Europa bekommt künftig Erdgas aus Aserbaidschan über die Trans-Adria-Pipeline (TAP). Damit geht die Konkurrenz-Pipeline Nabucco nach Österreich leer aus, die anfangs von der EU unterstützt worden war. Der für die Region zuständige BP-Chef Gordon Birell erklärte, das Gas aus Aserbaidschan werde über die Türkei, Griechenland und Albanien nach Süd-Italien geliefert. An der TAP beteiligt sind der deutsche Energiekonzern E.ON (Ruhrgas), das norwegische Staatsunternehmen Statoil und das Schweizer Unternehmen Axpo.     

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras reagierte erfreut. Dies sei "die wichtigste positive Wirtschaftsentwicklung, die es für Griechenland in den letzten zehn Jahren gegeben hat", erklärte er in Athen. Es handele sich um einen weiteren "Hebel", der Griechenland aus der Krise helfe. Der Bau der Pipeline werde Tausende Arbeitsplätze schaffen.

Bereits am Mittwoch hatte der österreichische Ölkonzern OMV mitgeteilt, dass die Konkurrenz Nabucco nicht den Zuschlag für das Erdgas aus dem aserbaidschanischen Feld Shah Deniz im Kaspischen Meer bekommen habe. Einer der Lobbyisten für Nabucco ist seit Jahren der ehemalige Außenminister Joschka Fischer. "Zunächst einmal ist das Projekt Nabucco für uns beendet", sagte OMV-Chef Gerhard Roiss in Wien.

 TAP soll nun ab 2019 zehn Milliarden Kubikmeter Gas nach Italien pumpen – das ist etwa so viel wie der jährliche Bedarf Polens. Das würde den Kontinent unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen.

Die TAP-Leitung durch die Adria soll etwa 800 Kilometer lang werden. Nabucco wäre die von der Europäischen Union unterstützte Alternative gewesen und hätte Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich durchquert. Das Projekt hat zum Ziel, Gas aus Zentralasien, dem Kaukasus und dem Nahen Osten der EU über den Landweg zugänglich zu machen.   

Statoil und BP mit größten Anteilen

BP und der norwegische Konzern Statoil halten jeweils 25,5 Prozent der Anteile an den reichhaltigen Vorkommen in Aserbaidschan. Daneben verfügen die Konzerne Socar (Aserbaidschan), Lukoil (Russland), Nico (Iran) und Total (Frankreich) über je zehn Prozent. 

Am Vortag hatte der riesige russische Gaskonzern Gazprom erklärt, niedrige Preise, hohe Steuern und Rabatte für europäische Kunden führten dazu, dass die Staatsfirma dieses Jahr erneut weniger Geld verdienen werde. Der Überschuss werde bis zu zehn Prozent niedriger ausfallen als im Jahr zuvor, sagte der Finanzchef des Unternehmens. Gazprom ist ein Hauptfinanzier des russischen Staates.

Gleichzeitig legte Gazprom die Erschließung des Feldes Schtokman im Nordpolarmeer  zu den Akten. "Im Moment sind wir nicht bereit, an diesem Projekt zu arbeiten", sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow dem Radiosender Moskauer Echo. Der Konzern warte auf eine "günstigere Technologie" oder ein besseres Marktumfeld – also höhere  Preise, die das Projekt lohnenswert machen würden.