O2/E-Plus-Fusion : Weniger Wettbewerb, weniger Preisdruck

Klappt der E-Plus-Deal, hat Deutschland einen neuen Marktführer. Die Branche freut sich über weniger Konkurrenz.
Firmenzentrale von E-Plus in Düsseldorf © Martin Meissner/AP

Fünf Milliarden Euro in bar will der spanische Telefónica-Konzern für E-Plus zahlen – und geben die Kartellbehörden ihr Okay, dann wird der deutsche Mobilfunkmarkt aufgemischt. Ein neuer Marktführer mit 43 Millionen Handy-Anschlüssen entsteht. Die Deutsche Telekom würde mit 37 Millionen Anschlüssen zur Nummer Zwei degradiert, ihr größter Konkurrent Vodafone mit zuletzt 32,4 Millionen Kunden wäre der kleinste Anbieter im Feld.

Drei Mobilfunkgiganten könnten sich also zukünftig den deutschen Markt aufteilen. Weitere Zusammenschlüsse wären wettbewerbsrechtlich kaum noch möglich, sagt Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company. Für den deutschen Mobilfunkmarkt, der längst mehr Handys als Einwohner zählt, sei die Megafusion keine schlechte Nachricht. Zu viele Anbieter wären industriepolitisch nicht sinnvoll, glaubt Friedrich: "Deutschland braucht als Volkswirtschaft dringend eine flächendeckende, digitale Infrastruktur." Und die lasse sich nur profitabel betreiben, wenn sie entsprechend ausgelastet sei. Davon profitierten am Ende auch die Verbraucher: "Denn sie bekommen gute Netze von Anbietern, die die Investitionen auch stemmen können."

Nicht alle Branchenfachleute teilen allerdings die Einschätzung. "Für Kunden wäre die Fusion sogar höchst zwiespältig", sagt Thomas Bradler, Telekommunikationsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Denn wenn einer der vier Netzbetreiber wegfällt, gibt es zunächst einmal weniger Wettbewerb im Markt.

Dass sich Kunden über sinkende Mobilfunkpreise freuen können, halten Fachleute daher für unwahrscheinlich. Seit Jahren liefern sich die Anbieter eine Preisschlacht, locken mit Sonderaktionen, Flatrates und kostenlosen Festnetznummern. "Die Tarife sind inzwischen so am Boden, dass nur noch wenig Spielraum für weitere Preisrunden da ist", sagt Florian Krüger, Telefonexperte beim Tarif-Vergleichsportal Verivox. Gerade E-Plus war für seine aggressiven Preisangebote bekannt. 

Zudem müssen die Anbieter massiv in ihre Netze investieren, um sie fit für die mobile Datennutzung zu machen. Zwischen 2010 und 2012 hat sich der Datenverkehr in den Handynetzen nach Angaben des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten verdoppelt. Allein im vergangen Jahr legte er um ein Drittel zu. Damit die Netze diesen zusätzlichen und stark schwankenden Verkehr aushalten, müssen die Betreiber ihre Kapazitäten regelmäßig ausbauen.

O2 und E-Plus hinken bei LTE hinterher

Helfen soll dabei der Funkstandard LTE, der noch schnellere Internet-Verbindungen zulässt. Doch gerade bei dessen Ausbau stehen O2 und E-Plus noch ganz am Anfang. Experten erwarten, dass sich der Markt hier ganz neu ausdifferenziert: In Anbieter mit hohem Qualitätsstandard und großen Bandbreiten – und solchen, die eine Basisversorgung zu günstigen Preisen sicherstellen.

Allenfalls kurzfristig könnte sich die eine Gelegenheit für Kunden ergeben: Wenn Telekom und Vodafone kurzfristig mit Kampfpreisen versuchen, von den Fusionswirren zu profitieren. Ansonsten ändert sich für Handynutzer erst einmal nichts. Auch laufende Verträge bleiben bis auf Weiteres gültig.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Da war es! Bingo!!

Wie in jedem Artikel, der irgendwie mit Wirtschaft zu tun hat muss ich unbedingt meine Bullshit-Bingo-Karte mit den Kommentaren der ersten Seite vollkriegen. Vielen Dank für den Garanten "Neoliberalismus"... immer eine sichere Bank, jetzt nur noch 15 Begriffe!
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Zum Inhalt: Meinen Sie wirklich, ein nicht funktionierendes Kartellamt wurde durch schwarz-gelb geschaffen?

5 Milliarden in Bar?

Wenn dieser Geldtransporter quer durch Europa rollt, sollten abwechselnd Kampfhubschrauber über ihm fliegen.

...mal ernsthaft...im internationalen Konzernwesen kommt Bargeld für 99% der Transaktionen nicht in Frage.

Für eine Fusion bzw. Übernahme bekommt man kein Wechselgeld vom CEO, wenn der Betrag 4.950.118.256,53€ ist und man 4.950.118.257,-€ dabei hat.