HochwasserschädenZu wenig Geld, um geflutete Firmen zu retten

Gastwirte und Firmenbesitzer entlang der Donau sind verzweifelt. Die Flut richtete hier Millionenschäden an, nun bangen die Mittelständler um ihre Existenz. von 

Nichts ist gut entlang der verrückt gewordenen Donau zwischen Regensburg und Passau. Wer von den wohl Hunderten geschädigten Groß- und Kleinunternehmern Trost sucht, mag ihn allenfalls im Zeitpunkt der Hochwasserkatastrophe finden. Die Schlammfluten kamen zur Superwahlkampfzeit in Bayern, in einem Jahr, in dem die Bürger nicht nur über die nächste Kanzlerschaft in Berlin mitbestimmen, sondern sich auch ihre Landesregierung wählen.

Dieses bevorstehende Doppelereignis hat schon manche politische Forderung aufgesogen, so wie die des Passauer IHK-Hauptgeschäftsführers Walter Keilbart. Der forderte am Dienstag für die geschädigten Betriebe in Niederbayern von der Politik "schnelle und unbürokratische Hilfe", und zwar "insbesondere ein Soforthilfeprogramm für die Geschäfts- und Warenausstattung sowie Gebäudeschäden".

Anzeige

Der Warnruf aus dem Krisengebiet war kaum ein paar Stunden alt, da versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Schnellbesuch in Passau den Flutopfern eine unbürokratische Soforthilfe des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro. Nur einen Tag später, am Mittwoch, sprang das bayerische Kabinett dem Mittelstand per Beschluss mit einem "Sofortgeld" zur Seite. Das Volumen: ebenfalls 50 Millionen Euro.

Bis zu 5.000 Euro können Gewerbebetriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern erhalten, um Betriebsvermögen zu ersetzen. Unternehmer, die vor dem Nichts stehen, können – vorbehaltlich einer Übereinstimmung mit dem EU-Beihilferecht – bis zu 200.000 Euro bekommen.

Hilfen zu gering

Gerhard Lallinger, Inhaber einer Gerüstbaufirma aus dem Deggendorfer Stadtteil Fischerdorf, kann sich darüber kaum freuen. Als ein Damm brach, setzte die überlaufende Donau Haus und Werkstatt 2,50 Meter hoch unter Wasser. "Mein Gerüst schwimmt irgendwo in ganz Bayern rum", sagt er deprimiert. Sein Handy ist ihm als einziges Arbeitsmittel geblieben. Das Flusswasser vermische sich mit Öl, Diesel und Gülle aus landwirtschaftlichen Betrieben. "In meinem Haus stinkt's wie in einem Heizöltank", berichtet Lallinger. Eine Million Euro betrage sein Schaden mindestens.

Wo ist das Hochwasser am schlimmsten?



Andere Geschädigte wie der Passauer Gastwirt Friedrich Mayer halten die Hilfen ebenfalls für viel zu gering. "Meines Erachtens braucht es allein für Passau 150 Millionen Euro", sagt er. In seinem Wirtshaus, der Heilig-Geist-Stiftschenke am Rand der Fußgängerzone, stand das Wasser am Freitag noch kniehoch. Das Mobiliar ist kaputt, der Technikraum geflutet. "Ich habe noch Glück gehabt", sagt Mayer – auch weil er ein zweites, unzerstörtes Lokal betreibt. Ein schwer geschädigter Kollege habe völlig niedergeschlagen seinen Betrieb abgemeldet, "andere überlegen es sich". Bei Mayer, dem Kreisvorsitzenden des Gaststättenverbandes Dehoga, laufen viele Fäden zusammen.

