ZEIT ONLINE: Herr Bardi, in Ihrem Bericht Der geplünderte Planet an den Club of Rome zeichnen Sie eine ziemliche düstere Zukunft...

Ugo Bardi: Sie ist nicht düster.

ZEIT ONLINE: Finden Sie? Sie schreiben: Die Bodenschätze gehen zur Neige, die Bevölkerung wächst und für die Ausbeutung der Rohstoffe verschmutzen wir immer stärker die Umwelt.

Bardi: Aber wollen Sie ewig weiterleben wie jetzt? Sicher ist, dass wir einen tiefgreifenden Wandel der Gesellschaft brauchen, wenn wir diese Zukunft vermeiden wollen. Die Frage ist nur, ob wir es schaffen, den Wandel zu beherrschen, oder ob er uns hinwegfegen wird.

ZEIT ONLINE: Der Club of Rome fordert seit mehr als 40 Jahren genau diesen Wandel. Vielen scheint es aber, als seien die pessimistischen Prognosen über die Grenzen des Wachstums von damals nicht eingetroffen.

Bardi: Das ist ein grundsätzliches Missverständnis: Die Leute denken immer, der Club of Rome habe vorhergesagt, dass die Ressourcen eines Tages komplett aufgebraucht sein würden. Aber darum geht es nicht.

ZEIT ONLINE: Worum dann?

Bardi: Die Ressourcen werden nicht komplett aufgebraucht sein, aber sie werden immer teurer. Wir haben immer weniger Energie zur Verfügung. Aber zugleich benötigen wir immer mehr davon, um die knapper werdenden mineralischen Bodenschätze abzubauen. Es ist ein Teufelskreis: Wir investieren mehr und mehr in Ressourcen, nur um neue Ressourcen zu fördern – zu einem immer höheren Preis.

ZEIT ONLINE: Dann begrenzt knappe Energie unser Wirtschaften am stärksten?

Bardi: Ja, Energie ist der zentrale Punkt. Nur so lange wir Energie haben, können wir weiter Bergbau betreiben. Deutschland hat das zum Glück erkannt und sich für die Energiewende entschieden.

ZEIT ONLINE: Aber vielleicht ist Energie gar nicht so knapp wie gedacht: Schiefergas und Schieferöl boomen, etwa in den USA. Könnte Fracking uns helfen, Engpässe zu vermeiden?

Bardi: Eine Wirtschaft darauf aufzubauen, ist auf Dauer kein tragfähiges Modell. Fracking ist doch nur ein Teil des Wandels. Wenn die leicht zu fördernden Bodenschätze zur Neige gehen, wendet man sich neuen Lagerstätten zu. Doch dort wird die Förderung noch mehr Energie verbrauchen, die Kosten steigen. Eine noch stärkere Abhängigkeit von einem schwindenden Rohstoff entsteht. Ab einem bestimmten Punkt ist das nicht mehr gut.

ZEIT ONLINE: Steigende Kosten könnten aber auch Innovationen hervorbringen. Sie helfen uns, Rohstoffe mit weniger Aufwand zu fördern.

Bardi: Stimmt. Neue Technologien können uns helfen, eine Ressource leichter zu fördern. Aber sie können einen sehr knappen Rohstoff kaum billiger machen. Wenn man Gestein pulverisieren muss, um fossile Energie aus ihm herauszubekommen, ist das einfach teuer.