ImmobilienDer Immobilienkonzern IVG wackelt

Eine Finanzlücke von 120 Millionen Euro wäre möglicherweise bestandsgefährdend. Der Vorstandschef wirbt bei den Gläubigern dringend um eine Sanierung.

Dem hochverschuldeten Büro-Immobilienkonzern IVG fehlen nach eigener Einschätzung bis zu 120 Millionen Euro. Diese Summe sei nötig, um den Liquiditätsbedarf ab Oktober zu decken, teilte das Unternehmen mit. Diese Lücke sei möglicherweise bestandsgefährdend, sagte die Bonner Firma. Weitere Abschreibungen könnten die Hälfte des Grundkapitals aufzehren. Bei einer Zahlungsunfähigkeit müssten Kreditgeber und Inhaber einer Wandel-Anleihe hohe Einbußen hinnehmen.  

Die IVG versucht fieberhaft, die Gläubiger zu Zugeständnissen zu bewegen. Aktionäre und die Gläubiger einer Hybrid-Anleihe würden sogar komplett leer ausgehen. Eine Eingung auf ein Sanierungskonzept sei die beste Lösung für alle Parteien, so warb IVG-Chef Wolfgang Schäfers um Zustimmung.

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Die Kreditgeber – darunter dominieren inzwischen Hedgefonds – sollen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und dafür im Gegenzug IVG-Aktien erhalten. Die Verschuldung von mehr als vier Milliarden Euro müsse um 1,75 Milliarden Euro gedrückt werden, um "wieder nachhaltig kapitalmarktfähig zu werden", hatte das Unternehmen bei der Vorstellung des Sanierungsplans Anfang Juni mitgeteilt.

Bei Insolvenz gibt es nur Teilsummen für die Gläubiger

Sollten die Gespräche scheitern und die Insolvenz eintreten, würden die Gläubiger eines Kredits über gut eine Milliarde Euro noch 86 bis 89 Prozent der Forderungen erhalten, erklärte IVG nun. Bei einem weiteren Kredit über 1,35 Milliarden Euro würden nur 46 bis 55 Prozent zurückfließen, die Gläubiger einer Wandelanleihe erhielten lediglich 27 bis 41 Prozent, so laute das Ergebnis einer Analyse eines Wirtschaftsprüfers.

Die IVG hatte sich in der Finanzkrise mit teuren Projekten verhoben – etwa mit dem Geschäftskomplex "The Squaire"am Frankfurter Flughafen – die mit Schulden finanziert wurden und die die Erwartungen nie erfüllten. Als die Objekte drastisch an Wert verloren, wurde es eng. Bis heute schreibt das Unternehmen wegen immer neuer Abwertungen Verluste. Bis 2016 will der Konzern 60 kleinere Immobilien verkaufen, das Prestigeprojekt "The Squaire" jedoch nicht.

Ende März stand der Bonner Konzern mit 4,2 Milliarden Euro im Minus, die Verschuldungsquote ist mit 72 Prozent nach eigener Einschätzung viel zu hoch, um die anstehende Refinanzierung zu meistern. Daher will der IVG-Vorstand nun den Befreiungsschlag und hofft auf ein Entgegenkommen von Aktionären, Anleihe-Investoren und anderen Gläubigern. Die Zeit drängt: Auf der für den 30. August geplanten Hauptversammlung sollen die Eigner über den Sanierungsplan abstimmen. Dafür muss spätestens am 20. Juli eingeladen werden.

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Leserkommentare
  1. Zeigt sich da vielleicht die ersten deutlichen Zeichen einer Blase auf dem Immobilienmarkt. Man baut auf Teufel komm raus, finanziert mit billigen Krediten - aber am Ende finden sich dann aber doch nicht genügend Käufer oder Mieter zum kalkuliertem hohen Preis?

  2. mit dem Teilmarkt "Büroimmobilien" zu tun.
    Als Beleg für eine Blase am Immobilienmarkt taugt die IVG nicht, man hat mit untauglichen Projekten auch zu normalen Zeiten genug Probleme.
    Auf Dauer verursachen solche Projekte ja nicht nur Buchverluste und Gewinnausfall aus der Abwertung sondern belasten durch Mindereinnahmen die Liquidität und bringen Probleme bei der Unternehmensfinanzierung.

  3. mit diversen Kapitalerhöhungen die unabwendbare Pleite, einzig mit dem Ziel, die Vorstandsgehälter zahlen zu können!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, rtr, hs
  • Schlagworte IVG | Abschreibung | Finanzkrise | Frankfurter Flughafen | Hedgefonds | Insolvenz
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