Die Kleinen haben nicht annähernd die Mittel der Großen. So wie etwa die ZF AG, deren Passauer Werke nach dramatischem Stillstand zum Wochenende wieder angelaufen sind. Mit rund 4.000 Mitarbeitern produziert der Autozulieferer Achsen und Getriebe für Bau- und Landmaschinen. Als am vergangenen Sonntag die Flutwelle das in Ufernähe gelegene Teilewerk überspülte, sah Firmensprecher Gernot Hein erst Panik, dann einen "unglaublichen Zusammenhalt".

Leserkommentare
  1. ....berechnet ein Hochwasser in seine Überlegungen mit ein wie auch konjunkturelle Schwankungen, Marktveränderungen etc. und bildet für einen solchen Fall Reserven bzw. legt seinen Betrieb erst garnicht in ein hochwassergefährdetes Gebiet!
    Die Handhabung der unternehmerischen Risiken und Chancen (!) ist die Kernkompetenz jedes Selbstständigen. Wer hier versagt, geht zurecht Pleite- hier aus Steuermittelln zu subventionieren, hieße, andere Unternehmer bzw. Arbeitnehmer, die gut gewirtschaftet haben und erfolgreich sind, zu bestrafen.

    Nach Schumpeter nennt man dies "konstruktive Zerstörung"; sie hat bisher wesentlich zu unserem Wohlstand beigetragen und wird es auch künftig tun!

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ein guter Unternehmer rechnet also auch Tsunamis mit ein, weil diese ja prinzipiell ganz Hamburg fluten könnten und baut entsprechend sein Fischlokal auf dem Brocken? Mit Verlaub, aber Ihre Einschätzung der Lage ist ja wohl sowas von daneben!

    Ich kann zwar nur von der Passauer Situation sprechen, aber hier war das Hochwasser mehr als zwei Meter höher als beim "Jahrhunderthochwasser" 2002. Da sind Betriebe, Geschäfte und Privatpersonen untergegangen, die nie damit gerechnet haben, und die, auch rein stochastisch gesehen, einfach Pech hatten, ausgerechnet in diesen 40 Jahren ein Geschäft in dem Bereich betrieben zu haben. Versicherungen gibt es auch nicht, weil diese entweder unbezahlbar sind oder in Passau gar nicht erst angeboten werden.

    Ihrer Logik zufolge müsste man dann ja auch Atom-GAUs miteinberechnen, Wirbelstürme, Dürren und so weiter - unmöglich, selbst für viele multinationale Konzerne, erst recht aber für kleine Selbstständige! Packen Sie Ihre Arroganz doch einfach bitte wieder ein!

    ...besser vorsorgen als der große Banker, die irische/griechische/spanische/zyprische/italienische Regierung?

    Risiken werden ganz einfach ausgeblendet!

    der Donau hat es sich um ein "fünfhundertjähriges Ereignis" gehandelt, gemessen an der statistischen Häufigkeit des Auftretens. Als letztes Ereignis, welches dieses getoppt hat, wird oftmals schon das sogenannte Magdalenenhochwasser von 1342 gehandelt.

    Man kann von einem Unternehmer nicht verlangen, dass er eine Naturkatastrophe dieses Kalibers so einfach in seine Kalkulation einbezieht. Wenn es jemand könnte, hätte er wahrscheinlich schon seine Firma verkauft und sich seine Brötchen als Prophet verdient.

    Zum Artikel: eine bessere Vorsorge ist wenigstens ab jetzt angebracht. Dem Wirt der Heilig-Geist-Stiftschenke kann ich begrenzt zustimmen. Ja, es sollte ein Fond eingerichtet werden, der der Bedarf wirtschaftliche und private Schäden bei Hochwasser begleicht. Nein, dieser sollte nicht von jedem mit 1,5 € gespeist werden, sondern aus Steuermitteln. Das ist gerechter.

