AtommüllGericht entzieht Brunsbüttel Genehmigung als Zwischenlager

Der Weiterbetrieb des Castor-Zwischenlagers im Nordwesten ist fraglich: Ein Gericht hat die Genehmigung aberkannt. Damit ist auch der Atommüll-Konsens gefährdet.

Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hat die Genehmigung für das atomare Zwischenlager Brunsbüttel in Schleswig-Holstein aufgehoben. Das Gericht gab der Klage eines Anwohners gegen die vom Bundesamt für Strahlenschutz erteilte Genehmigung statt.

Der Anwohner hatte gegen die 2003 erteilte Genehmigung geklagt, da er beim Schutzkonzept Gefahren für nicht hinreichend berücksichtigt hält, etwa ein gezielter Terrorangriff mit einem Riesenflieger wie dem Airbus A380. Der Leiter des Zwischenlagers hielt dagegen, Terroristen könnten Brunsbüttel schon wegen umliegender Windräder und Freileitungen für einen gezielten Treffer nicht anfliegen. 

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Das Gericht begründete seine Entscheidung mit mehreren Ermittlungs- und Bewertungsdefiziten der Genehmigungsbehörde. So habe es das Bundesamt unter anderem versäumt, die Folgen eines Absturzes eines Airbus A380 auf das Zwischenlager vor der Genehmigungserteilung zu ermitteln, obwohl die erforderlichen Daten vorgelegen hätten.

Beschwerde möglich

Mit dem Urteil steht der Endlager-Konsens von Bund und Ländern infrage: Denn Brunsbüttel ist für die Aufnahme einiger der 26 Castor-Behälter aus der Atommüll-Wiederaufarbeitung im Ausland im Gespräch. Mit Brunsbüttel und Philippsburg (Baden-Württemberg) gibt es bereits zwei Lageroptionen, nötig ist aber noch eine dritte. Ursprünglich sollte der Bundesrat das Endlager-Gesetz noch vor der Sommerpause billigen.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte ZEIT ONLINE, das Bundesamt für Strahlenschutz werde wohl gegen das Urteil Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen. Ein möglich Grund dafür könnte die Nichtzulassung der Revision an das Bundesverwaltungsgericht sein.

Das Zwischenlager wurde am 28. November 2003 genehmigt. Am 5. Februar 2006 lagerten die Betreiber den ersten Atommüll-Behälter ein. Die Laufzeit des Zwischenlagers beträgt maximal 40 Jahre.

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Leserkommentare
  1. Der Link dazu funktioniert nicht.

    Eine sehr schöne Versinnbildlichung für die nicht-Existenz eines Konsens?!

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  2. Wieder mal ein Erbe aus RotGrüner Zeit.
    Ohnehin hat es lange gedauert, bis ein Gericht die mangelnde Sicherheit der Zwischenlager an AKW-Standorten festgestellt hat. Trittin hat damals die Sicherheitsbedenken schlicht unter den Tisch fallen lassen.
    Das einzig sichere Zwischenlager wäre Gorleben - aber das ist ja out.

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  3. Früher oder später wird sich neben jedem ehemaligen Atomkraftwerk ein Zwischenlager befinden, welche dann schleichend zu einer Art vorläufigem Endlager mutieren werden. Die Bundesregierung muss der EU bis 2015 ein Konzept zur endgültigen Entsorgung von Atommüll vorlegen.Und da nicht damit zu rechnen ist, daß in 2 Jahren ein Beschluss etwa zu Gorleben vorliegt, wird z.B. das Zwischenlager Nord, nebenn dem ehemaligen DDR-KKW in Lubmin als unbefristetes Endlager herhalten, damit der Bund überhaupt ein Konzept vorlegen kann.

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  4. muss wenigstens bis dahin konsequent die Produktion weiteren Mülls gestoppt werden.

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  5. Ein terroristisch missbrauchter Airbus hätte schlimme Folgen. Vor allem würde die ca. 300 Passagiere und ein paar der Zwischenlagermitarbeiter daduruch sterben.

    Die Strahlenbelastung durch ein paar herumgewirbelte Kastoren wäre dagegen nur gering. Für eine Atomare Kettenreaktion würde es nicht reichen. Die dabei in die Atmosphäre freigesetzte Strahlung durch die Flugzeugsexplosion wäre mäßig.

    Anders gesagt: wenn ein Terrorist ein Zwischenlager statt eines Fußballstadions anfliegt, richtet er definitiv weniger Schaden an.

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    Eine Freisetzung von Radioaktivität aus Castorbehältern ist wirklich nicht zu erwarten.Die Behälter werden strengsten Tests unterzogen, Aufschlagtests bis aus 40 m Höhe, Brandtests bei denen der Castorbehälter Temperaturen von mehr als 1200°C ausgesetzt wird. Eine hunderprozentige Sicherheit, dass so ein Castor auch einige Hundert Jahre dicht hält, gibt es allerrdings nicht.

    • GDH
    • 19. Juni 2013 19:43 Uhr

    Solange nicht die Kastoren kaputgehen und sich in der Folge der Inhalt (vielleicht durch einen Brand - Flugzeuge führen ja erhebliche Mengen Kraftstoff mit) sich in der Umgebung verteilt, haben Sie recht. Gut verteilt reicht der Inhalt der Kastoren (darin werden alte Brennelemente und so leckeres Zeug aufbewahrt) aber aus um ganz erhebliche Verseuchung anzurichten.

    Ich habe den Artikel so verstanden, dass genau das (zumindest nach Meinung des Gerichts) nicht auszuschließen ist. Jedenfalls wäre die Begründung "ein Flugzeugabsturz würde zwar nicht zum Austreten radioaktiver Stoffe auf den Behältern führen aber das Lager ist dagegen nicht genug gesichert" ziemlich abwegig.

  6. Ich kann dem Kommentar 5 nur zustimmen.

    Soll hier wirklich ein gezielter Angriff gerade eines A380 der Aufhänger für solch ein Urteil sein? Wird dann das nächste potentielle Lager, welches Flugabwehrraketen bekommen, ebenfalls abgelehnt, weil es keine Laserkanone gegen einen Meteoriteneinschlag oder Angriff von Außerirdischen besitzt?

    Ich weiß daß man auch unwahrscheinliche Risiken abdecken sollte und, daß kein Mensch wirklich solch ein Lager in der Nähe haben möchte, aber diese Form der Ausrede wird langsam absurd.

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  7. Eine Freisetzung von Radioaktivität aus Castorbehältern ist wirklich nicht zu erwarten.Die Behälter werden strengsten Tests unterzogen, Aufschlagtests bis aus 40 m Höhe, Brandtests bei denen der Castorbehälter Temperaturen von mehr als 1200°C ausgesetzt wird. Eine hunderprozentige Sicherheit, dass so ein Castor auch einige Hundert Jahre dicht hält, gibt es allerrdings nicht.

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  8. Seit der rot-grünen Atomrechtsnovelle aus der Schröder-Ära setzt man auf dezentrale oberirdische Zwischenlager an den Kraftwerkstandorten. Mir hat noch keiner so recht klarmachen können, wozu wir die damit verbundenen Zusatzrisiken in Kauf nehmen müssen. Einzige Erklärung: Hauptsache nicht nach Gorleben, koste es, was es wolle

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Airbus | Gericht | Atommüll | Brunsbüttel | Bundesrat | Bundesverwaltungsgericht
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