Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hat die Genehmigung für das atomare Zwischenlager Brunsbüttel in Schleswig-Holstein aufgehoben. Das Gericht gab der Klage eines Anwohners gegen die vom Bundesamt für Strahlenschutz erteilte Genehmigung statt.

Atommüll-Endlager - Wohin mit dem Atommüll? ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Endlagersuche Seit fast 50 Jahren streitet Deutschland um mittlerweile mehr als 12.000 Tonnen strahlendes Material, das sicher untergebracht werden muss. ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Suche nach einem geeigneten Endlager.

Der Anwohner hatte gegen die 2003 erteilte Genehmigung geklagt, da er beim Schutzkonzept Gefahren für nicht hinreichend berücksichtigt hält, etwa ein gezielter Terrorangriff mit einem Riesenflieger wie dem Airbus A380. Der Leiter des Zwischenlagers hielt dagegen, Terroristen könnten Brunsbüttel schon wegen umliegender Windräder und Freileitungen für einen gezielten Treffer nicht anfliegen. 

Das Gericht begründete seine Entscheidung mit mehreren Ermittlungs- und Bewertungsdefiziten der Genehmigungsbehörde. So habe es das Bundesamt unter anderem versäumt, die Folgen eines Absturzes eines Airbus A380 auf das Zwischenlager vor der Genehmigungserteilung zu ermitteln, obwohl die erforderlichen Daten vorgelegen hätten.

Beschwerde möglich

Mit dem Urteil steht der Endlager-Konsens von Bund und Ländern infrage: Denn Brunsbüttel ist für die Aufnahme einiger der 26 Castor-Behälter aus der Atommüll-Wiederaufarbeitung im Ausland im Gespräch. Mit Brunsbüttel und Philippsburg (Baden-Württemberg) gibt es bereits zwei Lageroptionen, nötig ist aber noch eine dritte. Ursprünglich sollte der Bundesrat das Endlager-Gesetz noch vor der Sommerpause billigen.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte ZEIT ONLINE, das Bundesamt für Strahlenschutz werde wohl gegen das Urteil Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen. Ein möglich Grund dafür könnte die Nichtzulassung der Revision an das Bundesverwaltungsgericht sein.

Das Zwischenlager wurde am 28. November 2003 genehmigt. Am 5. Februar 2006 lagerten die Betreiber den ersten Atommüll-Behälter ein. Die Laufzeit des Zwischenlagers beträgt maximal 40 Jahre.