Die Anglo Irish Bank in Dublin (Archiv) © Cathal McNaughton/Reuters

Irlands Zentralbankchef Patrick Honohan droht den Managern der Anglo Irish Bank mit Berufsverboten. Wie Honohan in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, seien Dienstverweise und Geldstrafen mögliche Sanktionen für die Verschleierung der gravierenden Finanznot der Notenbank.

Durch einen Bericht der Irish Independent wurde bekannt, dass sich Spitzenbanker im Spätsommer 2008 darüber im Klaren waren, dass sie das mehr als 30 Milliarden Euro schwere Finanzpaket des Staates zur Rettung der Bank nie zurückzahlen werden. In den Mitschnitten verschiedener Telefonate ist John Bowe, ein ehemaliger Topmanager der Anglo Irish Bank, zu hören. Er macht sich über die Naivität der helfenden Staaten lustig und sagt, er werde das Geld zurückzahlen, wenn es der Bank möglich ist. "Also nie."

In den veröffentlichten Gesprächsaufzeichnungen singt ein Spitzenmanager der Anglo Irish Bank: "Deutschland, Deutschland über alles" – die erste Strophe des Deutschlandlieds, die zur Zeit des Nationalsozialismus gesungen wurde. Der damalige Bankchef David Drumm empfiehlt dem damaligen Finanzchef, mit "simplen Worten" bei der Zentralbank Notkredite zu verlangen: "Wir brauchen die Knete, ihr habt sie, also gebt sie uns." Drumm soll auch angekündigt haben, den Aufsehern der kollabierenden Bank zu drohen.

Die irischen Notenbank habe die Tonaufnahmen bisher nicht gekannt. Sie würden nun genau geprüft, sagt Honohan. "Stil, Einstellung und Kultur, die sich in diesen Telefonaten widerspiegeln, sind zutiefst abstoßend". Bundeskanzlerin Angela Merkel habe dies "sehr klar auf den Punkt gebracht und ich kann dem nur zustimmen".

Merkel hatte sich am Rande des EU-Gipfels in Brüssel über die Banker empört. Die Tonalität der Gespräche scheine ihr bankübergreifend gleich zu sein, sagte sie. "Sie ist für Menschen, die ganz normal jeden Tag zur Arbeit gehen, die ihr Geld verdienen, einfach nur ganz, ganz schwer zu verkraften, um nicht zu sagen: gar nicht zu verkraften", fügte sie hinzu. "Deshalb habe ich dafür wirklich nur Verachtung."

Für Honohan seien die neuen Erkenntnisse auch ein Beleg dafür, dass die irische Bankenaufsicht in dem Zeitraum mangelhaft war. "Es hätte niemals so einfach sein dürfen, die Aufseher hinters Licht zu führen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Inzwischen sei die Bankenaufsicht reformiert worden. Nach Angaben des Journalisten, der die Mitschnitte veröffentlicht hat, lagen die Aufnahmen der irischen Polizei bereits seit vier Jahren vor. Seitdem habe es bereits drei staatliche Untersuchungsberichte zur irischen Bankenkrise gegeben.

"Den bisherigen Untersuchungen fehlten die notwendigen Durchgriffsrechte, um wirklich die ganze Wahrheit aufzudecken", sagt Bankenexperte Brian Lucey. Derweil kündigte Ministerpräsident Enda Kenny an, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzurichten.

Die Anglo Irish Bank musste zunächst mit sieben Milliarden Euro Steuergeldern vor der Pleite gerettet werden, brauchte aber schließlich mehr als 30 Milliarden Euro und wurde 2009 verstaatlicht. Im Folgejahr schrieb die Bank rote Zahlen in Höhe von 17,65 Milliarden Euro – der größte Verlust eines Unternehmens in der irischen Geschichte. Die massiven Probleme seiner maroden Banken zwangen Irland 2010 Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds zu beantragen – und eine Reihe von harten Sparmaßnahmen umzusetzen. Damals hieß es von Zentralbankchef Honohan noch: "Der Mangel an Vertrauen in die Banken und die Regierung ist nicht gerechtfertigt."