    Meines Erachtens sollte jedoch die Abwehrstrategie gegen Hochwasser am Ende dahin gehen, dass man für den Notfall sogenannte Polder schafft, d.h. unbewohnte Gebiete, die bei Bedarf bewusst geflutet werden könnten. Die Inhalte des oben genannten Fonds könnten dann dafür verwendet werden, die Ernte der betroffenen Bauern zu ersetzten und die entsprechenden Felder zu sanieren. Dies ist sicherlich mit weniger Leid und finanziellem Aufwand verbunden, als Städte herzurichten.

    Frage ist nur: traut sich die CSU, die Enteignungsgesetze bei einer ihrer wichtigsten Wählergruppen entsprechend anzupassen?

    Schön zu hören, dass Sie so viel Rücklagen haben um das durch
    Hochwasser abgesoffene Unternehmen mit teuren Geräten
    und das Haus und Autos alles gut ersetzen können.
    Es gibt Dinge da hat man keinen Einfluss Monsieur, die sind plötzlich da und man kann sich nicht mehr schützen.
    Vielleicht überdenken Sie Ihren Kommentarbeitrag noch
    einmal, er ist in dieser unmöglichen Form nicht für die
    Mehrheit der geschädigten Menschen passend.
    Hochmut ist auch unpassend.

    ..ein guter Kommentar.
    Nur, was empfehlen Sie Gastwirten und anderen Einzelhändlern in der Passauer Altstadt (und anderswo - oder promenieren Sie bevorzugt in Industriegebieten?)

    ich verweise auf eines meiner blogbilder

    ich denke Sie verwenden Schumpeters Theorie in falschem Kontext.

    "„Neue Kombinationen“ (später heißt es „Innovationen") können unter Anderem eine „Andersverwendung des Produktionsmittelvorrats der Volkswirtschaft“ sein, das heißt, dass Anderes oder anders produziert und vertrieben wird. Später hat Schumpeter diese neuen Kombinationen im Hinblick darauf, dass sie eingespielte Praktiken verdrängen, als „schöpferischer Zerstörung“ bezeichnet."

    http://de.wikipedia.org/w...

    ... auch ein, dass er die Löhne seiner Angestellten vom Staat aufstocken lassen kann, er vom Staat in jedem Fall gerettet wird, wenn er das Prädikat "systemrelevant" bekommt, und er mit kreativer Buchhaltung in Dublin und Konten bei verschwiegenen Banken nachweislich bessere Erfolgschancen hat.

    Nun betrifft das weder Naturereignisse, noch sind es übliche Geschäftspraktiken kleiner Mittelständler in ländlichen Regionen. Die sinnieren über einen 1,50 Euro-Hilfsfonds und vergessen dabei, dass sie den Staat mit Unsummen Steuergeldern ausstatten, auch damit er ihnen bei Katastrophen beisteht.

    Trotzdem bleibt die nachdenkenswerte Tatsache, dass die Messlatte für Jahrhundert-Hochwasser für einige Orte in nur zwölf Jahren zweimal angehoben wurde und wir nun bei Jahrtausend-Hochwassern angelangt sind. Es ist deshalb ratsam, nicht wieder in träge Routine zu verfallen, sondern sich mit der höheren Wahrscheinlichkeit solcher Ereignissen in der näheren Zukunft zu beschäftigen.

    Kai Hamann

  2. wird sich der Bund auf eine endgültige Hilfsstrategie festlegen können. Auch wenn die frühen Betroffenen auf die Berlin-Hilfen länger warten müssen als die späten Betroffenen, einer Hilfsbevorzugung darf sich der Bund nicht hingeben.

    Allerdings scheint mir das so problematisch nicht zu sein, wie im Artikel geschildert, da der Freistaat Bayern die Liquidität für große Soforthilfen besäße. Andere Bundesländer werden es da vllt. schwerer haben.

