Internetnutzer können ab sofort Teile der Offshore-Leaks-Daten einsehen: Die Namen und weitere Daten von mehr als 100.000 Treuhandgesellschaften und Firmen, die Geschäfte in Steueroasen machen, sind online zugänglich. Das Internationale Konsortium für Investigativen Journalismus (ICIJ), das den Offshore-Leaks-Datensatz zugespielt bekommen hatte, hat einen Teil dieser Daten online gestellt. Sie können mit einem Such-Tool durchsucht werden

"Dadurch wird die undurchsichtige Welt der Steueroasen endgültig aufgebrochen", hieß es vom ICIJ. Die bisherige Diskretion in Steueroasen habe Korruption und Geldwäsche Vorschub geleistet. Dass Firmen in der Datenbank auftauchen, bedeutet aber nicht automatisch, dass sie in solche Geschäfte verwickelt sind.

Das ICIJ hatte vor etwa einem Jahr ein Datenpaket von 260 Gigabyte von einer anonymen Quelle erhalten. Darin wird dokumentiert, wie mithilfe von Briefkastenfirmen, Offshore-Konten und Trusts Vermögen in Steueroasen versteckt werden. Das ICIJ hatte die Daten  internationalen Medien zur Auswertung gegeben. In Deutschland erhielten der Norddeutsche Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung Zugang zu den 2,5 Millionen Dokumenten. Quelle sollen zwei Firmen sein, die auf die Konstruktion von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Die Dokumente enthalten Daten von 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern.

Sensible Informationen bleiben geschützt

Die Informationen, die jetzt zugänglich werden, seien für die Veröffentlichung von Experten und Redakteuren aufbereitet worden, hieß es vom ICIJ. Sensible Informationen wie Banknummern, vertrauliche Korrespondenzen oder Lebensläufe seien darunter nicht zu finden. Internetnutzer können allerdings Zusammenhänge zwischen Offshore-Firmen und ihren Gesellschaftern und Direktoren ermitteln.

"Dies ist ein Beitrag zur lange geforderten Transparenz in Steueroasen", sagte ICIJ-Chef Gerard Ryle dem NDR und der Süddeutschen Zeitung. Die Quelle, die die Daten geliefert hatte, bleibe weiterhin geschützt. Eine ungefilterte Veröffentlichung von  Recherchematerialien oder eine Weitergabe sensibler Daten sei ausgeschlossen.  

Zuletzt hatte EU-Kommissar Algirdas Semeta das Offshore-Leaks-Projekt als wegweisend für die künftige  Steuerpolitik bezeichnet. "Die Berichterstattung hat den Kern des Problems getroffen – Intransparenz", sagte Semeta. Das Thema Steuergerechtigkeit steht auch auf der Tagesordnung des G-8-Gipfels in der kommenden Woche in Nordirland.