FinanzmarktFitch entzieht Frankreich die Bestnote AAA

Auch die dritte Bewertungs-Agentur hat Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft. Als Grund nannte Fitch den hohen Schuldenstand und schwache Aussichten beim Wachstum.

Sitz der Rating-Agentur Fitch in New York (Archiv)

Sitz der Rating-Agentur Fitch in New York (Archiv)  |  © Justin Lane/dpa

Die Rating-Agentur Fitch hat Frankreich bei der Kreditwürdigkeit die Bestnote aberkannt. Die Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung rechtfertigten die Bewertung AAA nicht mehr, teilte die Agentur mit. Die Kreditwürdigkeit wurde auf "AA+" herabgestuft. Die schlechten Aussichten beim Wirtschaftswachstum ließen der Regierung kaum Handlungsspielraum für die angestrebte Haushaltssanierung.

Von den drei großen Agenturen war Fitch die letzte, die Frankreich mit der Bestnote bewertet hatte. Die US-Rating-Agenturen Standard & Poor's und Moody's hatten Frankreich bereits im vergangenen Jahr die Bestnote entzogen und dies mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und fehlenden Reformen begründet. Dagegen wollte die Agentur Fitch, die sich zur Hälfte im Besitz französischer Investoren befindet, der damals neuen Regierung noch Zeit für Reformen lassen.

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Fitch begründet seine Entscheidung in erster Linie mit dem hohen Schuldenstand Frankreichs. Er werde auch auf längere Sicht nur langsam sinken. 2014 dürfte die Schuldenquote – also das Verhältnis der Schulden zur jährlichen Wirtschaftsleistung – ihren Höhepunkt mit 94 Prozent erreichen. Bis 2017 dürfte die Quote nur leicht auf 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Dies überschreite die Grenze, die Fitch mit der Bestnote für vereinbar halte. 

Zusätzlich belastet werde die Kassenlage Frankreichs durch den ungewissen Wachstumsausblick, argumentiert Fitch. Konjunkturlage und -ausblick hätten sich eingetrübt. Die Agentur verweist auf die hohe Arbeitslosigkeit, die schwache Nachfrage aus dem Ausland sowie die geringere Wettbewerbsfähigkeit. Die unter der sozialistischen Regierung angestoßenen Strukturreformen werden zwar gelobt. Fraglich seien aber deren Wirkung und Umsetzung.   

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Leserkommentare
  1. die Ratingsagenturen hätten ihr Ziel erreicht .
    Wenn die Länder sich gegenseitig bekämpfen um zu zeigen wer der Beste ist , gewinnen am ende die Banken , die mit Abwertungen sehen die Renditen für die Staatsanleihen steigen ohne ein Finger zu bewegen . Vor etwa zwei Tagen wurden die Bewertung Italiens heruntergestuft , dennoch der Absatz von Staatliche Papieren wurde überhaupt nicht beeiträchtig , auch die Renditen waren nur minimal höher , was soll es uns flustern ? Irgendjemand macht sich ein Spass und Spiel mit diese Ratings . Gehören vielleicht die Ratings A. den Banken ? Wenn ja welchen ?

    Eine Leserempfehlung
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    "Gehören vielleicht die Ratings A. den Banken ? Wenn ja welchen ?"

    Ja, die Agenturen sind im Besitz von Banken und Holdings, also keinesfalls als "objektive Gutachter" mißzuverstehen.

    Mit Druck durchgesetzt wurde die dominante Rolle der Agenturen zunächst in den USA, von dort ausgehend - wieder mit Druck - exportiert in die schöne weite Welt.

    Von den selben USA, mit denen Merkel jetzt das grandiose US-€U-Freihandelsabkommen plant.

    Sehr viel mehr zum Thema Rating:

    Hintergrund.de/Ratingagentur

  2. Die logische Folge aus der Abwertung ist, daß Deutschland auch seine Bestnote verlieren muß. Schliesslich sind wir durch Europa so verbunden, daß einer ohne den anderen nur schwer überleben kann. "Mitgefangen mitgehangen"

    Es ist aber auch zu dumm, daß die Zinsen so niedrig sind. Man weiß ja garnicht mehr wohin mit dem Geld. Jetzt sind alle Dividenden ausbezahlt und das Geld liegt brach auf irgendwelchen Zwischenkonten.
    Aktien? Zu hoch die Kurse, das rentiert sich nicht da noch mehr zu kaufen. Staatsanleihen? Entweder die sind unsicher oder man bekommt keine Zinsen dafür.
    Fonds? Die wissen auch nicht mehr als ich und wollen nur etwas von meinem Geld ab haben.
    Also, was tun? Man muß einfach die sicheren Länder unsicherer machen - und schon steigen die Zinsen.
    Dann redet GoldmanSachs mal mit seiner Ratingabteilung - und schon läuft die Sache an.

    Ok. Jetzt gehe ich Golf spielen. Man muß ja Kontakte pflegen und Geschäfte machen sich auch nicht von alleine.
    Schönes Wochende.

    2 Leserempfehlungen
  3. ... gewesen, die gern behilflich waren bei der zusammenstellung der verbrieften papiere, die die finanzmarktkrise auslösten. und noch ein tag vor der lehman-brothers pleite, hatten sie diese papiere triple A geratet - den rest kennen wir. us-amerikanische staatsanleihen sind bestens geratet, obwohl alle um die rekordverschuldung der usa wissen. übrigens, fast alle europäischen down-gerateten staaten, haben eine arbeitsmarktgesetzgebung, die der entspricht, die deutschland vor hartz IV hatte.

    das sind fiktive, alberne zahlenspielchen, ohne jeglichen realwirtschaftlichen bezug, bzw. durch ihren künstlichen stellenwert dank der basel-abkommen, selbsterfüllende prophezeiungen. wenn man schon fantasie-ratings zur funktionsweise eines staates bemüht, dann wäre doch ein bruttonationalglücks-index, wie buthan ihn ermittelt langfristig weit eher zielführend, als das von investmentbankern dominierte zahlengekleckse dieser ratingagenturen. es wäre wünschenswert, europa könnte sich davon mit dem rest der entwickelten welt emanzipieren, und würde banken wieder in die pflicht nehmen, kredite und investments selbst zu bewerten, wie vor der finanzmarktliberalisierung in europa, und der angloamerikanische finanzmarkt kann dann seine cdos, swaps, etc. mit tripple a raten und sich selbst verkaufen, bis auch diese blasen der fiktiven werte platzen.

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  4. "Gehören vielleicht die Ratings A. den Banken ? Wenn ja welchen ?"

    Ja, die Agenturen sind im Besitz von Banken und Holdings, also keinesfalls als "objektive Gutachter" mißzuverstehen.

    Mit Druck durchgesetzt wurde die dominante Rolle der Agenturen zunächst in den USA, von dort ausgehend - wieder mit Druck - exportiert in die schöne weite Welt.

    Von den selben USA, mit denen Merkel jetzt das grandiose US-€U-Freihandelsabkommen plant.

    Sehr viel mehr zum Thema Rating:

    Hintergrund.de/Ratingagentur

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, lab
  • Schlagworte Frankreich | Finanzmarkt | Agentur | Arbeitslosigkeit | Bruttoinlandsprodukt | Wirtschaftswachstum
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