VatikanbankEin Schweizer versucht die Finanzen des Vatikans zu ordnen

Die Vatikanbank ist auf Grund ihrer dunklen Geschäfte verrufen. Der Schweizer René Brülhart will nun für mehr Transparenz sorgen. von Paul Kreiner

René Brülhart leitet seit einem halben Jahr die vatikanische Finanzaufsicht.

René Brülhart leitet seit einem halben Jahr die vatikanische Finanzaufsicht.  |  © Alessandro Bianchi/Reuters

Für die kleine Finanzwelt um den Papst herum hatte das Jahr auf beschämende Weise begonnen: Zehntausende Besucher der Vatikanischen Museen, der Apotheke, der Post und der Buchhandlung konnten auf einmal nicht mehr mit Karte zahlen. Und über die Medien sah sich der Kirchenstaat vor der Welt bloßgestellt: Die Notenbank Italiens, so hieß es, habe nationalen Geldinstituten den Betrieb elektronischer Zahlungsautomaten auf dem fremden Staatsgebiet untersagt; der Vatikan halte die gemein-europäischen Regeln gegen Geldwäsche nicht hinreichend ein.

Neben den laufenden Berichten in italienischen Medien über einschlägige Ermittlungen und Prozesse, über dubiose Geschäftskontakte von Unternehmern und Politikern zur Papstbank IOR tauchten im kollektiven Gedächtnis schnell all die Skandale wieder auf, in die dieses Institut für Religiöse Werke schon verwickelt war. Und einige dazugehörige, bis heute ungeklärte Todesfälle.

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Dabei hatte schon Moneyval, das Prüfinstitut des Europarats, im Juli 2012 festgestellt, dass der Vatikan neun von 16 zentralen Transparenzkriterien zur Gänze, und nur sieben teilweise oder gar nicht erfüllt; besser steht Italien auch nicht da. Es gebe "kritische Punkte", merkte Moneyval an. Aber seit am 1. April 2011 das Grundlagengesetz von Benedikt XVI. "gegen Geldwäsche und die Finanzierung des internationalen Terrorismus" in Kraft getreten sei, habe der Vatikan "eine große Strecke Wegs in kurzer Zeit zurückgelegt".

"Da gehen wir weiter", sagt René Brülhart jetzt, "und in sehr, sehr wenigen Monaten werden wir alle Empfehlungen umgesetzt haben". Brülhart leitet seit einem halben Jahr die AIF, die von Benedikt XVI. eingerichtete Vatikanische Finanzaufsicht. Der Schweizer ist ein Außenseiter, wie ihn der Vatikan bisher nicht gesehen hat. Der gut 40-jährige Finanzexperte gilt als James Bond in der weltweiten Aufdeckung und Bekämpfung von illegalen, auch mafiösen Geldströmen: Liechtenstein hat er salonfähig gemacht, an der Aufklärung des Siemens-Bestechungsskandals und der Steuerhinterziehung von Ex-Postchef Klaus Zumwinkel war er beteiligt; er war Vizechef der "Egmont- Gruppe", des internationalen Zusammenschlusses nationaler Finanzkontrollbehörden. Unlängst legte Brülhart seinen ersten Jahresbericht für den Vatikan vor. So viel Transparenz war dort noch nie.

Sechs verdächtige Geldströme hat die AIF demnach 2012 registriert, sechsmal mehr als 2011, und im laufenden Jahr ist mit noch mehr Auffälligkeiten zu rechnen. "Das zeigt, dass das neue Meldesystem begonnen hat zu funktionieren", sagt Brülhart. Zwei der Geldwäsche verdächtige Manöver hat die AIF 2012 an die vatikaneigene Staatsanwaltschaft weitergereicht; Details dazu nennt Brülhart nicht.

Die frisch aufgebaute AIF mit ihren sieben Beschäftigten fungiert auch als Kontrollgremium für das IOR, die Vatikanbank. Nachdem diese den Experten von Moneyval versichert hat, man führe keine Nummern- und Geheimkonten mehr, bemüht sich Brülharts Behörde nun, den Kundenstamm "methodisch" zu durchleuchten: Wie viele von den Kirchenangehörigen, den Priestern, Bischöfen oder Ordensleuten, wie viele von den kirchlichen Verbänden oder frommen Werken, die dort ihr Geld anlegen dürfen, handeln tatsächlich in eigenem Namen? Welche von ihnen sind nur Strohmänner? Was sind mildtätige Spenden und was ist mit Geld, das vor den Steuerbehörden versteckt wurde? "Es reicht nicht, einfach nur die Pässe der Geldanleger zu kopieren und zu registrieren. Wir bemühen uns in die Tiefe zu gehen", sagt Brülhart.

Beim IOR kann Brülhart auf ein neues Gegenüber bauen: Seit Februar leitet der deutsche Finanzexperte Ernst von Freyberg das Geldinstitut; es war die letzte Personalentscheidung von Papst Benedikt XVI. Trotzdem gab es in den Diskussionen der Kardinäle vor dem Konklave heftigen Unmut. Nicht nur darüber, dass Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone den aus fünf Kardinälen bestehenden Aufsichtsrat vor jeder Prüfung um fünf weitere Jahre im Amt bestätigt hat. Auch wollte der Vatikan offenbar jede Diskussion um das IOR verhindern: Die von den Kardinälen der Weltkirche dringend erbetene Unterrichtung über die Vorgänge dort fand buchstäblich in letzter Minute statt, als alle in Gedanken schon bei der Wahl des neuen Papstes waren.

Für das Betreiben der Geldautomaten hat der Vatikan übrigens inzwischen eine Partnerbank aus der Schweiz gefunden. Mit den Italienern, sagt Brülhart, befinde man sich "in konstruktivem Dialog". Mit anderen Worten: Da harrt noch einiges der Klärung.

Erschienen im Tagesspiegel

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