem Bewässerung benötigt. Zudem muss jedes Jahr Saatgut gekauft werden.
    Es gibt afrikanischen Reis, Fingerhirse, Foniohirse, Perlhirse, jedoch kaum Forschung darüber. Genau so ergeht es einheimischen Hühnern und Vieh, die weniger krankheitsanfällig sind, aber nicht so viel Ertrag bringen. So konzentriert man sich auf kommerzielle Landwirtschaft, deren Produkte käuflich erworben werden müssten. Den Hunger wird man damit nicht bekämpfen können.

    Auch in Europa werden ja die alten Obst- und Gemüse-Sorten wiederentdeckt, wie auch Wildobst (Mehlbeeren, Elsbeeren, Berberitze, Sanddorn, Felsenbirne, Holunder, Kornelkirsche, Maulbeere, Mispel, Apfelbeere oder die gute alte Walnuss). Jeder kann selbst ernten, ob aus dem eigenen Garten oder von wilden Pflanzen.

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    • ach_ne
    • 04. Juni 2013 15:32 Uhr

    Mir wäre es Recht, wenn Vieh auf Weiden gehalten würde um als Milchlieferant zu dienen. Auch gegen die Haltung von Hühnern zur Eierproduktion hätte ich nichts, wenn hier lediglich nicht verwertbare Reste verfüttert würden (und ein paar andere Voraussetzunegn erfüllt wären).
    Ich bin - wie man sich denken kann - Vegetarier und versuche sogar, mich vegan zu ernähren, da ich die derzeitige Art und Weise der Erzeugung von Milch und Eiern nicht mittragen kann. Würden wir wieder zu den von Ihnen geschilderten Zuständen zurückkehren - was durchaus möglich ist, denn wir verzehren ohnenhin mehr tierische Produkte als gesund ist - dann würde ich auch wieder ohne schlechtem Gewissen zu Eiern und Milch greifen. Solange aber auch Milchvieh mit industriellen Futtermischungen ernährt, Kälber weggenommen und geschlachtet und männliche Küken geschreddert werden, um den Profit zu maximieren, werde ich mir die Finanzierung dieses Treibens verkneifen.
    Gülle gäb es so auch genug und nicht wie jetzt zu viel davon.

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  3. "Ist der Geschmack von Fleisch wirklich den Hungertod unserer Mitmenschen wert?"

    Da mag es durchaus einen Zusammenhang geben, aber der ist nicht so klar ersichtlich, als dass man Fleischessern direkt die Schuld am Hungertod anderer geben könnte.
    Genauso wie der Zusammenhang zwischen günstigen T-Shirts und Kinderarbeit oder moderner Sklaverei nicht direkt gegeben ist.
    Woher soll man als Verbraucher denn die ganzen Infos ziehen, um sowas auszuschließen?
    Ich kaufe sicherlich kein T-Shirt, wenn mir der Verkäufer erzählt, dass es irgendwo in Asien von 5-jährigen zusammengenäht wurde. Aber ich recherchiere auch nicht vor jedem Einkauf stundenlang um sowas auszuschließen.
    Beim Fleisch ist es das gleiche. Wenn man beim Metzger ein Steak kauft, wurde das Rind evtl. in Deutschland mit deutschem Futter gefütter. Evtl. ist es aber auch ein deutsches Rind, das mit Getreide aus Äthiopien gefüttert wurde. Das weiß vermutlich nicht mal der Metzger.
    Und selbst wenn es ein deutsches Rind ist, das mit deutschem Futter gefüttert wurde, ist die Gesamtbilanz in Deutschland evtl. negativ, so dass zwangsläufig Futter oder Getreide/... zur Nahrungsmittelproduktion importiert werden muss.
    Trotzdem ist es zu viel verlangt, von jedem, der sich beim Metzger mal ne Leberkäse Semmel kauft, zu erwarten, dass er sich Gedanken um hungerende Menschen mehere tausend Kilometer entfernt macht und dann die "sinnvollste" Entscheidung trifft.

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  4. statt Vegetarismusideologie und fehlgeleiteter Subventionen. Die Landwirtschaft gehört modernisiert so wie sich die Industrie ständig modernisieren muss. Wenn man den Markt zu sehr außen vor lässt, ergeben sich immer auf einer Seite Mangelerscheinungen und auf einer anderen Seite Überkapazitäten - dauerhaft. Ich esse sehr gern Fleisch und Wurst und habe kein schlechtes Gewissen. Auch bin ich mir sicher, dass ein hoher Fleischkonsum nicht automatisch umweltschädlich ist. Umweltschädlich ist ein mangelnder Modernisierungswille. Ökolandwirtschaft ist das glatte Gegenteil moderner Landwirtschaft.

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    • ach_ne
    • 04. Juni 2013 15:50 Uhr

    da können Sie noch soviel entwickeln. Und selbst wenn Sie Recht hätten. derzeit sind wir noch nicht so weit und Fleischproduktion erwiesener Maßen umweltschädlich. Gibts genug Berichte darüber, die nicht von Peta erstellt oder finanziert wurden...

