VatikanDie dubiosen Geldgeschäfte des Monsignore Scarano

20 Millionen Euro Schwarzgeld, die auf dem Flughafen von Locarno strandeten – der suspendierte vatikanische Buchhalter Nunzio Scarano hat einiges zu erklären.

"Monsignore Scarano wird den Ermittlern alles erklären." Das versprach Silverio Sica, der Anwalt des am Freitag festgenommenen Geistlichen Nunzio Scarano. Dafür, dass der Monsignore angeblich nur guten Freunden geholfen haben soll, ist die Liste der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ziemlich lang: Bestechung, Betrug, Verleumdung. Und das betrifft nur den aktuellen Fall, eine spektakuläre Geschichte über 20 Millionen Euro, die aus der Schweiz nach Italien geschmuggelt werden sollten.

Gegen Scarano wird auch bereits wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Der 61-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft im bekanntesten römischen Gefängnis Regina Coeli, einem ehemaligen Kloster, und streitet alle Beschuldigungen ab. Den suspendierten Chef-Buchhalter der vatikanischen Vermögensverwaltung könnte der aufgeflogene Geldschmuggel in Erklärungsnot bringen – auch wenn sein Anwalt treuherzig versichert, sein Mandant habe bisher "alles aufgeklärt" und werde dies auch weiterhin tun. Ob Scarano wirklich selbst keine Vorteile aus seinen dubiosen Geschäften gezogen hat, wie sein Anwalt behauptet, steht noch dahin.

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Der Heilige Stuhl bemühte sich am Samstag, größere Distanz zu seinem Angestellten herzustellen und den Fall von der skandalumtosten Vatikanbank fernzuhalten. Scarano habe nicht für die IOR (Instituto per le Operazione di Religione) gearbeitet, sondern für die vatikanische Güterverwaltung APSA. Er sei im Mai von seiner Aufgabe entbunden worden, als die Ermittlungen gegen ihn bekannt wurden, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Man werde die italienischen Behörden bei ihren Ermittlungen unterstützen; bislang sei jedoch kein Auskunftsersuchen eingegangen.

Schwarzgeld von den Öltanker-Bossen

Doch die Staatsanwaltschaft scheint ohnehin ein recht klares Bild von dem geplanten Geldschmuggel zu haben. Nunzio Scarano habe sich demnach mit einem ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter und einem Finanzmakler zusammengetan, um 20 Millionen Euro illegal aus der Schweiz nach Italien zu bringen. Das unversteuerte Geld gehörte Freunden Scaranos und sollte dem Monsignore in Rom übergeben werden.

Bei diesen Freunden soll es sich nach Erkenntnissen der Ermittler um die "Salerno-Brüder" Paolo, Cesare und Maurizio D'Amico handeln. Sie betreiben von Rom aus eine Öltankerflotte. Ihr Schwarzgeld wurde in der Schweiz von dem Finanzdienstleister Giovanni Carenzio verwaltet, berichtet die Tageszeitung La Repubblica. Am Zoll vorbei sollten 20 Millionen Euro zurück nach Italien gebracht werden.

Nun kommt der Carabiniere Giovanni Maria Zito ins Spiel, der ein ehemaliger Mitarbeiter des italienischen Inlandsgeheimdienstes AISI (Agenzia Informazioni e Sicurezza Interna) sein soll. Scarano beauftragte Zito, das Geld der Salerno-Brüder per Flugzeug nach Italien zu schaffen. Für den Transport mit seinem Privatjet sollte Zito 400.000 Euro bekommen – überwiesen von Scaranos Konto bei der Vatikanbank. Monsignore hat dort große Summen gehortet.

Streit und Sabotage

Doch das Flugzeug blieb auf der Schweizer Seite der Grenze hängen. Noch ist nicht klar, warum das Geld bereits auf dem Flughafen von Locarno im Tessin landete – in jedem Fall seien, glauben die Ermittler, die drei Beteiligten in Streit geraten. Der Finanzmakler Carenzio habe den Weitertransport nach Rom "sabotiert", schreibt La Repubblica.

Der Jet mit den 20 Millionen Euro an Bord habe deshalb vier Tage auf dem Flughafen von Locarno gestanden. Zum geplanten Transport des Geldes unter den Augen bewaffneter Wachleute zu Scaranos Haus in Rom sei es nicht mehr gekommen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft erhielt der Polizist Zito die ihm versprochene Entlohnung trotzdem.

Auch Zito und der Finanzmakler Giovanni Carenzio sitzen nun in Untersuchungshaft. Gegen Nunzio Scarano wird in der süditalienischen Stadt Salerno bereits seit Wochen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Er soll 500.000 Euro in kleinen Summen von seinem Konto bei der Vatikanbank abgehoben und gewaschen haben. Spender für ein Immobilienprojekt über je 10.000 Euro sollen diese Beträge in bar von Nunzio Scarano zurückbekommen haben.

Dass der Monsignore so dringend an Geldgeschäften interessiert ist, erklärt sich vielleicht auch mit seiner Tätigkeit vor seiner späten Berufung zum geistlichen Amt: Bis zu seiner Priesterweihe 1987 war Scarano für die Deutsche Bank tätig, berichtet die Süddeutsche Zeitung.


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Leserkommentare
  1. ... ich hatte nicht gewusst dass er bei der Geldwäsche untätig zusieht....

  2. mit ausgeprägten Nasolabialfalten begegnet man tunlichst mit Skepsis.
    Zum "lieben Gott" sagte mir ein weiser Politiker: " Gottes Mühlen mahlen langsam."

    Das mag wohl so sein, dachte ich schon mehrmals schmunzelnd.

    • ErichH
    • 29. Juni 2013 22:25 Uhr

    das Geflenne wegen 20 Millionen dient nur der Ablenkung. Unsere immer wieder gewählten Politiker wissen nichts anzufangen mit Ihrer letztlich unantastbaren Macht und den wirtschaftlichen Ressourcen die durch unser stetiges und effizientes Arbeiten geschaffen werden.

    In einer zwanghaften Ideologie der Mangelwirtschaft für fast alle und die absolute Verfügbarkeit fast aller wirtschaftlichen Ressourcen für einige wenige, hat der heute erwirtschaftete Überfluss keinen Platz. Deshalb ist die Vergeudung zur Erhaltung des Systems zwingend notwendig.

    • Yasuno
    • 29. Juni 2013 23:00 Uhr

    Einen Pater, der nach der Rasur offensichtlich kein Rasierwasser aus Sparsamkeitsgründen benutzt (s. Foto), kann ich mir schlecht als Kriminellen vorstellen.

    Wahrscheinlich ist das genau so eine Story im Kulturkampf wie damals in der Süddeutschen Zeitung über den Bischof Mixa, der Mädchen misshandelt haben sollte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sc
  • Schlagworte Deutsche Bank | Geldwäsche | Italien | Schweiz | Transport
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