Euro-KriseStandard & Poor's stuft Italien herab

Nur noch zwei Stufen vom Ramsch-Niveau entfernt: Italiens Bonitätsnote wurde gesenkt, der Ausblick ist negativ. Die Regierung kann die Herabstufung nicht nachvollziehen.

Blick auf den italienischen Präsidentenpalast in Rom

Blick auf den italienischen Präsidentenpalast in Rom  |  © Max Rossi/Reuters

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditbewertung Italiens für die weitere konjunkturelle Entwicklung gesenkt. Nach Einschätzung der S&P-Experten haben sich die Aussichten für die italienische Wirtschaft zuletzt weiter verschlechtert. Das Rating des Euro-Krisenlandes werde von BBB+ auf BBB gesetzt, teilte die Agentur mit. Damit liegt die Kreditbewertung nur noch zwei Stufen über dem sogenannten Ramsch-Niveau, mit dem gemeinhin spekulative Anlagen gekennzeichnet werden.

Italien befindet sich in der längsten Rezessionsphase seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Arbeitslosigkeit ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Wirtschaftsleistung des Landes sei im ersten Quartal weiter gesunken und befinde sich derzeit unverändert in einem Abschwung, so die Experten. Der Ausblick sei weiterhin "negativ". Daher ist es möglich, dass in den kommenden Monaten weitere Herabstufungen folgen. Die Experten gehen im laufenden Jahr von einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 1,9 Prozent aus, nachdem sie zuvor nur einen Rückgang um 1,4 Prozent erwartet hatten.

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Insgesamt wird die Verschuldung des Landes auf einem gefährlich hohen Niveau verharren, so die Einschätzung. S&P geht davon aus, dass der Anteil der öffentlichen Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahresende bei 129 Prozent liegen wird.

Mit der neuen Bewertung hat sich S&P den Urteilen anderer führender Agenturen teilweise angepasst. Bei Moody's hat Italien ebenfalls ein Rating, das zwei Stufen über dem Ramsch-Niveau liegt. Bei Fitch liegt das Rating weiterhin noch drei Stufen über Ramsch.

Aus dem italienischen Finanzministerium verlautete, S&P beziehe sich bei der Herabstufung auf die vergangene Politik und berücksichtige die jüngst beschlossenen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft noch nicht. Insgesamt seien die Herabstufung und ihre Begründung daher nicht nachvollziehbar.

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Leserkommentare
  1. gerät ins Rollen. Aber keine Sorge, Europa ist auf einen "guten Weg".

    14 Leserempfehlungen
  2. Es gehört zu den Phänomenen dieser Europäischen Depression, dass dieses Italien sich larmoyant allen Kritiken entzieht und die Krise südlich der Alpen in Resteuropa einfach beschwiegen wird. Hilft man so den Italienern und ist es der europäischen Sache dienlich, wenn der ökonomischer und politischer Verfall dieses Landes gar nicht thematisiert werden?

    Wie weit muss die Industrieproduktion in Italien eigentlich kontrahieren, wie viele politische Skandale braucht es eigentlich, bis die Europäer, aber auch die Italiener selbst die Zurückhaltung verlieren? Das Cinque Stelle-Phänomen war ein Alarmzeichen für den Kontinent, das schrill überhört wurde. Entgegen dem medialen Konsens war dies keine radikale Marktschreierbewegung, sondern eine Antiestablishmentpartei, die die Entkrustung des Filzes in Italien ins Auge fasst. Wieso wird das eigentlich nicht zur Kenntnis genommen?

    Jetzt also eine weitere Herabstufung der Bonität. Die Regierung Italiens kann dies nicht nachvollziehen und man ist geneigt ihr diesbezüglich sogar zuzustimmen, werden doch momentan die juristischen Weichen gestellt um Kreditlenkung nach Süden zu perpetuieren. Entgegen dem Diktum, das Land sei "too big to bail" wird es demnächst wohl (schlecht) verdeckte Finanzierung des italienischen Staates geben.

    Warum wird nicht offen analysiert, dass die Reformunfähigkeit der italienischen Bürokratie ein Pfand ist, um nicht in den Bankrott entlassen zu werden und inwiefern dies ein wesentlicher Skandal der Krise ist?

