Wenn Christian Kalb und Rainer Maiores auf Heldenfang gehen, verkleiden sie sich selbst als Helden. Maiores steckt dann im knallroten Anzug des blitzschnellen Superhelden "The Flash", Gesicht und Kopf werden durch eine eng anliegende, ebenfalls rote Kappe und Maske verdeckt. Kalb gibt den Batman. Die Botschaft der beiden Jungunternehmer: Jeder kann zum Held werden – beim Einkaufen im Internet über ihr Projekt Heroshopping.

Das Geschäftsmodell des Würzburger Sozialunternehmens ist so simpel wie bestechend: Heroshopping erwirtschaftet sogenannte Affiliate-Gebühren, die es anschießend vollständig für gute Zwecke spendet. Diese Gebühren sind Provisionen, die Heroshopping erhält, wenn es den rund 150 angeschlossenen Online-Shops Kunden vermittelt. Wer beispielsweise Schuhe im Netz kauft und sich von Heroshopping zu Amazon oder Adidas leiten lässt, spielt Heroshopping eine Provision zu, meist zwischen drei und zehn Prozent des Kaufpreises. Ein paar Schuhe für 100 Euro bringen also bis zu zehn Euro – ohne dass der Kunde dafür einen Cent mehr zahlt.

Das Besondere an Heroshopping: Das Unternehmen ist zwar nur eine von vielen Social-Shopping-Plattformen im Netz, aber eine der wenigen, die ihre gesamten Einnahmen an gemeinnützige Organisationen weitergibt. Sonst läuft es in der Regel anders. Die Seite Clicks4charity etwa spendet 80 Prozent der Einnahmen an gemeinnützige Organisationen. Mit den restlichen 20 Prozent werden nach eigenen Angaben laufende Kosten gedeckt und das Angebot weiter entwickelt.

Sponsoren geben Geld und Arbeit

Weil Heroshopping seine Einnahmen komplett spendet, hat es nur ehrenamtliche Mitarbeiter. Rund zehn Leute bilden den festen Kern des Teams, darunter Programmierer, Fotografen, Webdesigner. "Jeder wirft in den Topf, was er hat", erklärt Rainer Maiores. Ein Büro leistet sich Heroshopping nicht. Wenn sich das Team trifft, dann bei Maiores im Wohnzimmer, das sie "Heldenhauptquartier" nennen. Hier werden neue Projekte und Ideen besprochen. Bis zu dreißig Stunden pro Woche stecken sie neben ihrem Beruf in die Plattform. Maiores arbeitet hauptberuflich als Aufsicht in einer Spielothek, Kalb als Versicherungsberater.

Manchmal reicht ehrenamtliche Arbeit alleine aber nicht aus. "Dann suchen wir dafür Sponsoren", sagt der 33-jährige Kalb. Viele Unternehmen unterstützen Heroshopping mit Geld, eine Agentur hilft unentgeltlich bei der Öffentlichkeitsarbeit. Die Druck- und Serverkosten werden gesponsert, Materialkosten übernimmt unter anderem die Sparkasse. Und wenn Maiores, Kalb und Co. für Heroshopping unterwegs sind, dann zahlen sie die Fahrt auch mal aus eigener Tasche. Trotzdem wollen sie nichts von den Erlösen ihrer Firma behalten: "Wir wollen, dass das ganze Geld bei den Hilfsorganisationen ankommt", sagt Maiores. 

Auf ihre Idee kamen Christian Kalb und Rainer Maiores vor zwei Jahren. Mehrere Jahre lang hatten sie Produkte und eigene kleine Erfindungen auf eigene Rechnung vermarktet, darunter selbst entwickelte Skateschuhe. Weil das Marketing Geld kostete, suchten die beiden immer wieder nach Kapitalgebern. Auf der Heimfahrt von einem Investorentreffen reichte es den Unternehmern dann. "Bei solchen Veranstaltungen ist man der ewige Bittsteller", erklärt Maiores.