ZEIT ONLINE: Herr Giegold, die Europäische Union reguliert den Markt für Warteschleifen und Roaming-Gebühren, aber bei den Dispozinsen der Banken macht jedes Land in Europa noch immer was es will. Warum?

Sven Giegold: Es gibt einen Vorschlag der EU-Kommission, der es Bankkunden leichter machen soll, das Konto zu wechseln. Das würde den Wettbewerb ankurbeln und den Druck auf die Banken erhöhen, faire Dispozinsen zu erheben. Aber das reicht nicht aus.  

ZEIT ONLINE: Was spricht gegen eine gesetzliche Obergrenze in der EU?

Giegold: Wenn der Zahlungsverkehr in Europa vereinheitlicht werden soll, sollte sich das Europäische Parlament auch mit den Dispozinsen beschäftigen. Eine Regelung für die ganze EU wäre sinnvoll. Allerdings muss man darauf achten, dass die Obergrenze nicht so niedrig liegt, dass die Banken den ärmeren Bevölkerungsschichten überhaupt keinen Dispo mehr einräumen.

ZEIT ONLINE: Wie transparent ist denn im Moment das Gebahren der Banken in Deutschland, wenn es um den Dispo geht?

Giegold: In Deutschland gibt es keine Obergrenze für die Dispozinsen wie etwa in den Niederlanden oder der Schweiz, die einen sogenannten Wucherstopp eingeführt haben. Dabei wäre solch eine Grenze wünschenswert. Gerade in einer Zeit, in der sich die Banken mit günstigem Geld eindecken können.

ZEIT ONLINE: Warum zögert Schwarz-Gelb?

Giegold: In Deutschland gibt es eine tiefsitzende Abneigung gegen Preisregulierung. Es ist schon auffallend, dass wir Politiker gegen hohe Roaming-Gebühren vorgehen, die in der Regel gutausgebildete Menschen betreffen. Wenn es aber um Probleme der Ärmeren geht, heißt es schnell, ein Eingriff in den Markt komme einer Versündigung an der Marktwirtschaft gleich. Man muss kein Zyniker sein um zu sagen,  dass die meisten Politiker eher zu den vielreisenden Smartphone-Benutzern gehören als zu den Beziehern kleiner Einkommen, die unter den Dispozinsen leiden.

ZEIT ONLINE: Mehr als 5.000 Leser haben der ZEIT und ZEIT ONLINE bereits den Dispozins ihrer Bank mitgeteilt. Was halten sie von der Aktion?  

Giegold: Ich finde das gut. Vor allem weil die Befragung der Stiftung Warentest zur Höhe der Dispozinsen bisher von den Banken nur unzureichend beantwortet wurde. Alles, was in diesem Fall Transparenz schafft ist zu begrüßen.