Demonstranten protestieren gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien (Archivbild). © Susana Vera/Reuters

Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, hat markige Worte gefunden. Sechs Milliarden Euro gibt die EU für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit aus. Ein lächerlicher Betrag, findet der Sozialdemokrat Schulz und verweist auf die Bankenrettung. Die sei den EU-Regierungschefs 700 Milliarden Euro wert gewesen.

So intuitiv richtig diese Rechnung auch klingen mag: Sie geht nicht auf. Schon jetzt ist klar, dass den jungen Menschen in Europa mit den Milliarden alleine nicht geholfen ist – und das wäre auch so, wenn die Regierungschefs noch viel höhere Summen für sie beschlössen. Zu viel liegt in den Krisenstaaten im Argen. Millionen aus Brüssel mögen die Misere lindern. Aber am Ende sind es die nationalen Regierungen selbst, die ihre Arbeitsmarkt-Probleme lösen müssen.

Sie müssen ungeschönt Bilanz ziehen. Das bedeutet: Nicht immer ist Europa Schuld. In Ländern wie Spanien etwa war die Jugendarbeitslosigkeit schon vor der Krise hoch, das wird gern übersehen. Und auch die hohe Arbeitslosigkeit in Schweden oder Polen lässt sich nicht nur mit mehr Geld in den Griff bekommen. Denn Geld hilft nicht gegen die strukturellen Probleme dieser Länder. Im Süden mangelt es an guten Ausbildungssystemen, Weiterbildungsmöglichkeiten und vor allem Perspektiven für Uni-Absolventen. Nur Handwerker-Jobs zu schaffen reicht nicht aus. Es wird nicht Wochen dauern, den Arbeitsmarkt in den südeuropäischen Ländern zu reformieren, sondern Monate.

Auch die Jugendgarantie, welche die EU-Staats-und Regierungschefs am Donnerstagabend in Brüssel beschlossen haben, wird keine Wunder leisten. Maximal vier Monate sollen junge Menschen in Europa zukünftig arbeitslos sein, danach organisiert der Staat ihnen einen Ausbildungs- oder einen Praktikumsplatz. Dafür wollen die EU-Chefs die besagten sechs Milliarden Euro ausgeben.

Doch solange unklar ist, was die Staaten eigentlich genau mit den Milliarden anstellen, bleibt die Gefahr, dass die Jugendgarantie vor allem eins bleibt: schönste Kosmetik. Was bringt es den jungen Menschen, wenn sie zwar aus offiziellen Arbeitsmarktstatistiken verschwinden, aber am Ende nur in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geparkt werden? Jugendgarantie, das müsste heißen, dass man ihnen wirkliche Perspektiven aufzeigen kann.

Entscheidend ist nicht, wie viele Milliarden fließen. Sondern vor allem, wie sie ausgegeben werden. Nur Milliarden auf die Wunde zu schmieren und dann ein bisschen zu pusten, das reicht nicht. 

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