    Nichts hören, nichts sehen...

    • ach_ne
    • 04. Juni 2013 15:47 Uhr

    "Hören die (wohlhabenden) Fleischesser heute auf, Fleisch zu essen, werden die frei werdenden Ressourcen nicht zur Nahrungsmittelproduktion für die Armen verwendet. Sie werden noch immer für das eingesetzt, was die (wohlhabenden) Fleischesser nachfragen werden."
    Das würde bedeuten, dass wir noch mehr essen müssten als jetzt. Denn wie ich erklärt habe (und Sie sicher aufgrund ihres Wissens aus dem Physikunterricht nachvollziehen können) werden bei der Fleischproduktion mehr Kalorien vernichtet als erzeugt. Wenn nun also die verlorenen Kalorien zusätzlich durch die bereits jetzt gesättigten konsumiert werden müssen, was passiert dann mit denen?... Fraglich ob sie das überhaupt schaffen. Irgendwann ist der Ranzen voll. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das bestehende Angebot aufgrund der geringeren Nachfrage durch die Wohlhabenden nicht in gleichem Umfang bestehen bleiben. Ich nehme aber an, dass am Ende mehr Menschen gesättigt werden, d.h. das Angebot nicht vollständig auf das Maß der verringerten Nachfrage der Wohlhabenden reduziert wird. Oder meinen Sie der Bauer fängt plötzlich an Computer zu produzieren mit seiner freigewordenen Arbeitskraft? Ich glaube, der verkauft lieber sein übriggebliebens Soja an die, die es bisher nicht kaufen konnten.

    Zur Moralkeule: Ich denke es besteht ein Unterschied darin ob man aktiv am Hungertod mitwirkt oder nur passiv nichts dagegen unternimmt. Wer hat mehr Schuld: der Schütze, oder derjenige, der keine kugelsichere Weste geschenkt hat?

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    Antwort auf "Kein Zusammenhang"
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    Und wird dann bei Audi am Band anheuern, weil die wohlhabenden Käufer, die jetzt weniger Geld ausgeben müssen (unter der Voraussetzung, dass vegetarisch leben günstiger ist) teurere Autos kaufen. So sollte es imo aussehen, wenn man dieser Logik folgt. Ich denke aber trotzdem, dass es sich positiv auswirken wird, gerade weil ja in ärmeren Ländern Nahrungsmittel exportiert werden, um unsere Viecher zu füttern.
    Das Problem ist: Selbst hier, in einer (verhältnismäßig) aufgeklärten Gegend (Deutschland), steigt der Fleischkonsum wenn ich mich nicht irre. In anderen Ländern, gerade in den Schwellenländern, gehört Fleischkonsum oft zu steigendem Wohlstand dazu.
    Daher ist es in meinen Augen absolut unrealistisch, das Hungerproblem durch geringere Fleischnachfrage bekämpfen zu wollen. Das wird nie was.

    Zu Ihrer Frage: 99+% @ Schütze + Auftraggeber. Evtl. 1% Schuld gebe ich dem, der als unbeteiligter nichts dagegen unternimmt, je nach persönlicher Situation.

    [Das würde bedeuten, dass wir noch mehr essen müssten als jetzt.]

    Nein, das bedeutet es nicht. Wir können einfach auch anderen Kram damit kaufen. Dann wird sich die Wirtschaft anpassen und die eingesparten Ressourcen bei der Nahrungsmittelproduktion fließen in die Produktion anderer Güter.

    [Oder meinen Sie der Bauer fängt plötzlich an Computer zu produzieren mit seiner freigewordenen Arbeitskraft?]

    Tatsache ist, dass diese Bauern mit Fleisch ein besseres Geschäft machen als mit dem Verkauf von Soja an Hungernde. Die haben nämlich meistens wenig Geld. Könnte man mit dem Verkauf von Soja an Hungernde Geld verdienen, würden es die Bauern längst tun. Sie können also davon ausgehen, dass eine dramatische Verschlechterung der Nachfrage nach Fleisch viele Bauernhöfe unrentabel macht. Dafür steigt anderer Stelle die Nachfrage, weil die früheren Fleischesser jetzt ihr Geld für andere Waren ausgeben. Davon hat im Zweifel der Bauer nichts, aber die wirtschaftlichen Ressourcen werden dorthin wandern. Ihre Milchmädchenrechnung geht nicht auf.

    Man nimmt nicht aktiv am Hungertod anderer Teil, wenn er Fleisch isst. Niemand stirbt an dadurch an Hunger, dass ein anderer Fleisch ist. Wenn ein Stück Fleisch in meinen Mund wandert, fällt deswegen nicht anderswo jemand tot um. Wenn Sie aber schon Mittäterschaft um ein paar Ecken konstruieren wollen, müssen Sie sich das auch gefallen lassen!

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