Amerikas Präsident Barack Obama hat sich in einem Interview mit der New York Times besorgt darüber geäußert, dass die wachsende Einkommensungleichheit und die Folgen der Finanzkrise den sozialen Frieden des Landes gefährden. Die Möglichkeit des Aufstiegs für alle Bürger sei seit jeher Bestandteil der amerikanischen Identität gewesen, sagte Obama. Die Aufstiegschancen seien jedoch seit 20 oder 30 Jahren immer geringer geworden. Wenn die Politik nichts dagegen unternehme, werde sich dieser Trend verschärfen.

Vor dem Hintergrund des umstrittenen Freispruchs von George Zimmerman sagte Obama, der Kampf gegen den Rassismus in den USA sei ohne wirtschaftliche Stabilität nicht zu gewinnen. "Die Spannung zwischen den Rassen wird nicht geringer. Sie könnte sogar zunehmen, weil die Menschen das Gefühl haben, dass sie gegen eine andere Gruppe um die Verteilung immer weniger werdender Güter kämpfen müssen."

Amerikas Wirtschaft sei zwar wesentlich stärker als noch vor vier Jahren, sagte Obama weiter. Viele Menschen aber würden sich Sorgen um ihre Zukunft machen. "Deshalb sind die Menschen ängstlich und frustriert." 

Republikaner wollen mehr sparen

Ohne eine Abkehr von der "schädlichen Sparpolitik" hin zu mehr Wachstumsförderung, werde nicht nur die Mittelklasse immer kleiner. Es werde auch unmöglich, Themen wie Handel, Klimawandel und Einwanderung zu verhandeln.  

Obama forderte Investitionen in Infrastruktur, Bildung, erneuerbare Energien und Forschung. Die Republikaner, die eine Mehrheit im Repräsentantenhaus haben, lehnen solche Maßnahmen strikt ab. Sie wollen stattdessen die Einsparungen im neuen Haushaltsjahr ausweiten, das am 1. Oktober beginnt.