Spanier in einem Arbeitsamt in Burgos © Cesar Manso/AFP/Getty Images

Als Rafael Jiménez-Sánchez den Dom in Ulm sieht, denkt er: Bauen können die Deutschen. Keine 48 Stunden ist er da in seiner neuen Heimat. "Ich werde hier für’s Leben lernen", sagt er. Egal, ob er am Ende in Deutschland bleiben oder nach Spanien zurückkehren wird. In den Krisenstaat, der für junge Leute wie ihn im Moment keine Verwendung hat.

Jiménez-Sánchez, 24 Jahre alt, stammt aus einem Dorf bei Granada in Andalusien. Lange fand er daheim keine Arbeit. Jetzt ist er nach Deutschland gekommen, als einer von neun Spaniern, die bei den Ulmer Firmen Geiger+Schüle Bau und Scheffler eine dreijährige Ausbildung absolvieren werden. Das Arbeitsministerium in Berlin und die Bundesagentur für Arbeit unterstützen das Programm, das Teil eines größeren Plans ist, um Jugendlichen in Spanien wieder eine Perspektive zu geben.

Dort herrscht weiter Krise. Ein Jahr ist es her, dass die EU Spanien bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht stellte, um die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise zu bewältigen. Noch ist der "Bail-out", wie ihn zuvor Griechenland, Portugal, Irland und zuletzt Zypern brauchten, ausgeblieben. Die konservative Regierung in Madrid wollte ihn nicht. Auch die Partner in Europa hatten Furcht, die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone könnte sämtliche Rettungsphantasien sprengen.

Die Regierung in Spanien hat seither einige Reformen angestoßen. Auch lagerte sie faule Immobilienkredite der Banken in Höhe von 50 Milliarden Euro in eine Bad Bank aus, um das marode Finanzsystem des Landes zu entlasten. Die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind seither gesunken. Die Krise ist nicht mehr akut, aber die großen Probleme sind geblieben. Spaniens Schuldenlast ist weiter hoch. 

Banken fehlen Mittel für Kredite

Die Banken geben kaum Kredite an kleine und mittelständische Firmen, weil sie knapp bei Kasse sind. Auch die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Zwar sank die Zahl der Arbeitslosen im Mai auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Krise. Doch noch immer hat ein Viertel der Spanier keinen Job. Von den jungen Leuten unter 25, die einen Job suchen, findet nicht einmal jeder zweite Arbeit.

Jiménez-Sánchez ist ein typischer Fall. 17 Jahre war er alt, als er die Schule beendete, mit einer Art Realschulabschluss. Weiterlernen wollte er nicht, denn draußen lockte das große Geld. In der spanischen Bauwirtschaft, die damals, 2006, noch boomte und jedes Jahr 800.000 neue Wohnungen in die Landschaft spie. Mehr als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen. Zweistellige Preissteigerungen der Immobilien Jahr für Jahr machten viele reich, zumal ein Drittel des Kaufpreises in der Regel schwarz bezahlt wurde.

Dreieinhalb Jahre dauerte der Traum auch für Jiménez-Sánchez. Dann hatte die Krise auch ihn erreicht. Zuletzt verdingte er sich in der Landwirtschaft, erntete Oliven und Spargel. Eine Arbeit, die Spanier zuvor jahrelang Saisonarbeitskräften aus Rumänien oder Marokko überlassen hatten. Und nun Deutschland, eine Ausbildung.

Für Konrad Mezger, Geschäftsführer der Geiger + Schüle Bau GmbH, ist das Angebot keine reine Menschenfreundlichkeit. Von den 15 Auszubildenden, die seine Firma jedes Jahr einstellt, brächten durchschnittlich nur fünf die Lehre zu Ende, sagt er. "Die übrigen geben auf, oder man muss sich auch von ihnen trennen, weil es einfach nicht geht." Dem Fachkräftemangel, den er wie viele Experten spätestens für 2020 in Deutschland erwartet, will er frühzeitig vorbeugen.