    2 Leserempfehlungen
  3. Der Mittelstand ist leider weder systemrelevant, noch arm genug als dass wir für ihn Mitleid übrig hätten. Das sind doch eh nur die bösen "Besserverdienenden".
    Kein wunder also, dass für das Rückgrat des Deutschen Wohlstands keine Hilfe fließt.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So lange man verlotterten Banken das Geld in Form von
    Milliarden hinterher wirft, wie z.B. auch Landesbanken in Bayern
    und Baden-W. für die Bankenrettung ist alles zu spät.
    Da wurden Wohnungsunternehmen aufgrund von EU Verordnung
    von Banken verkauft an Heuschrecken (nicht an kommunale
    Städte wie Nürnberg oder München) steht in der Mieterzeitung.
    Es sind staatliche Banken, die den Heuschrecken dienen und
    den Mietern sicher hohe Kosten auferlegen.
    Geld ist genug da, nur für welchen Unsinn das kann jeder hören
    und sehen. Weiter Klarstellungen vermeide ich, denn alles darf man nicht sagen.

  4. Ein guter Unternehmer rechnet also auch Tsunamis mit ein, weil diese ja prinzipiell ganz Hamburg fluten könnten und baut entsprechend sein Fischlokal auf dem Brocken? Mit Verlaub, aber Ihre Einschätzung der Lage ist ja wohl sowas von daneben!

    Ich kann zwar nur von der Passauer Situation sprechen, aber hier war das Hochwasser mehr als zwei Meter höher als beim "Jahrhunderthochwasser" 2002. Da sind Betriebe, Geschäfte und Privatpersonen untergegangen, die nie damit gerechnet haben, und die, auch rein stochastisch gesehen, einfach Pech hatten, ausgerechnet in diesen 40 Jahren ein Geschäft in dem Bereich betrieben zu haben. Versicherungen gibt es auch nicht, weil diese entweder unbezahlbar sind oder in Passau gar nicht erst angeboten werden.

    Ihrer Logik zufolge müsste man dann ja auch Atom-GAUs miteinberechnen, Wirbelstürme, Dürren und so weiter - unmöglich, selbst für viele multinationale Konzerne, erst recht aber für kleine Selbstständige! Packen Sie Ihre Arroganz doch einfach bitte wieder ein!

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben doch selbst:
    "Versicherungen gibt es auch nicht, weil diese entweder unbezahlbar sind oder in Passau gar nicht erst angeboten werden."

    Damit ist doch klar, dass die Versicherungen sehr wohl um das Risiko wussten. Deshalb ist es die erste Pflicht aller Anwohner sich mit der Problematik eines möglichen Hochwassers auseinanderzusetzen.
    Sich jetzt hinzustellen und zu sagen, dass man damit ja nicht rechnen konnte, finde ich schon ein bisschen verlogen.

    • jofl
    • 09. Juni 2013 12:06 Uhr

    Einige Gedanken, seit gestern online:

    http://pagewizz.com/offen...

    Herzliche Grüße

  5. merkel und schäuble hauens mit der mistgabel raus, wir leisten uns BER, Drohnen und stuttgart 21. einfach die verursacher dieser debakel rausschmeißen und die angerichteten schäden zahlen lassen, wie das im normalen wirtschaftsleben üblich ist - fertig!

    6 Leserempfehlungen
  6. ...besser vorsorgen als der große Banker, die irische/griechische/spanische/zyprische/italienische Regierung?

    Risiken werden ganz einfach ausgeblendet!

  7. Wenn eine versicherung nicht angeboten wird, hat das wohl einen berechtigten Grund.

    Versicherung sind Wirtschaftsunternehmen, keine Behörde.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist die Konsequenz bei solchen Überlegungen!

    Ein Unglück, welches einen anderen Menschen betrifft, geht uns, dem "Glücklichen", ja überhaupt nichts an. Lassen wir Ihn, den Unglücklichen im Regen stehen. Bei solchen Gedankengängen bleibt jedes Gemeinwohl auf der Strecke!

    Dabei kann das Unglück jederzeit über jeden hereinbrechen!

    Mir graust vor manchen meiner Mitmenschen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Donau | Passau | Regensburg
Service