ItalienPolizei nimmt Vatikanbank-Prälaten fest

Die italienischen Behörden ermitteln gegen einen hochrangigen Geistlichen wegen Betrugs. Er soll geplant haben, 20 Millionen Euro per Privatjet zu schmuggeln.

Zentrale der Vatikanbank (Archivbild)

Zentrale der Vatikanbank (Archivbild)  |  © Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Die italienische Justiz hat nach Ermittlungen gegen die Vatikanbank den Prälaten Nunzio Scarano festgenommen. Gegen ihn werde wegen Betrugs und Korruption ermittelt, berichteten die Zeitung Corriere della Sera und der Sender Sky TG-24.

Zudem seien ein Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes und ein Finanzmakler festgenommen worden. Die Vatikanbank steht wegen des Verdachts der Geldwäsche bereits seit Jahren im Fokus der italienischen Justiz.

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Scarano arbeitete als Buchhalter für die Verwaltung des Vatikans und wurde bereits vor einigen Wochen beurlaubt. Den Ermittlungen zufolge soll Scarano dem Geheimdienstmann 400.000 Euro bezahlt haben, damit er 20 Millionen Euro Bargeld mit einem Privatjet von der Schweiz nach Italien bringt. Das Geld gehörte einem Freund Scaranos. 

Monsignore 500

Dessen Anwalt Silverio Sica sagte dem Fernsehsender SkyTG24, sein Mandant habe "versucht, guten Freunden zu helfen" und keine persönlichen Vorteile daraus gezogen.

Gegen Scarano ermittle auch die Staatsanwaltschaft in Salerno wegen Geldwäsche, berichtete der Corriere della Sera. "Sie nennen ihn Monsignore 500, wegen der großen Zahl von 500-Euro-Scheinen, über die er verfügte", schrieb die Zeitung. Die Banknoten nutzte Scarano demnach, um Geld von Freunden aus dem Süden Italiens zu waschen.

Auch soll Scarano 600.000 Euro von einem Konto der Bank abgezweigt haben, um einen Immobilienkredit zu bezahlen. Papst Franziskus hatte erst am Donnerstag eine Untersuchungskommission eingesetzt, die die Vorgänge in dem Geldinstitut aufklären soll.  

Der vatikanische Medienberater Greg Burke bestätigte Scaranos Festnahme indirekt, indem er richtigstellte, dass es sich bei dem Geistlichen nicht um den Bischof von Salerno handle, wie zunächst berichtet worden war.  

Zahlreiche Skandale um die Vatikanbank

Im September 2010 hatten die Behörden begonnen, gegen den damaligen Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi und den damaligen Generaldirektor Paolo Cipriani wegen Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz zu ermitteln. Daraufhin wurde die Führung der Bank entlassen, zudem wurden Millionen Euro eingefroren.

Bereits zuvor gab es zahlreiche Skandale um die Vatikanbank. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie wiederholt Geld der Mafia gewaschen hat.

Im Juli 2012 forderte der Europarat die Bank zu mehr Einsatz im Kampf gegen Geldwäsche auf. Der Europarat kritisierte, dass vor allem die Kontrolle durch die vatikanische Finanzbehörde unzureichend sei. Diese kündigte im Mai an, sie wollte verstärkt gegen Geldwäsche vorgehen. Der neue Chef der Vatikanbank, Ernst von Freyberg, versprach, das Geldinstitut aus den Negativschlagzeilen zu bringen.

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Leserkommentare
  1. Irgendetwas stimmt da nicht: ein Bischof, der als Buchhalter im Vatikan arbeitet? Das ist sehr unwahrscheinlich. Ob es da Probleme mit den Namen und entsprechende Verwechselungen gibt?

  2. sehr genau hingesehen werden: "Auch soll Sacarno 600.000 Euro" - ist das jetzt Scarano oder ein neuer Mensch?

  3. anscheinend Italiener soweit bekannt. Wer weiss welche Partei oder Organisation dahinter steckt.

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    ... auf Stammtischniveau.
    Machen Sie doch Ihre Voreingenommenheit deutlich: "Alle Italiener sind Mafiosi". Sonst scheuen Sie sich doch auch nicht...
    Hätte es einen ähnlichen Kommentar gegeben, wenn es jemand aus der Deutschen Bank betroffen hätte? Man weiß es nicht.

