In Spanien wird viel darüber gesprochen, ob man versuchen soll, in Deutschland eine Arbeit zu bekommen. Auch ich lebe in Spanien, habe einen spanischen Pass und suche Arbeit. Also ging ich zum Eures-Workshop "Leben und Arbeiten in Deutschland" an der Universität Salamanca. Eures ist das europäische Jobportal, das solche Veranstaltungen organisiert. 

Deutschland sei ein schönes Land, erzählte zu Beginn Eures-Berater Herr R. auf Deutsch. Da mein Vater Deutscher ist und ich bis 2001 dort gelebt habe, verstand ich den Berater. Für die anderen übersetzte eine Dolmetscherin. In Deutschland kann man gut Ferien machen, ging es weiter, viele Deutsche seien nett und tränken gern Bier. Mehr als 300 Brotsorten gebe es in Deutschland und auf Autobahnen kein Tempolimit.

Das war der spaßige Teil. Doch um Spaß zu haben, sagte Herr R. süffisant, müsse man auch in Deutschland arbeiten. Natürlich dürften entsprechende Qualifikationen nicht fehlen. Deutschland brauche Fachkräfte! "Der Chinese, in Deutschland ausgebildet, möchte nach China zurück", sagte Herr R. und fügte hinzu: "Eigentlich schade, diesen wertvollen Menschen in sein Heimatland zu entlassen. Eine Fachkraft, die der deutsche Arbeitsmarkt braucht!"

Aber wir sind ja hier in Spanien. Es kommt der Hinweis, Mediziner, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker und Ingenieure  würden gebraucht. Auch die Hotels und die Restaurants suchten Leute. Allerdings sollte man sich bewusst sein, in Konkurrenz zu deutschen Arbeitslosen zu stehen.

Natürlich müssen die Spanier wissen, was eine Bewerbungsmappe ist und die Besonderheiten des Bewerbungsgesprächs in Deutschland kennen. Auf Herrn R. folgte Frau O., die mit monotoner Stimme von Websites und Flyern, von Initiativen und Infos erzählte.

Zum Schluss des sogenannten Workshops blieben fünf Minuten für Fragen. Ich erkundigte mich genauer nach notwendigen Qualifikationen, wie man Firmen kontaktiert, und mit welcher Unterstützung ich von der Zentrale für Auslands- und Fachvermittlung rechnen könne.

Zur Antwort bekam ich nur ein Resümee des bereits Abgespulten. Ich bohrte weiter. Was muss ein Arbeitssuchender genau tun? Welche Chancen hat er, wenn er nicht zu 100 Prozent den Erwartungen des Arbeitsmarktes entspricht?

Mit erfrischendem Zynismus antworte mir Herr R.: Er sei hierher gekommen, um dem deutschen Arbeitsmarkt zu helfen, nicht aber individuellen Arbeitssuchenden. Wenn die Interessen zwischen Arbeitsmarkt und Arbeitssuchenden übereinstimmten: gut. Wenn nicht: dann eben nicht.

So ist das also: Herr R. und Frau O. kommen zu den mehr als sechs Millionen Arbeitslosen hier im Süden, um dem "deutschen Arbeitsmarkt zu helfen".