Praktiker-Baumarktfiliale in Kolbermoor in der Nähe von Rosenheim © Michael Dalder/Reuters

Wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit hat die Baumarktkette Praktiker ein Insolvenzverfahren beantragt. Das teilte die Praktiker AG in Hamburg mit. Der Mitteilung zufolge wurde der Antrag beim Amtsgericht Hamburg gestellt und gilt für die Praktiker- und extra-Bau+Hobby-Märkte. Das Unternehmen spricht von einer "Regelinsolvenz mit dem Ziel, einen Sanierungsplan zu erstellen". Für die Praktiker AG werde kurzfristig ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nachgereicht.

Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete die Insolvenz als Tragödie für die Mitarbeiter. Sie seien bereit gewesen, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes zu verzichten, teilte die Gewerkschaft mit. Ein entsprechender Tarifvertrag war im Oktober 2012 mit der Unternehmensführung abgeschlossen worden. Praktiker wies Ende März knapp 18.000 Vollzeitstellen aus, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben aktuell rund 20.000 Mitarbeiter, davon 12.000 im Inland.

Nicht betroffen seien die 132 Max-Bahr-Märkte und das internationale Geschäft des Konzerns, hieß es. Der Baumarktkonzern will sein Aushängeschild Max Bahr nach Möglichkeit aus der Insolvenz heraushalten. Dabei gehe es sowohl um die 78 profitablen, seit jeher unter Max Bahr geführten Märkte als auch die anderen Häuser, die erst im Zuge der Sanierung in den vergangenen Monaten von der Marke Praktiker auf Max Bahr umgeflaggt worden waren. Erstere dienen als Sicherheit für die Banken, die Praktiker im vergangenen Jahr noch einmal Kredite gegeben hatten. 

Konkurrent Obi will Praktiker nicht übernehmen. Der Chef des Handelskonzerns und Obi-Eigners Tengelmann, Karl-Erivan Haub, sagte, Obi habe allenfalls Interesse an einzelnen Standorten.