    Fakt ist, dass die Gier des Einzelnen auch in religiösen Strukturen präsent ist. Das ist aber nichts neues.

    ja, wer weiß...was sollte man Ihnen sonst antworten...meine Güte hey... mindesten Augenrollen um 360°...

    • wauz
    • 28. Juni 2013 12:50 Uhr

    Es fängt damit an, dass es keine Vatikan-Bank gibt: das Institut für religiöse Werke (IOR) hat keine Zulassung als Bank. Es ist eine (relativ) kleine Finanzfirma von, nun, man kann es nicht anders sagen, zweifelhaftem Ruf. Große Kritik hat sich daran entzündet, dass eben in dieser Firma Geistliche ohne allzuviel Fachausbildung an entscheidenden Stellen sitzen. Wobei auf der anderen Seite es auch jede Menge Priester gibt, die mehr als nur ein Theologiestudium absolviert haben. Die Rechnung: Priester = deppert geht also nicht auf.
    Man sieht es an der Form des Artikels (Artikel über einen Artikel einer anderen Zeitung) dass hier Recherche nicht stattgefunden hat.
    Eigentlich ziemlich peinlich, für die "Zeit".

    2 Leserempfehlungen
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    • postit
    • 28. Juni 2013 13:02 Uhr

    soll er gar nicht der Bischof von Salerno sein, hat der Spiegel hinterherdementiert...

    postit

    • postit
    • 28. Juni 2013 13:02 Uhr

    soll er gar nicht der Bischof von Salerno sein, hat der Spiegel hinterherdementiert...

    postit

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist er auch nicht. Der Bischof von Salerno heißt Moretti, einen Weihbischof gibt es IMHO dort nicht. Gut abgeschrieben, statt zu recherchieren... Mir wäre auch neu, dass die Vatikanbank jetzt schon als Titularkirche dient..

  4. ist er auch nicht. Der Bischof von Salerno heißt Moretti, einen Weihbischof gibt es IMHO dort nicht. Gut abgeschrieben, statt zu recherchieren... Mir wäre auch neu, dass die Vatikanbank jetzt schon als Titularkirche dient..

    Antwort auf "Und außerdem"
    • star
    • 28. Juni 2013 13:10 Uhr

    Verrat jesuanischer Vorgaben

    Dass Vertreter der Amtskirche sich zwar immer wieder auf Jesus als Urgrund ihres Glaubens berufen, von diesem jedoch in nicht seltenen Fällen im konkreten Alltag (im Gegensatz zu den Sonntagspredigten) immer wieder in astronomischen Weiten entfernen, macht das jetzt der Öffentlichkeit zugeführte Beispiel aus Salerno deutlich. All die hehren Anforderungen (z. B. Pflichtzölibat), juristischen Verboten (Frauenordination) und moralischen Messlatten (vgl. Pädophilieverbrechen von Klerikern) zerplatzen immer wieder wie eine Seifenblase. Die Dissonanzen zwischen Worten und Taten hat die kath. Kirche in ihrer gesamten Geschichte nie schließen können.

    Wie wohltuend wäre es, wenn sie sich gegenüber Querdenkern nicht von einem hohen Ross herablassend und ausgrenzend verhielte, sondern einfach nur barmherzig. Barmherzigkeit – das wäre eine wahrhaft jesuanische Tugend. Doch für viele Amtskirchenvertreter würde das ein Verlust an Macht und Herrschaft bedeuten – und das geht in den Augen dieser Kirchenvertreter auf keinen Fall!

    Teil 2 folgt

    • star
    • 28. Juni 2013 13:11 Uhr

    Auf Jesus können sich Vertreter der Amtskirche mit solchen Handlungsstrategien – wie in Salerno praktiziert – auf keinen Fall berufen; denn in den Evangelien wird Jesus mit folgenden Worten zitiert:

    Bei Mt 6,19-20 lese ich:

    „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.“

    Joh. 2,13-16

    […] weil das Osterfest der Juden nahe bevorstand, zog Jesus nach Jerusalem hinauf. Er fand dort im Tempel die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler sitzen. Da flocht er sich eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle samt ihren Schafen und Rindern aus dem Tempel hinaus, verschüttete den Wechslern das Geld und stieß ihre Tische um und rief den Taubenhändlern zu: ‚Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!‘“

    Paul Haverkamp, Lingen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, AP, Reuters, rav
  • Schlagworte Ermittlung | Europarat | Finanzbehörde | Franziskus | Immobilienkredit | Justiz
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