Leute wie Naguib Sawiris waren einst eine Bedrohung für Ägyptens Generäle. In diesem Sommer aber arbeiteten der Millionär und die Offiziere für das gleiche Ziel: Sie wollten den Präsidenten Mohammed Mursi stürzen. Für Sawiris ging es ums Geschäft, für die Generäle um die Stabilität im Land, ihre politische Macht – und um wirtschaftliche Pfründe.

Dabei waren die Unternehmerfamilie Sawiris und die Militärs früher Konkurrenten. Als der Aufstieg der einen begann, herrschten die anderen schon längst über ein Riesenreich an Unternehmen. Während die wirtschaftliche Liberalisierung unter Präsident Hosni Mubarak den Aufstieg der Sawiris und weniger anderer Unternehmer beförderte, begriffen die Generäle die damalige Öffnung als Angriff auf ihre Macht.

Beide, Privatunternehmer und Militärs, waren durch ihre engen Beziehungen zum Präsidenten erfolgreich. Der entscheidende Unterschied: Der Regierungschef war viel abhängiger von den Generälen als sie von ihm. Im Frühjahr 2011 jagten sie Mubarak aus dem Amt, und jetzt stürzten sie Mohammed Mursi. Der Kopte Naguib Sawiris aber brachte sein Vermögen nach dem Wahlsieg des Muslimbruders ins Ausland. Erst jetzt holt er es wieder zurück.

Militärische Schattenwirtschaft

Die Armee gehört bis heute zu den einflussreichsten wirtschaftlichen Akteuren Ägyptens. Sie hat es durch alle Umbrüche geschafft, ihre Interessen zu bewahren. Wie groß ihr Imperium wirklich ist, weiß niemand. In der Öffentlichkeit zirkulieren wilde Schätzungen. Mal heißt es, das Militär kontrolliere 40 Prozent der ägyptischen Wirtschaft, mal sind es nur fünf Prozent. 

Dass die Generäle ökonomisch mächtig sind, ist im Alltag der Ägypter nicht zu übersehen. Die Firmen des Militärs handeln mit Nudeln, Mineralwasser und Kleidungsstücken. Wenn Grundnahrungsmittel knapp werden, backen die Soldaten Brot und bringen es zu den Armen, um Unruhen zu vermeiden. In den Armeebetrieben werden Küchengeräte hergestellt, Autos montiert und wird Haushaltsgas in Flaschen gefüllt. Das Militär baut Straßen, betreibt Tankstellen und Hochzeitssalons und besitzt Kairos wertvollste Grundstücke.

Vor allem aber investieren die Generäle in die strategisch wichtigsten Wirtschaftsbereiche des Landes. Sie bauen Häfen, besitzen Touristenzentren und landwirtschaftliche Betriebe; und sie stecken ihr Geld in Ölkonzerne sowie Firmen, die ihr Geschäft mit erneuerbaren Energien machen.

Viel mehr ist nicht bekannt. Wer über die Geschäfte der Militärs berichtet, könne dafür im Gefängnis landen, schreiben die Politikwissenschaftler Shana Marshall und Joshua Stacher in einem Report für den US-Thinktank Middle East Research and Information Project.