Der russische Suchoi Superjet 100 (Archivbild) © Luke MacGregor

Auf dem Flugfeld in Le Bourget wird viel Russisch gesprochen. Schließlich geht es am Dienstagmorgen auch um ein russisches Flugzeug. Der Superjet 100 ist zu sehen: Die mexikanische Fluggesellschaft Interjet hat 20 Stück des Mittelstreckenjets bestellt. Im frischen Design in den Farben Weiß, Dunkel- und Hellblau glänzt die Maschine in der heißen Sonne von Paris.

Doch zu den südländischen Temperaturen gesellt sich auch südländisches Temperament. Italienisch mischt sich mit Russisch. Und als dann der Eröffnungsredner auf das Podest vor dem Flieger tritt, ist endgültig klar: Der Superjet 100 ist ein internationales Projekt. Es redet der Chef von Superjet International – und der heißt Nazario Cauceglia.

Der Italiener ist seit mehr als einem Jahr Vorstandsvorsitzender des Joint Ventures, das der russische Flugzeughersteller Suchoi und die Finmeccanica-Tochter Alenia Aermacchi gegründet haben. Die Italiener halten die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen, das sich um den Vertrieb des Superjets für den westlichen Markt kümmert. "Diese Maschine ist ein schönes Produkt", sagt Cauceglia. Der Superjet sei "komfortabel und funktionell", lobt er seinen Flieger. Auch Interjet-Chef Jose Luis Garza, der als erster CEO einer westlichen Airline den Jet bestellt hat, spart nicht mit Lob. Der Superjet sei die "beste Maschine seiner Klasse".

Doch nur wenn es andere Garza und seiner Interjet nachmachen, könnte der Russen-Jet ein Erfolg werden. Das Mittelstreckenflugzeug benötigt weitere Verkäufe in Europa und Amerika. Bisher fliegt die russische Aeroflot mit dem Superjet, dazu gibt es Bestellungen aus Indonesien.

Eine Erfolgsgeschichte ist die Maschine bisher nicht. Das liegt vor allem an technischen Pannen. Vor vier Tagen war es wieder einmal so weit: Im Anflug auf die Stadt Odessa in der Ukraine versagte das linke Triebwerk eines Superjet 100. Die Rettungsdienste wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Knapp 100 Passagiere und die Besatzungsmitglieder hatten Glück im Unglück: Die Notlandung auf dem Flughafen der Schwarzmeer-Stadt gelang.

Doch die Beinahe-Katastrophe war auch ohne verletzte Passagiere ein PR-Debakel. Denn auf der Luftfahrtschau in Paris sollte der Superjet 100 am Dienstag seinen großen Auftritt haben. Zwar gelang die Präsentation – der "State-of-the-Art"-Mittelstreckenjet, wie ihn der Hersteller selbst vollmundig nennt, wird aber trotz des Verkaufs an Interjet kritisch beäugt wie eh und je.

Schuld ist dabei nicht bloß der Triebwerksdefekt von Odessa, sondern vor allem der Absturz einer Maschine vor gut einem Jahr. Auf einem Demonstrationsflug für potenzielle Käufer zerschellte der Superjet 100 am mehr als 2000 Meter hohen Vulkan Salak in Indonesien, alle 45 Insassen starben. Der Untersuchungsbericht gab im Dezember zwar dem russischen Flugkapitän die Schuld, der ein Warnsignal ignoriert und sogar abgestellt habe, dennoch bleibt das Unglück stets mit dem zweistrahligen Suchoi-Jet verbunden. "Die Zurückhaltung bei westlichen Airlines ist deutlich zu spüren", sagt Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zu Maschinen aus russischer Produktion.