    10 Leserempfehlungen
  3. dass bald die "Freihandelszone" kommt, dann müssen die amerikanischen Agenturen nicht mehr so viel "raten"

    2 Leserempfehlungen
  4. Nun haben wir seit 2008 die Finanzkrise und wenn man den Gurus zuhört, hätte die Wirtschaft schon zig-mal zusammenbrechen müssen. Staatsbankrotte, Kaputtsparen, Weltwirtschaftscrash und ähnliche Vokabeln zuhauf haben wir seither täglich zur Genüge gehört.

    Ein früherer Chef von mir sagte einmal: "Das Jammern ist die Begrüßung der Kaufleute." Wäre vielleicht nicht schlecht, wenn die Kaufleute sich einmal eine neue Form der Begrüßung ausdenken würden.

    Liebe Grüße

    Rappelkopf

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    so viel, wie ein Elefant vom Fahrrad fahren.

    Das System ist schon zusammengebrochen. Nur der freie Fall wird noch etwas aufrecht erhalten, weil die FED und die EZB (+ Banken) Gelder in den Finanzmarkt pumpen.

    Aber das unterscheidet einige von Ihrem ehem. Chef: Manche kennen sich etwas mit dem System aus und argumentieren auch sachlich. Ihr ehem. Chef kann nur dumme und blöde Sprüche reißen, weil er es kann. Aber mal sehen, wenn er mal auf H-IV Niveau rutschen würde (er wäre der Erste, der zu jammern beginnt und die Schuld bei anderen sucht).

    Ihr ehem. Chef mochte zwar das Spiel, wie man das Geld aus der Tasche ziehen kann, aber vom System versteht er nur Bahnhof. Sorry, aber so kann man kein funktionierendes System etablieren.

  5. Doch wohl höchstens ein paar Geldhäuser, die ihre Kosten nicht mehr im Griff haben und mit Erpressungsmethoden arbeiten müssen.
    Gibt es auch in Deutschland.

    5 Leserempfehlungen
  6. so viel, wie ein Elefant vom Fahrrad fahren.

    Das System ist schon zusammengebrochen. Nur der freie Fall wird noch etwas aufrecht erhalten, weil die FED und die EZB (+ Banken) Gelder in den Finanzmarkt pumpen.

    Aber das unterscheidet einige von Ihrem ehem. Chef: Manche kennen sich etwas mit dem System aus und argumentieren auch sachlich. Ihr ehem. Chef kann nur dumme und blöde Sprüche reißen, weil er es kann. Aber mal sehen, wenn er mal auf H-IV Niveau rutschen würde (er wäre der Erste, der zu jammern beginnt und die Schuld bei anderen sucht).

    Ihr ehem. Chef mochte zwar das Spiel, wie man das Geld aus der Tasche ziehen kann, aber vom System versteht er nur Bahnhof. Sorry, aber so kann man kein funktionierendes System etablieren.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Untergangspropheten"
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    ... Er war immerhin Vorstand einer Bank die bis heute weder Staatshilfen noch Zuschüsse benötigt hat, die seit mehr als 100 Jahren bis heute immer Gewinne erwirtschaftet hat, die auf ihrem (regionalen) Markt inzwischen alle Mitbewerber überflügelt hat, ohne dem hypertrophen Größenwahn mancher anderer Institute zu huldigen.

    Das mag schon stimmen, dass er kein Ackermann oder Strauss-Kahn oder Marcel Ospel ist. Auch handelt es sich nicht um eine Firma wie Lehman Brothers oder Goldman Sachs.

    Er hat einen der kleinen und mittleren Betriebe geführt, die die von den Großen verursachten Turbulenzen aufgefangen haben. Insofern denke ich, dass Sie ihn hier wohl zu Unrecht schmähen.

    Gruß
    Rappelkopf

  7. 11 Leserempfehlungen
  8. fragen wir uns allen ernstes noch, wo die Ursache der sog. "Euro-Krise" ist-
    Sie ist eigentlich ein Wirtschaftskrieg gegen uns und wir dummen Europäer sind dabei noch die eigenen Steigbügelhalter dazu.

    Wünsche frohes Verhandeln in Washington!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, kmi
  • Schlagworte Finanzministerium | Agentur | Arbeitslosigkeit | Bruttoinlandsprodukt | Italien | Weltkrieg
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