Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte einem Zeitungsbericht zufolge bald dem Vorbild der US-Notenbank Fed und der Bank von England folgen und ebenfalls die Sitzungsprotokolle veröffentlichen. Das sagten die beiden EZB-Direktoriumsmitglieder Jörg Asmussen und Benoit Coeure der Süddeutschen Zeitung und Le Figaro. Die Protokolle sollten enthalten, wer für was gestimmt habe und mit welcher Begründung, sagte Asmussen.

Die EZB hält bisher ihre Sitzungsprotokolle geheim. EZB-Chef Mario Draghi stellt sich aber traditionell nach einem Zinsentscheid in einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten. Die Veröffentlichung der Protokolle ist der Zeitung zufolge umstritten, da gefürchtet werde, dass nach der Veröffentlichung der Druck der Lobby und der Politik auf einzelne EZB-Vertreter steigen könnte.

Asmussen und Coeure forderten zudem mehr Transparenz, wenn die EZB im kommenden Jahr die Aufsicht über die 130 größten Banken der Euro-Zone übernimmt. Die Notenbank-Vertreter sollten sich dann im Europäischen Parlament rechtfertigen müssen, sagte Asmussen. Es sei im Interesse der EZB, die größtmögliche Rechenschaftspflicht und demokratische Kontrolle durch das Europäische Parlament zu haben. 

Weil die Bankenaufsicht im Falle einer Restrukturierung zur Belastung der öffentlichen Haushalte führen könne, sei bei der Aufsicht eine stärkere Rechenschaftspflicht nötig als bei der Geldpolitik, sagte Coeure. Die EZB wolle zudem die Bankbilanzen überprüfen, bevor die Aufsicht starte. Dies werde Anfang kommenden Jahres beginnen.