Führungswechsel bei SiemensCromme kämpft um seine Macht

Vor sechs Jahren holte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme Peter Löscher an die Spitze von Siemens. Nun wirft er ihn raus, um seine Macht zu erhalten. von Kai Portmann

Als der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme im Juli 2007 den Österreicher Peter Löscher als neuen Konzernchef präsentierte, war der Kärntner in Deutschland allenfalls Fachleuten ein Begriff. Vom Arzneimittelhersteller Merck kommend, sollte Löscher im Auftrag von Cromme bei Siemens nach einem massiven Schmiergeldskandal kräftig aufräumen. Als erster externer Manager an der Konzernspitze galt Löscher dafür dem Strippenzieher Cromme als der richtige Mann.

Löscher machte seine Arbeit als Korruptionsbekämpfer ausgezeichnet. Doch nach dem gelungenen Start sank sein Stern bei Siemens zuletzt immer schneller. Grund dafür waren ständig neue Hiobsbotschaften aus München. Neue ICE-Züge von Siemens für die Deutsche Bahn kamen nicht auf die Schiene. Der Anschluss von Windparks in der Nordsee stockte. Siemens stieg aus dem verlustreichen Solargeschäft aus, in das der Konzern Millionen investiert hatte. Und immer wieder musste Löscher die Gewinnziele von Siemens kürzen – zuletzt am vergangenen Donnerstag.

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Für Chefaufseher Cromme war nun offenbar das Maß voll. Zwar gab sich Löscher, der mit seinem möglichen Rauswurf rechnen musste, kämpferisch und kündigte in der Süddeutschen Zeitung an, nicht aufgeben zu wollen. "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je", sagte er in seinem letzten Interview als Siemens-Chef. Doch Cromme setzte sich durch, Löscher muss gehen. Letztlich ging es bei der Ablösung von Löscher durch Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser auch um die Macht des Chefaufsehers, der lange Zeit als unantastbar schien.

Strippenzieher Cromme verliert an Einfluss

Im März musste Cromme nach heftiger Kritik von Aktionären und Aktionärsschützern seinen Posten als Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp räumen. Cromme wurde vorgeworfen, zu lange gezögert zu haben und somit eine Mitverantwortung an milliardenteurem Missmanagement, Kartellverstößen und anderen Fehlern zu tragen. Auch seinen Traum von der Führung der mächtigen Krupp-Stiftung in der Nachfolge von Berthold Beitz gab Cromme auf. 

Damit schwand sein Einfluss in der deutschen Wirtschaft. Schnell wurden zudem Rufe laut, Cromme solle ebenfalls bei Siemens zurücktreten, denn mit einem so angeschlagenen Aufsichtsratschef sei es fraglich, dass der Konzern seine Probleme in den Griff bekommen könne. Der Rauswurf Löschers dürfte insofern ein Versuch Crommes sein, seine Position zunächst einmal zu halten.

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Leserkommentare
  1. Wieviel persönliche Eitelkeit darf bei der Besetzung der Führungspositionen eines so bedeutenden Konzerns eine Rolle spielen?

    Cromme hat doch bereit bei Thyssen-Krupp bewiesen, daß ihm Weitblick und Kompentenz für solche Führungsaufgaben jedenfalls heute fehlen.

    Das kann doch nicht nach dem Motto gehen, "ach das können wir doch unserem alten Kumpel nicht antun", denn ""morgen trifft's vielleicht mich".

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    ... gegen den Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Der Mann hat sicherlich seine Verdienste, die liegen allerdings schon lange zurück.

  2. .
    auf die idee muss man kommen,für einen hitec-konzern den ar-chef von einem stahlkocher zu holen-warum nicht gleich coca -cola

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    ... der bei Coke arbeiten will, muss drei Monate auf den Bock ! Jeder ! Das ist Firmenphillosophie !
    Kann sich irgend jemand den Cromme als Auslieferungsfahrer o.Ä. vorstellen ? Auch bezweifele ich, daß sie ihn nehmen würden !

    >> warum nicht gleich coca -cola <<

    ... nicht Coca Cola? Der Betriebswirt an sich ist einfach ein Allround-Könner, der managt alles - in Grund und Boden.

    • joG2.0
    • 28. Juli 2013 11:27 Uhr

    .....der deutschen Industrie und gefeiert als erfolgreicher und ehrlicher Wirtschaftskapitän. In der Zwischenzeit hat sich das offenbar sehr relativiert, aber was genau Sache war in seinem Tun, ist im Nebel deutscher Intransparenz versteckt und wird es wohl auch bleiben. Ich wundere mich jedoch, dass er noch immer mitbestimmen darf.

    Dass Siemens noch einen weiten Weg hat seine Fehlentwicklungen und Strukturschwächen aus der Zeit als Monopolist und unter der Hand erkaufter Gewinne ist klar. Neue Geschäftsmodelle für eine ganze Gruppe sind nicht einfach zu implementieren und oft schafft man es gar nicht. Oft ist es besser die Unternehmung zu zerschlagen wie bei der Bayernhyp oder WestLB.

  3. ... der bei Coke arbeiten will, muss drei Monate auf den Bock ! Jeder ! Das ist Firmenphillosophie !
    Kann sich irgend jemand den Cromme als Auslieferungsfahrer o.Ä. vorstellen ? Auch bezweifele ich, daß sie ihn nehmen würden !

    4 Leserempfehlungen
  4. >> warum nicht gleich coca -cola <<

    ... nicht Coca Cola? Der Betriebswirt an sich ist einfach ein Allround-Könner, der managt alles - in Grund und Boden.

    2 Leserempfehlungen
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    Cromme ist Jurist.

  5. ist es wirklich so elementar wichtig, wer denn nun in einem dieser Konzerne die Gehaltsliste anführt? Dass das Thema seit drei Tagen prominent durch die Gazetten geistert?

    Falls Firmen mit -zig-tausenden Beschäftigten sich tatsächlich so abhängig von Einzelnen in der Führungsetage gemacht haben sollten, dann läuft da sowieso was schief.

    2 Leserempfehlungen
  6. Bei einem Unternehmen mit hohem Streubesitzanteil, bei Siemens fast 84% und der Familie Siemens als größten Aktionär mit gerade mal 6%, ist das Unternehmen faktisch das "Eigentum" des Aufsichtsrats, der auf der Hauptversammlung meist seine Wünsche durchdrücken kann.

    2 Leserempfehlungen
  7. der " Energiewende". Physical und political correctness widersprechen sich, deswegen hat sich Siemens verheddert. Hoffentlich geht der Konzern und seine Arbeitsplätze nicht kaputt am Klimagedöns der Physikerin Merkel, das nur aus wahltaktischen Gründen veranstaltet wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Gerhard Cromme | Peter Löscher | Siemens AG | Berthold Beitz | Deutsche Bahn | Merck
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