Um skurrile Abkürzungen ist Europa nicht verlegen: Hopes heißt das neue EU-Netzwerk, in dem sich die Chefs der nationalen Arbeitsagenturen künftig austauschen und koordinieren: Heads of Public Employment Services.

Das Ziel: Die Jugendarbeitslosigkeit in der EU soll gesenkt werden. Hopes ist aber in Wirklichkeit nichts Neues. Schon seit mehr als sechs Jahren treffen sich die Chefs der europäischen Arbeitsagenturen regelmäßig und sprechen über sinnvolle Maßnahmen, die Arbeitslosigkeit in Europa zu senken. Nun heißt diese Runde eben Hopes und soll sich primär Jugendlichen widmen.

Bislang haben die Gesprächsrunden so gut wie nichts erreicht. Der Geschäftsbericht 2012 der Bundesagentur für Arbeit nennt genau zwei Projekte, bei denen auf europäischer Ebene zusammengearbeitet wurde: Man habe die Basis gelegt für eine intensive Unterstützung der griechischen Arbeitsverwaltung und die Zusammenarbeit mit Spanien intensiviert.

Eine maue Bilanz für eine bereits seit sechs Jahren existierende Kooperation. Warum sollte der heutige Gipfel im Kanzleramt bessere Ergebnisse bringen? Die Erwartungen, welche Kanzlerin Merkel, Frankreichs Präsident Hollande und die Vertreter der EU-Institutionen heute in Berlin geweckt haben, sind enorm.

Austausch gibt es bereits

Natürlich ist es richtig, dass sich die EU-Staaten austauschen, ihre Ausbildungssysteme vergleichen und überlegen, was sie von einander lernen können.

Doch all das passiert bereits in den verschiedensten Gremien, ob EU-Kommission oder OECD. Und in der Regel lautet das Ergebnis: Liebe Südeuropäer, macht es wie Deutschland, baut ein duales Ausbildungssystem auf. So gut das deutsche System auch ist, so einfach lässt es sich nicht auf andere EU-Länder übertragen. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Maßnahme kurzfristig nichts an der Situation in Spanien, Griechenland und Italien ändern würde.

Die Konferenz in Berlin sollte ein "Gipfel der Praktiker" sein, betonen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und die Kanzlerin. Doch tatsächlich war es wohl ein Gipfel des schlechten Gewissens. Deutschland, das von den Krisenstaaten harte Reformen verlangt und damit mitverantwortlich ist dafür, dass in Südeuropa immer mehr Menschen ohne Job sind, lädt nun zum Treffen gegen Arbeitslosigkeit. Aber leider nicht in Madrid oder Athen, sondern in Berlin. Der Gipfel findet damit in dem Land statt, in dem die wenigsten Jugendlichen ohne Arbeit sind und manch ein Ausbildungsplatz sogar mangels Bewerber unbesetzt bleibt. Absurd.

Vor nicht einmal einer Woche tagten bereits die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel zum gleichen Thema. Das Ergebnis: Die Krisenstaaten erhalten mindestens sechs Milliarden Euro, auf zwei Jahre verteilt. Wie wenig das ist, zeigt ein Blick in die Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Die finanzierte im vergangenen Jahr für 830.000 Menschen eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme – für insgesamt 11,5 Milliarden Euro.

Das ist kein Plädoyer für mehr Geld, damit allein werden die Probleme nicht gelöst. Auch strukturelle Reformen sind wichtig. Aber am wichtigsten ist, dass die Unternehmen in Europa wieder Vertrauen fassen und investieren. Nur so werden Jobs geschaffen. Der Gipfel im Kanzleramt kann dazu nur wenig bis gar nichts beitragen.