Heizkosten : Dämmen, isolieren, abdichten

Wer im Winter Heizkosten sparen will, muss im Sommer sanieren. Energieberater sind deshalb derzeit gefragt wie nie. Catalina Schröder hat eine von ihnen begleitet.
Besser gedämmt, mit Solarzellen auf dem Dach und an den Wänden: Dieses Wohnhaus in Ludwigshafen wurde schon im Jahr 2007 so saniert, dass die Heizkosten angeblich auf nahezu Null sanken. © Ralph Orlowski/Getty Images

Dichter Frühnebel hängt über den Vorgärten der Wohnsiedlung im Hamburger Norden, als Energieberaterin Jennifer Kreibich ihren silbernen Kombi vor dem Haus ihres ersten Kunden parkt. Kreibich nimmt einen Notizblock und einen Kugelschreiber aus dem Handschuhfach, wirft einen kurzen Blick in den Rückspiegel und steigt aus dem Auto. Aus dem Kofferraum holt sie einen Koffer mit einem Feuchtigkeitsmesser. 

In ihren Turnschuhen, den dunklen Jeans und der schwarzen Fleecejacke sieht sie aus wie eine, die zupacken kann und keine Angst vor Dreck hat. Eine wichtige Voraussetzung für ihren Job: Als Energieberaterin klettert sie auf der Suche nach undichten Fenstern und feuchten Wänden ständig auf die Dachböden ihrer Kunden und steigt in muffige Heizungskeller hinab.

Kreibich ist 28 Jahre alt, hat Bausanierung studiert und ist seit fünf Jahren Geschäftsführerin des Energie und Thermografie Centrum Hamburg. Sie mag es, wie ein Detektiv jedes Detail eines Hauses zu untersuchen und die Stellen zu enttarnen, die hohe Heizkosten oder Schimmel verursachen. Und sie ist fasziniert davon, wie mit neuer  Heiztechnik auch alte Häuser immer hochwertiger aufgerüstet werden können. "Es gibt kaum eine Branche, in der sich die Technik so schnell verändert", sagt Kreibich.

Energiekosten stiegen um 84 Prozent

Energieberater wie sie sind momentan extrem gefragt. Laut Bundesverband der Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH) stieg die Zahl ihrer Aufträge im vergangenen Dreivierteljahr um rund 15 Prozent. Grund dafür sind die steigenden Energiepreise: Nach einer Hochrechnung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen von Ende Februar muss eine Durchschnittsfamilie in diesem Jahr insgesamt rund 5.079 Euro für Benzin, Heizöl und Strom ausgeben. Vor fünf Jahren waren es noch 3.718 Euro, das sind 34 Prozent weniger. Vergleicht man die heutigen Ausgaben mit dem Jahr 2000, sind die Kosten sogar um knapp 84 Prozent gestiegen. Für viele Privathaushalte und Unternehmen ist das eine starke Belastung.

Auch Hauseigentümer Jens Krause beschäftigt seit Monaten die Frage, wie er die Energiekosten seines Hauses in den Griff bekommen kann. Die rot geklinkerte Doppelhaushälfte im Hamburger Norden ist seit 27 Jahren sein Zuhause. Als Grundschüler zog er mit seinen Eltern ein, heute wohnt der Wirtschaftsingenieur hier mit seiner Frau und drei Kindern. Von Energieberaterin Jennifer Kreibich erhofft er sich Vorschläge, wie seine Familie künftig sparen kann. "Wir wollen etwas machen, ohne Geld zum Fenster rauszuwerfen", sagt Krause.

Jeder kann Energieberater sein

Energieberatungen kann in Deutschland grundsätzlich jeder anbieten, der Beruf ist nicht geschützt. Qualifizierte Berater findet man bei Organisationen und Verbänden, die eigene Zertifikate vergeben. Dazu gehören die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Deutsche Energieagentur (Dena), das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), viele Verbraucherzentralen und Handwerkskammern. Berater mit einem dieser Zertifikate sind meistens Ingenieure oder haben wie Jennifer Kreibich Bausanierung studiert. Ihr Unternehmen hat alle genannten Zertifikate – ein Grund für ihre gute Auftragslage. "Auch ein Dachdecker kann eine Beratung anbieten", erklärt Peter Britz, Professor für rationelle Energieverwendung an der Fachhochschule Hamm-Lippstadt. "Vermutlich wird er aber nur Vorschläge zur Sanierung Ihres Daches machen und nicht auf Ihre Heizung, die Fenster oder die Außenwände schauen."

Wenn Kreibich einen Kunden besucht, schaut sie sich zunächst das ganze Haus an. Vom Keller bis zum Dachboden misst sie die Feuchtigkeit in den Wänden, prüft, ob Heizungsrohre gut isoliert sind und sucht an Türen, Fenstern und dem Dach nach schlecht abgedichteten Stellen und Schimmel.

Für den Rundgang mit Jens Krause steckt sie den Feuchtigkeitsmesser griffbereit in die rechte Tasche ihrer Fleecejacke. In der linken Hand hält sie den Block, auf dem sie alle Schwachstellen notiert. Los geht es im Keller: Die Heizung stammt noch aus dem Baujahr, 27 Jahre ist sie alt. Eine moderne Anlage würde weniger Energie verlieren und Heizkosten sparen. Einen Raum weiter, im Wäsche- und Werkkeller, entdeckt Kreibich Schimmel an den Wänden. "Die Wand ist nicht gut genug gedämmt", sagt sie und fährt mit der Hand an der Wand entlang.

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